Immobilieninvestor Benko kauft sich bei "Krone" und "Kurier" ein

Paukenschlag in der Medienbranche: Die Signa-Gruppe von Rene Benko beteiligt sich an "Krone" und "Kurier". "Wir werden insbesondere unser starkes Know-How in der Digitalisierung traditioneller Geschäftsmodelle erfolgreich in die Partnerschaft einbringen", sagt Benko.

Rene Benko mit seiner Frau Nathalie
Rene Benko mit seiner Frau Nathalie
Rene Benko mit seiner Frau Nathalie – imago/SKATA

Die Funke Mediengruppe und die Signa Holding um Rene Benko haben eine Partnerschaft beschlossen: Signa übernimmt dazu von Funke einen Anteil von 49 Prozent an der WAZ Ausland Holding GmbH, die wiederum an der „Kronen Zeitung“ und am „Kurier“ beteiligt ist. Signa investiert damit erstmals neben Immobilien und Handel (Kaufhaus, Karstadt, Kika-Leiner) auch in das Mediengeschäft. Die Zusammenarbeit startet nach Freigabe der zuständigen Kartellbehörden. Signa hielte dann durchgerechnet 24,22 Prozent am "Kurier" und 24,5 Prozent an der "Krone". Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

APA

Funke ist seit 1987 im österreichischen Medienmarkt aktiv. Die deutsche Mediengruppe hält über die WAZ Ausland Holding GmbH 50 Prozent an der „Kronen Zeitung“ und knapp 50 Prozent am „Kurier“. Die übrigen Anteile an der „Krone“ gehören der Familie Dichand. Mitgesellschafter beim Kurier ist die Raiffeisen Gruppe.

"Wir freuen uns sehr, mit Signa einen starken Partner für unsere verlegerischen Aktivitäten in Österreich gefunden zu haben. Mit neuer Kraft und Dynamik werden wir die starken Marken gemeinsam in die Zukunft führen, vor allem auch durch eine konsequente Digitalisierung", wird Funke-Geschäftsführer Michael Müller in einer Aussendung zitiert.

 

Digitalisierung löst Grenzen auf

Signa macht mit der Medien-Partnerschaft laut René Benko "den nächsten strategisch wichtigen Schritt auf ihrem Weg, einer der führenden Multichannel-Anbieter in Europa zu werden", denn: „Die Digitalisierung löst die Grenzen zwischen traditionellen Geschäftsmodellen auf. Handel, Information und Unterhaltung, aber auch das Wohnen und die moderne Welt der Arbeit – diese Bereiche lassen sich schon heute nicht mehr trennen. Wir investieren deshalb strategisch in Geschäftsmodelle, die breite Konsumentenschichten mit außergewöhnlichen Produkten und Leistungen überzeugen und ihre zukünftigen Bedürfnisse in der analogen wie der digitalen Welt ganzheitlich abbilden. Die Transformation starker Marken spielt da eine ganz wesentliche Rolle.“

Signa engagiere sich strategisch überall dort, wo breite Konsumentenschichten zukünftig eine perfekte Vernetzung von Offline- und Online-Angeboten erwarten und vertraute Markenwelten mit digitalen Angeboten verschmelzen: Beim Wohnen durch die Entwicklung hoch qualitativer Wohnkonzepte, im Beruf durch die Entwicklung modernster Bürogebäude und Arbeitswelten, beim Einkaufen durch die Revitalisierung der innenstädtischen Warenhauskultur hin zu innerstädtischen Marktplätzen und bei Information und Unterhaltung durch das Zukunftspotential von stark positionierten Medienmarken.

René Benko: „Wir werden insbesondere unser starkes Know-How in der Digitalisierung traditioneller Geschäftsmodelle erfolgreich in die Partnerschaft einbringen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit der Funke Mediengruppe, der Familie Dichand und der Raiffeisengruppe.“

Zuletzt hatte Benko mit der Fusion der Warenhäuser Karstadt und
Kaufhof für Aufmerksamkeit gesorgt. Am vergangenen Freitag hatte
das Bundeskartellamt grünes Licht für den neuen Einzelhandelsriesen gegeben. Geleitet werden soll der neue
Warenhauskonzern vom bisherigen Karstadt-Chef Stephan Fanderl.

Benko gehört seit 2017 laut dem österreichischen
Wirtschaftsmagazin "trend" mit einem Vermögen von 3,7 Milliarden
Euro zum Club der zehn reichsten Menschen der Alpenrepublik.
Sein Erfolg gründet auf zahlreichen Immobiliengeschäften, in
Deutschland gehört dem 41-Jährigen nicht zuletzt das KaDeWe in
Berlin. 

Detail am Rande: Benko legt derzeit ein Faible für Investments in Wien-Heiligenstadt an den Tag. Zuletzt erwarb er den "APA-Turm" in der Gunoldstraße im 19. Bezirk - direkt gegenüber von der "Kronen Zeitung" mit der Adresse Muthgasse 2. Und auch der "Kurier" logiert seit 2014 in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Jahrelanger Streit zwischen Dichand und Funke

Erst Ende Oktober, acht Jahre nach dem Tod des legendären "Kronen Zeitung"-Gründers Hans Dichand, wurde dessen Verlassenschaftsverfahren geregelt. Helga Dichand und ihre drei Kinder Michael, Johanna und Christoph haben Ende September 2018 "im Erbwege zu gleichen Teilen" den 50-Prozent-Anteil Dichands an der "Krone" übernommen. Die vier Erben halten damit je 12,5 Prozent an Österreichs größter Zeitung.

Über einen entsprechenden Eintrag im Firmenbuch berichtete   die Rechercheplattform Dossier. Die anderen 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" hält derzeit noch die deutsche Funke-Mediengruppe, die früher als WAZ firmierte.

Die Dichands und ihr deutscher Partner liegen seit Anfang der 2000er-Jahre im Streit um die strategische Ausrichtung und Führung der Tageszeitung. Dieser nahm auch nach dem Tod Hans Dichands im Juni 2010 kein Ende. Seither wird die "Krone" von Christoph Dichand geführt, der als Herausgeber und Chefredakteur fungiert und die Familie im Gesellschafterausschuss vertritt. Die lange Dauer des Verlassenschaftsverfahrens dürfte nach Kennern der Familie vor allem auf die umfangreichen Kunstsammlung Dichands zurückzuführen sein.

 

Raiffeisen kurzfristig informiert

Von Raiffeisen-Seite ist am Montag der Einstieg der Signa-Holding in die österreichischen Medienbeteiligungen der Funke-Gruppe gelassen kommentiert worden. Raiffeisen werde im "Kurier" weiterhin "die klare Mehrheitsposition von 51 Prozent" haben und es werde sich somit nichts ändern, sagte der Chef der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und "Kurier"-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder der APA.

Raiffeisen sei von der Vereinbarung zwischen Funke und Signa kurzfristig informiert worden, meinte er. Aber: "Meines Wissens ist es so, dass nach wie vor Funke selbst in der Österreich-Holding die alleinige Kontrolle hat. Unter dieser Voraussetzung ändert sich nichts." Ebenso wichtig sei, "dass es mit der 'Krone' in der Mediaprint weiterhin eine sehr gute Zusammenarbeit gibt". Die Mediaprint ist die gemeinsame Verlagstochter von "Kronen Zeitung" und "Kurier".

Keinen Kommentar gibt es von Christoph Dichand, hieß es am Montag auf APA-Anfrage im Büro des "Krone"-Chefredakteurs und -Herausgebers, der die Familie im Gesellschafterausschuss vertritt.

Das ist Signa

Die vom Unternehmer René Benko 1999 gegründete Signa Gruppe ist eine privat geführte Industrieholding in den Bereichen Real Estate und Retail. Das Unternehmen ist mit einem Immobilienvermögen von über 14 Milliarden Euro und einem zusätzlichen Development Volumen von rund acht Milliarden Euro einer der bedeutendsten Immobilieninvestoren in Europa.

Die Signa Real Estate Gruppe besitzt und entwickelt in namhaften europäischen Städten wie z.B. Berlin, Hamburg, München oder Wien in Toplagen zahlreiche Landmark Buildings wie z.B. das Ka-DeWe und den Upper West Tower in Berlin, das Goldene Quartier mit dem Park Hyatt Hotel in Wien, die Alte Akademie in München oder das Alsterhaus und die Alsterarkaden in Hamburg.

Die Signa Retail Gruppe vereint unter ihrem Dach die fünf unabhängigen Handelsplattformen Signa Premium, Signa  Department Store Group, Signa Home & Lifestyle, Signa Food & Restaurants sowie die Signa Sports United, die führende kontinentaleuropäische Sport E-Commerce Plattform. Signa Retail zählt mit total mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz (davon über 10 % online) und rund 45.000 Mitarbeitern an 320 Standorten in besten innerstädtischen Lagen sowie über 100 Webshops in 20 Ländern zu einer der führenden Handelsplattformen in Europa.

Das ist Funke

Informationen, Entertainment, Services – das ist die Funke Mediengruppe. Der Fokus liegt auf drei Geschäftsfeldern: Regionalmedien, Frauen- und Programmzeitschriften sowie Digitales. Mehr als 1.500 Journalisten und rund 4.500 Medienmacher arbeiten bei Funke. In Deutschland gibt das Unternehmen Tageszeitungen in Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen heraus, darunter Berliner Morgenpost, Braunschweiger Zeitung, Hamburger Abendblatt, Westdeutsche Allgemeine Zeitung und Thüringer Allgemeine. Im Magazinbereich gehört Funke zu den größten Anbietern.

Zum Portfolio zählen Titel wie Hörzu, Gong, TV Digital, BILD der FRAU, Frau im Spiegel, die aktuelle, myself und DONNA. Hinzu kommen zahlreiche Rätsel- und Spezialzeitschriften sowie Lebensart-Magazine. Im Digital-Bereich baut Funke ein Netzwerk an spezialisierten Jobportalen wie Absolventa und joblocal auf, im Publishing und Social-Media-Sektor ist Funke mit einer Mehrheitsbeteiligung an Media Partisans ein großer Anbieter im deutschen Markt. Darüber hinaus ist das Unternehmen auch auf dem österreichischen Zeitungsmarkt engagiert (Kronen Zeitung, Kurier). Mit der "Goldenen Kamera" und der "Goldenen Bild der Frau" werden zwei hochkarätige Events veranstaltet.

 

(red/APA)

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