Vor 25 Jahren: Als die Wiener Hofburg Feuer fing

In der Nacht auf den 27. November 1992 brannte die Hofburg in Wien: Die Redoutensäle wurden zerstört, der Dachstuhl brach zusammen - die ''Weißen Pferde'' aber konnten gerettet werden.

Vor 25 Jahren loderten im Herzen Wiens Flammen gen Himmel: In der Nacht auf den 27. November 1992 brach in der Hofburg ein Feuer aus. Der Brand zerstörte die Redoutensäle, die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule wurden eilig aus den Ställen gebracht, während sich die Flammen schon in Richtung der angrenzenden Nationalbibliothek ausbreiteten.

Ein Rückblick auf einen Brand, dessen Ursache bis heute nicht restlos geklärt werden konnte.

(c) MA 68 Lichtbildstelle

Es ist der 27. November 1992, exakt 1:10 Uhr: Ein Brandmelder der Schatzkammer der Wiener Hofburg schlägt an. Der Dachstuhl über dem jahrhunderte alten Gebäudekomplex hat Feuer gefangen. Drei Minuten später treffen de ersten Löschfahrzeuge bei der Hofburg ein - Flammen schlagen bereits aus den Fenstern. Um 2:30 Uhr bricht der gesamte Dachstuhl ein.

Das Feuer nimmt an Inbrunst zu, Teile der Innenstadt werden aus Sicherheitsgründen abgeriegelt. Kurz nach 2 Uhr treffen der damalige Bürgermeister Helmut Zilk und der damalige Umweltstadtrat (auch für die Feuerwehr verantwortlich) Michael Häupl am Brandort ein.

APA

Die Feuerwehr kann die Flammen nicht unter Kontrolle bringen: Um 3 Uhr wird Alarmstufe fünf gegeben, später auf sechs bzw. sieben (4:10 Uhr) erhöht. Der Grund: starker Wind kommt auf und erschwert die Löscharbeiten.

Um 3:05 Uhr ordnet Jaromir Oulehla, Leiter der Spanischen Hofreitschule, die Evakuierung der Stallburg an. 69 der „weißen Pferde“ werden - zum Teil mit Hilfe von Passanten - vorübergehend aus der Gefahrenzone gebracht.

APA

Immer mehr Feuerwehren nehmen Kurs auf das Herz der Bundeshauptstadt: Gegen 4 Uhr stehen bereits 240 Wiener Feuerwehrleute im Einsatz, aus Niederösterreich werden 125 Mann angefordert.

Polizeibeamte bringen indes mehr als 10.000 Bücher aus dem 16. bis 18. Jahrhundert aus der angrenzenden Nationalbibliothek in Sicherheit.

 

APA

Erst gegen 6 Uhr früh ist das Feuer weitestgehend unter Kontrolle. „Brand aus“, heißt es offiziell aber erst am 28. November 1992 um 8:15 Uhr.

 

(c) MA 68 Lichtbildstelle

Am Tag nach dem Brand unternimmt die Austria Presseagentur einen Lokalaugenschein und schreibt: "Rußgeschwärzt sind die Wände der unbeleuchteten Stiege, die von außen zu den Redoutensälen führt. Es qualmt, stinkt, das Löschwasser quatscht unter den Füßen. Im Kleinen Redoutensaal ist noch ein Teil der Deckenkonstruktion erhalten. Durch ein Loch blickt man in den Himmel. (...) In all dem Chaos: rußgeschwärzte Diplomatenakten. Bis am Tag vor dem Brand hatte man dort ja noch getagt."

 

(c) MA 68 Lichtbildstelle

In den Tagen nach dem Brand werden die Weichen für die Zukunft gestellt: Der Schutt wird beseitigt, bald darauf beginnt man mit dem Bau eines provisorischen Daches über den Redoutensälen. Der alte Glanz soll wieder erstehen - bis das Projekt fertiggestellt ist, werden knapp fünf Jahre vergehen.

 

(c) MA 68 Lichtbildstelle

Am 26. Oktober 1997 werden die Redoutensäle wieder eröffnet. Die Restaurierungsarbeiten kosteten 840 Millionen Schilling (etwa 61 Millionen Euro). Die Fassade des Hofburgtraktes blieb zwar unangetastet, innen wurden jedoch nicht nur die Säle wiedererrichtet, sondern auch der Dachraum völlig neu gestaltet und für die Einrichtung eines Konferenzraumes für rund 1000 Personen genutzt.

Im Bild: Der Große Redoutensaal kurz nach dem verheerenden Brand sowie nach seiner Renovierung. Heute finden in ihm die Nationalratssitzungen statt, so lange das Parlament renoviert wird.

(c) APA (SCHNEIDER Georges)

Der barocke Kleine Redoutensaal, von dem 80 Prozent der alten Bausubstanz den Brand überlebten, wurde detailgetreu rekonstruiert. Beim Großen Saal und dem darüberliegenden barocken war dies nicht möglich.

Der Große Redoutensaal wurde neu gestaltet und ist von 22 Wandbildern und einem 400 Quadratmeter großen Deckenfresko des Wiener Malers Josef Mikl dominiert.

Im Bild: Der Kleine Redoutensaal kurz nach dem Brand und nach der Renovierung 1997.

(c) APA (SCHNEIDER Georges)

Die Ursache des Feuers wurde dagegen nie vollständig geklärt. Experten des Innenministeriums schlossen einen Kabelbrand zwar dezidiert aus, nicht jedoch "weitere elektrische Vorgänge" im Bühnenbereich des Großen Redoutensaals, wo das Feuer seinen Ausgang genommen hatte. Ebenso kamen nachglühende Tabakreste, die brennbare Materialien entzündet hatten, als Ursache infrage.

Eckdaten zum Gebäudekomplex:

Die Wiener Hofburg erstreckt sich zwischen Josefs-und Michaelerplatz. Die älteste Anlage einer herzöglichen Pfalz geht vermutlich auf Leopold VI. in die Zeit um 1215 bis 1250 zurück. Südlich davon ließ König Przemysl Ottokar II. den historischen Kern der heutigen Anlage um den Schweizerhof errichten, der unter Rudolf von Habsburg vollendet wurde. Die heutige Gestalt erhielt der „Schweizertrakt“ in der Renaissance durch P. Ferrabosco.

Von 1660 bis 1666 wurde derVerbindungstrakt („Leopoldinischer Trakt") zwischen Schweizerhof und Amalienburg erneuert. Dieser Bau wurde nach einem Brand 1668 um ein Geschoss höher wieder erbaut. Den Leopoldinischen Trakt bewohnten Maria Theresia und Joseph II., im ersten Stock liegen heute die Amtsräume des Bundespräsidenten.

APA

Lukas von Hildebrandt erbaute 1723 den Reichskanzleitrakt, der die Nord-Ost-Seite des Inneren Burghofs abschließt. Der Mittelbau mit der Kuppel-Einfahrt zum Michaelerplatz und der Michaelertrakt wurden 1726 begonnen und mit Abänderungen bis 1893 vollendet.

Fischer von Erlach führte 1735 den Haupttrakt der ehemaligen Hofbibliothek, die heutige Nationalbibliothek, südöstlich des Schweizerhofs zu Ende.

Im Bild: Fiaker fährt durch das Michaelertor

APA/HERBERT NEUBAUER

Außerhalb des alten Burgkomplexes liegt zur Ringstraße hin die Neue Hofburg aus der Zeit Franz Josephs, die im Zusammenhang mit der Schleifung der Bastei, der Auflassung des Glacis und der Anlage der Ringstraße nach Plänen von Gottfried Semper und Karl Hasenauer 1881 bis 1913 erbaut wurde. Sie hat ihre Hauptfront zum Heldenplatz.

Das Äußere Burgtor (Heldendenkmal) vollendete 1824 P. Nobile.

(c) imago stock&people (imago stock&people)
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Vor 25 Jahren loderten im Herzen Wiens Flammen gen Himmel: In der Nacht auf den 27. November 1992 brach in der Hofburg ein Feuer aus. Der Brand zerstörte die Redoutensäle, die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule wurden eilig aus den Ställen gebracht, während sich die Flammen schon in Richtung der angrenzenden Nationalbibliothek ausbreiteten.

Ein Rückblick auf einen Brand, dessen Ursache bis heute nicht restlos geklärt werden konnte.

(c) MA 68 Lichtbildstelle

Es ist der 27. November 1992, exakt 1:10 Uhr: Ein Brandmelder der Schatzkammer der Wiener Hofburg schlägt an. Der Dachstuhl über dem jahrhunderte alten Gebäudekomplex hat Feuer gefangen. Drei Minuten später treffen de ersten Löschfahrzeuge bei der Hofburg ein - Flammen schlagen bereits aus den Fenstern. Um 2:30 Uhr bricht der gesamte Dachstuhl ein.

Das Feuer nimmt an Inbrunst zu, Teile der Innenstadt werden aus Sicherheitsgründen abgeriegelt. Kurz nach 2 Uhr treffen der damalige Bürgermeister Helmut Zilk und der damalige Umweltstadtrat (auch für die Feuerwehr verantwortlich) Michael Häupl am Brandort ein.

APA

Die Feuerwehr kann die Flammen nicht unter Kontrolle bringen: Um 3 Uhr wird Alarmstufe fünf gegeben, später auf sechs bzw. sieben (4:10 Uhr) erhöht. Der Grund: starker Wind kommt auf und erschwert die Löscharbeiten.

Um 3:05 Uhr ordnet Jaromir Oulehla, Leiter der Spanischen Hofreitschule, die Evakuierung der Stallburg an. 69 der „weißen Pferde“ werden - zum Teil mit Hilfe von Passanten - vorübergehend aus der Gefahrenzone gebracht.

APA

Immer mehr Feuerwehren nehmen Kurs auf das Herz der Bundeshauptstadt: Gegen 4 Uhr stehen bereits 240 Wiener Feuerwehrleute im Einsatz, aus Niederösterreich werden 125 Mann angefordert.

Polizeibeamte bringen indes mehr als 10.000 Bücher aus dem 16. bis 18. Jahrhundert aus der angrenzenden Nationalbibliothek in Sicherheit.

 

APA

Erst gegen 6 Uhr früh ist das Feuer weitestgehend unter Kontrolle. „Brand aus“, heißt es offiziell aber erst am 28. November 1992 um 8:15 Uhr.

 

(c) MA 68 Lichtbildstelle

Am Tag nach dem Brand unternimmt die Austria Presseagentur einen Lokalaugenschein und schreibt: "Rußgeschwärzt sind die Wände der unbeleuchteten Stiege, die von außen zu den Redoutensälen führt. Es qualmt, stinkt, das Löschwasser quatscht unter den Füßen. Im Kleinen Redoutensaal ist noch ein Teil der Deckenkonstruktion erhalten. Durch ein Loch blickt man in den Himmel. (...) In all dem Chaos: rußgeschwärzte Diplomatenakten. Bis am Tag vor dem Brand hatte man dort ja noch getagt."

 

(c) MA 68 Lichtbildstelle

In den Tagen nach dem Brand werden die Weichen für die Zukunft gestellt: Der Schutt wird beseitigt, bald darauf beginnt man mit dem Bau eines provisorischen Daches über den Redoutensälen. Der alte Glanz soll wieder erstehen - bis das Projekt fertiggestellt ist, werden knapp fünf Jahre vergehen.

 

(c) MA 68 Lichtbildstelle

Am 26. Oktober 1997 werden die Redoutensäle wieder eröffnet. Die Restaurierungsarbeiten kosteten 840 Millionen Schilling (etwa 61 Millionen Euro). Die Fassade des Hofburgtraktes blieb zwar unangetastet, innen wurden jedoch nicht nur die Säle wiedererrichtet, sondern auch der Dachraum völlig neu gestaltet und für die Einrichtung eines Konferenzraumes für rund 1000 Personen genutzt.

Im Bild: Der Große Redoutensaal kurz nach dem verheerenden Brand sowie nach seiner Renovierung. Heute finden in ihm die Nationalratssitzungen statt, so lange das Parlament renoviert wird.

(c) APA (SCHNEIDER Georges)

Der barocke Kleine Redoutensaal, von dem 80 Prozent der alten Bausubstanz den Brand überlebten, wurde detailgetreu rekonstruiert. Beim Großen Saal und dem darüberliegenden barocken war dies nicht möglich.

Der Große Redoutensaal wurde neu gestaltet und ist von 22 Wandbildern und einem 400 Quadratmeter großen Deckenfresko des Wiener Malers Josef Mikl dominiert.

Im Bild: Der Kleine Redoutensaal kurz nach dem Brand und nach der Renovierung 1997.

(c) APA (SCHNEIDER Georges)

Die Ursache des Feuers wurde dagegen nie vollständig geklärt. Experten des Innenministeriums schlossen einen Kabelbrand zwar dezidiert aus, nicht jedoch "weitere elektrische Vorgänge" im Bühnenbereich des Großen Redoutensaals, wo das Feuer seinen Ausgang genommen hatte. Ebenso kamen nachglühende Tabakreste, die brennbare Materialien entzündet hatten, als Ursache infrage.

Eckdaten zum Gebäudekomplex:

Die Wiener Hofburg erstreckt sich zwischen Josefs-und Michaelerplatz. Die älteste Anlage einer herzöglichen Pfalz geht vermutlich auf Leopold VI. in die Zeit um 1215 bis 1250 zurück. Südlich davon ließ König Przemysl Ottokar II. den historischen Kern der heutigen Anlage um den Schweizerhof errichten, der unter Rudolf von Habsburg vollendet wurde. Die heutige Gestalt erhielt der „Schweizertrakt“ in der Renaissance durch P. Ferrabosco.

Von 1660 bis 1666 wurde derVerbindungstrakt („Leopoldinischer Trakt") zwischen Schweizerhof und Amalienburg erneuert. Dieser Bau wurde nach einem Brand 1668 um ein Geschoss höher wieder erbaut. Den Leopoldinischen Trakt bewohnten Maria Theresia und Joseph II., im ersten Stock liegen heute die Amtsräume des Bundespräsidenten.

APA

Lukas von Hildebrandt erbaute 1723 den Reichskanzleitrakt, der die Nord-Ost-Seite des Inneren Burghofs abschließt. Der Mittelbau mit der Kuppel-Einfahrt zum Michaelerplatz und der Michaelertrakt wurden 1726 begonnen und mit Abänderungen bis 1893 vollendet.

Fischer von Erlach führte 1735 den Haupttrakt der ehemaligen Hofbibliothek, die heutige Nationalbibliothek, südöstlich des Schweizerhofs zu Ende.

Im Bild: Fiaker fährt durch das Michaelertor

APA/HERBERT NEUBAUER

Außerhalb des alten Burgkomplexes liegt zur Ringstraße hin die Neue Hofburg aus der Zeit Franz Josephs, die im Zusammenhang mit der Schleifung der Bastei, der Auflassung des Glacis und der Anlage der Ringstraße nach Plänen von Gottfried Semper und Karl Hasenauer 1881 bis 1913 erbaut wurde. Sie hat ihre Hauptfront zum Heldenplatz.

Das Äußere Burgtor (Heldendenkmal) vollendete 1824 P. Nobile.

(c) imago stock&people (imago stock&people)