Warum Putin nach Slowenien reist

1916 riss eine Lawine bis zu 300 russische Kriegsgefangene in den Tod. 100 Jahre später ist eine kurz danach errichtete Kapelle zur Pilgerstätte geworden.

Russische Kranzniederlegung in Slowenien.
Russische Kranzniederlegung in Slowenien.
Russische Kranzniederlegung in Slowenien. – (c) Imago

Die Russische Kapelle unterhalb des Vrsic-Passes wurde vor 100 Jahren von russischen Kriegsgefangenen zur Erinnerung an ihre Kameraden errichtet, die beim Bau der Alpenstraße über den Vrsic ums Leben kamen. Seit vielen Jahren gilt sie als ein Symbol für Freundschaft zwischen Slowenien und Russland.

Jeden letzten Sonntag im Juli pilgern die Besucher zur Kapelle, um der tragischen Ereignisse aus dem Ersten Weltkrieg zu gedenken. Die jährliche Gedenkfeier, die in den letzten Jahren tausende Menschen und hochrangige Gäste anzieht, wurde nach und nach zu einem wichtigen politischen und wirtschaftlichen Treffpunkt.

Russische Kriegsgefangene bauten Passstraße

Die Gedenkfeier zum 100. Jubiläum der Erbauung der Kapelle, an der auch Russlands Präsident Wladimir Putin teilnehmen wird, wird vom russischen Botschafter in Slowenien, Doku Zavgayev (Sawgajew), als "historisches Ereignis" in den slowenisch-russischen Beziehungen bezeichnet. In den letzten hundert Jahren sei die Kapelle zu einem "Symbol für Freundschaft, guten Beziehungen, Vertrauen und Verständigung" geworden.

Die Straße über den höchsten Gebirgspass Sloweniens wurde zwischen 1915 und 1916 von Österreich-Ungarn als eine Militärstraße gebaut, um die Versorgung der Soldaten im Hinterland von Isonzo zu ermöglichen. Rund 12.000 russische Kriegsgefangene bauten die Straße, die von Kranjska Gora über den 1611 Meter hohen Vrsic-Pass in das Trenta-Tal führt. Benannt wurde sie damals nach Erzherzog Eugen, seit 2006 trägt sie auch offiziell den Namen "Russische Straße".

Tausende Kriegsgefangene, die bei dem Bau der Straße von österreichischen Soldaten beaufsichtigt wurden, kamen wegen schlechter Arbeitsbedingungen und Krankheiten ums Leben. Alleine im März 1916 begrub eine riesige Schneelawine, die eine Kriegsgefangenen-Siedlung auf dem Pass zerstörte, eine große Zahl an Gefangenen und ihren Wächtern. Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt: es wird angenommen, dass 170 bis 300 Russen und zehn bis 80 österreichische Soldaten ums Leben kamen.

Kapelle wurde zur Pilgerstätte

Die überlebenden Gefangenen errichteten noch im selben Jahr eine Holzkapelle zu Erinnerung an die umgekommenen Kameraden. Sie wurde im November 1916 eingeweiht. Später, als die Straße im Jahr 1937 renoviert wurde, fand man in der Umgebung viele Gräber von russischen Gefangenen. Ihre sterblichen Überreste wurden zusammen mit jenen Gefangenen, die im Tal begraben wurden, in eine gemeinsame Grabstätte neben der Kapelle gebracht.

Während der beiden Weltkriege versammelten sich russische Emigranten jedes Jahr bei der Kapelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam diese Tradition zum Erliegen, die Erinnerung wurde vor allem von der lokalen Bevölkerung am Leben erhalten. In den 1960er Jahren wurden die Treffen wiederbelebt. Seit 1992 finden bei der Kapelle jedes Jahr slowenisch-russische Treffen statt.

(Von Nina Razborsek/APA)

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