Waagner-Biro AG meldet Insolvenz an – Grossnigg als Sanierer an Bord

Ursache für die Insolvenz sind die massiven Probleme bei der Stahlbau-Tochter SBE, die nicht fortgeführt wird. 107 Jobs fallen dort weg. Die Waagner-Biro-Gruppe strukturiert nun den Vorstand um und holt den Unternehmer Erhard Grossnigg an Bord.

Auslöser der massiven Probleme ist ein Projekt, für das Waagner-Biro international gefeiert wurde – und zwar das Dach des Louvre Abu Dhabi (im Hintergrund die Baustelle).
Auslöser der massiven Probleme ist ein Projekt, für das Waagner-Biro international gefeiert wurde – und zwar das Dach des Louvre Abu Dhabi (im Hintergrund die Baustelle).
Auslöser der massiven Probleme ist ein Projekt, für das Waagner-Biro international gefeiert wurde – und zwar das Dach des Louvre Abu Dhabi (im Hintergrund die Baustelle). – (c) REUTERS (Caren Firouz)

Die Waagner-Biro AG hat heute den Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Beantragt wird eine Sanierung ohne Eigenverwaltung. Die Verbindlichkeiten belaufen sich laut Creditforum auf 27,3 Millionen Euro. Den Gläubigern wird eine 20-Prozent-Quote binnen zwei Jahren geboten. Das Unternehmen soll fortgeführt werden, die Liquidität ergibt sich aus der Leistungsverrechnung mit den noch operativ tätigen Töchtern.

Ursache sind die Probleme der Stahbau-Tochter SBE Alpha AG, die bereits Insolvenz angemeldet hat. Die insolvente Tochtergesellschaft wurde entgegen bisheriger Informationen bereits gestern, Dienstag, gerichtlich geschlossen. 107 Jobs in Wien sind verloren, bestätigte eine Waagner-Biro-Sprecherin. Die Mitarbeiter verließen ihren Arbeitsplatz am Mittwochnachmittag. Bisher war stets davon die Rede gewesen, dass zumindest Teile der SBE fortgeführt werden sollen. "Die rasche Schließung war notwendig geworden, da keine relevanten liquiden Mittel im Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung vorhanden waren. Dieser Umstand hat eine Unternehmensfortführung unmöglich gemacht", teilte der KSV 1870 mit. Faktisch war auch kein freies Vermögen verfügbar. Die betroffenen Mitarbeiter waren bereits beim AMS vorgemerkt.

 

Grossnigg soll sanieren

Waagner-Biro holt nun den bekannten Unternehmer Erhard Grossnigg als Sanierer ab Bord. Vorbehaltlich der Zustimmung des Insolvenzverwalters soll er die auf Bühnentechnik spezialisierte Tochter "Waagner-Biro Austria Stage Systems AG" übernehmen und so ihren Fortbestand sichern. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Für die weitere Tochtergesellschaft Waagner-Biro Bridge Systems AG laufen Veräußerungsgespräche bei denen es konkretes Interesse geben soll. Bei dieser Tochter ist aber damit zu rechnen, dass für diese Tochter ein Sanierungsverfahren beantragt wird.

Auch der Vorstand wird neu organisiert: Thomas Jost und Martin Zinner legen alle Funktionen innerhalb der Gruppe mit Ausnahme jener in der SBE Alpha AG zurück. Alexander Liaunig wurde als Vorstand der Waagner-Biro AG und der Waagner-Biro Austria Stage Systems AG bestellt, Bernhard Chwatal als Vorstand der Waagner-Biro AG und der Waagner-Biro Bridge Systems. Karl Grabner wurde zudem zum Vorstand der Waagner-Biro Bridge Systems AG berufen.

Die gesamte Waagner-Biro-Gruppe beschäftigt rund 1500 Mitarbeiter weltweit. 2017 erzielte der Konzern, der zu 25 Prozent Firmenchef Thomas Jost und zu 36,4 Prozent dem Industriellen Herbert Liaunig gehört (der Rest ist Streubesitz), einen Umsatz von 191,6 Millionen Euro. Der Vorsteuergewinn betrug 10,1 Millionen Euro.

Louvre Abu Dhabi als Auslöser

Auslöser der massiven Probleme ist ein Projekt, für das Waagner-Biro international gefeiert wurde – und zwar das Dach des Louvre Abu Dhabi. Für die Kuppel mit einem Durchmesser von 178 Metern wurden Tausende unterschiedliche Stahlelemente ineinander vernietet, sodass sich je nach Sonnenstand ein unterschiedlicher „Lichtregen“ ins Innere des Museums ergießt. Architektonisch ein Meisterwerk. Technisch eine schwierige Herausforderung. So heißt es denn auch im Insolvenzantrag der Stahlbau-Tochter, dass es aufgrund mangelhafter Architekturplanung „deutliche Zeit- und Kostenerhöhungen“ gab.

Hinzu kam noch ein zweites Problem-Projekt in Russland. Bei der Stahlfassade eines Gebäudes kam es nach der Montage infolge von Spannungen zu einem Bruch vieler Glasscheiben. Auch hier blieben die Zahlungen des Generalunternehmers an Waagner-Biro aus. Das führte nun zu der Situation, dass die Stahlbautochter eigene Rechnungen nicht mehr begleichen kann.

(Red./APA)

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