Mieten steigen deutlich stärker als Haushaltseinkommen

Während die Mieten seit 2012 um 14 Prozent gestiegen sind, erhöhten sich die Haushaltseinkommen im selben Zeitraum nur um sechs Prozent.

Mieten zogen seit 2012 kraeftig an
Mieten zogen seit 2012 kraeftig an
APA

Wohnen wird immer teurer. Innerhalb von nur fünf Jahren sind die Kosten für Mietwohnungen (samt Betriebskosten) im österreichweiten Schnitt um rund 14 Prozent gestiegen, die reinen Nettomieten legten zwischen 2012 und 2016 sogar um fast 17 Prozent zu, wie aus aktuellen Daten der Statistik Austria hervorgeht. Die Haushaltseinkommen erhöhten sich im selben Zeitraum aber nur halb so stark, um gut 6 Prozent.

Am kostspieligsten kommen Wohnungen von privaten Vermietern - in diesem ohnedies schon teuren Bereich kam es seit 2012 zu einem Preisanstieg von fast 16 Prozent. Doch selbst im sozialen und geförderten Wohnbau haben sich die Mieten im Berichtszeitraum um knapp 12 Prozent verteuert. "Wir haben einen hohen Anteil an geförderten Wohnungen - sechs von zehn Österreichern wohnen in Gemeinde- oder Genossenschaftswohnungen", berichtete Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer heute, Dienstag, bei der Präsentation der neuesten Zahlen. Die Datenbasis bildet die Mikrozensus-Wohnungserhebung, bei der etwa 20.000 Haushalte pro Quartal befragt werden. Die Daten bilden also nicht die aktuellen Angebotspreise in Immobilieninseraten ab, sondern den Status quo bereits bestehender Mietverhältnisse.

Über alle Kategorien, Segmente und Regionen hinweg kostet das Anmieten einer Wohnung (inklusive Betriebskosten) im österreichweiten Schnitt demnach 7,4 Euro pro Quadratmeter. Je länger ein Mietverhältnis bereits besteht, desto günstiger ist das Wohnen. Das hängt damit zusammen, dass bei Neuvermietungen deutlich höhere Preise verlangt werden als die hier angeführten. Für Wohnungen, die erst in den vergangenen zwei Jahren angemietet wurden, sind im österreichweiten Schnitt quer durch alle Kategorien 8,9 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen (inklusive Betriebskosten) - private Vermieter verlangen durchschnittlich 9,9 Euro pro Quadratmeter.

"Differenz zwischen privat und gefördert nimmt ab"

"Die Differenz zwischen geförderten und privaten Mieten nimmt ab, je länger die Mietdauer besteht und verschwindet bei einem 20-jährigem Mietverhältnis - dann ist der geförderte praktisch gleich dem nicht geförderten Mietbereich", sagte Vlasta Zucha von der Statistik Austria.

Bei den Mieten gibt es freilich hohe regionale Unterschiede, wie Pesendorfer betonte: Am günstigsten wohnt man im Burgenland mit einer Miete von durchschnittlich 5,5 Euro je Quadratmeter, am teuersten in Salzburg mit 9,0 Euro. Auch Tirol und Vorarlberg belegen bei den Preisen Spitzenplätze, Kärnten ist günstig. Wien liegt mit 7,7 Euro am Quadratmeter dazwischen. Dieser relativ niedrige Wert liegt am hohen geförderten Wohnungsanteil in der Bundeshauptstadt. Hier sind 57 Prozent der 690.900 Hauptmietwohnungen Gemeinde- (31 Prozent) bzw. Genossenschaftswohnungen (26 Prozent). Doch insbesondere auch in Oberösterreich, dem Burgenland, Niederösterreich und Kärnten ist der Anteil der geförderten Wohnungen mit knapp unter 70 Prozent relativ hoch.

Österreichweit leben 43 Prozent der Bevölkerung in einer Mietwohnung, 48 Prozent im Eigentum, 9 Prozent haben eine Dienstwohnung oder eine andere unentgeltliche Wohnsituation.

In Wien gibt es überdurchschnittlich viele Mieter - hier haben 78 Prozent eine Mietwohnung und nur 19 Prozent eine Eigentumswohnung. Andersrum im Burgenland: Dort mieten sich nur 20 Prozent ein, der Großteil (71 Prozent) ist Eigentümer seiner Bleibe.

AK: "Wohnen muss billiger werden"

Angesichts der steigenden Mieten fordert die Arbeiterkammer (AK) "ein neues und transparentes Mietrecht mit tauglichen Mietbegrenzungen" und den Bau von deutlich mehr geförderten Wohnungen. "Wohnen muss billiger werden", meinten die Arbeitnehmervertreter heute, Dienstag, in einer Aussendung.

"Die Mieterinnen und Mieter müssen endlich entlastet werden", betonte AK-Präsident Rudolf Kaske. Konkret wünscht sich die AK ein möglichst einheitliches Mietrecht, eine Begrenzung der Mieten, einen Wegfall der Befristungen, niedrigere Betriebskosten durch das Streichen von Grundsteuer und Versicherung aus dem Betriebskostenkatalog und klare Erhaltungsregeln, also eine Erhaltungspflicht des Vermieters für die gesamte Wohnungsausstattung, nicht nur für die Heiztherme. Weiters soll nur der Vermieter eine Provision an den Immobilienmakler zahlen.

(APA)

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