Erwin K. Bauer: Preisgekrönter Pragmatiker

Der Grafikdesigner Erwin K.Bauer kämpft gegen Klischees und für Design, das Konsumenten nicht für blöd verkauft. Bei der Austria'09 ist er in der Sparte Creative Industries nominiert.

Erwin K. Bauer  Photo: Michaela Bruckberger
Erwin K. Bauer  Photo: Michaela Bruckberger
(c) (Michaela Bruckberger)

Dinge, über die man mit einem Grafikdesigner an einem sonnigen Nachmittag zum Beispiel sprechen kann: Klischees. Traktorreparturen. Und noch mehr Klischees.

Denn: Wenn eine Branche erfolgreich wird, dann werden es – so lautet ein Merksatz – auch die dazugehörigen Stereotype. „Vor zehn Jahren“, sagt Erwin K.Bauer, „war Grafikdesign ein Entwicklungsgebiet, auch vom Berufsbild her. Ein Grafikdesigner war halt einer, der etwas zeichnet.“ Heute hingegen sei es ein Modeberuf geworden – „wie früher mal Stewardess.“ Was jetzt nichts Schlechtes ist, im Gegenteil. Nur, sagt Bauer, hinke die Aufklärung, was Grafikdesign wirklich will, dem Boom hinterher. Denn dass es nicht um fesche Laptops und Cappuccino-Trinken geht, ist in der Öffentlichkeit noch nicht so richtig angekommen. Das zu ändern und die „substanzielle Arbeit“ zu erklären – sprich: darüber zu reden, was die Übersetzung von Ideen, das Aufspüren von Identität, kurz die Gestaltung der visuellen Kommunikation, die uns alle täglich ständig und immer stärker beeinflusst, wirklich bedeutet – hat sich Bauer aber vorgenommen. Er macht das als Autor, Designforscher, Lektor an der Angewandten, mit freien Projekten (z. B. die Typografie-Passage im MQ) oder gerade eben. Im Gespräch.

Und tatsächlich passt diese Aufgabe auch gut zu ihm. Denn das Eigentliche, das, was dahinter steht, ist ein Leitthema seiner Arbeit – und seines Erfolgs. Denn kein österreichisches Grafikbüro hat zuletzt mehr Preise geholt als Bauer und sein zehnköpfiges Team bei „bauer konzept & gestaltung“. Im Büro im Wiener Kreativpark Alpenmilchzentrale finden sich red dots, Staatspreis, European Design Award etc.

Die Palette der Arbeiten reicht von Packaging über Ausstellungen, Corporate Design, Orientierungssysteme bis zu Plakaten und ist fast ebenso breit wie die Ausbildung seiner Mitarbeiter: Es gibt Architekten, Texter, Industriedesigner, Fotografen, Grafiker. Da muss man nicht groß nachfragen: Ja, Interdisziplinarität ist Bauer wichtig.

Genauso wie „lästig“ zu sein. Bauer bezeichnet sich im Umgang mit Kunden als unbequemen Fragesteller. „Good designers make trouble“, an die Maxime des Tibor-Kalman-Zitats hält er sich. Weil „intensive Gespräche“ halt nötig seien, um „ehrliches Grafikdesign“ zu kreieren. „Markenentwickler erfinden für Produkte oft Identitäten, die sich nicht mit der Realität decken. Doch die Konsumenten haben das satt, sie wollen echte Geschichten, echte Informationen“, sagt Bauer. Und die will er selbst auch. „Wenn einer reinkommt und nur sagt: ,Führ mich zum Schotter‘, dann wird das nichts.“ Ein Designer habe schließlich bei der Auswahl seiner Kunden auch eine gewisse Verantwortung: „Man darf sich durchaus fragen, ob die Welt jetzt wirklich eine Verpackung für das neueste 27.000 Joghurt braucht.“

Innovation vom Hof. Aber auch wenn sein Team aus Überzeugung Aufträge annimmt, die nicht das große Geld bringen, sieht sich Bauer nicht als moralischen Musterschüler. Dazu wäre er auch zu pragmatisch. Denn Bauer ist gelernter Landwirt. Zwar war die Ausbildung weniger sein Wunsch als jener der Milchbauern-Verwandtschaft, trotzdem ist er dankbar. Nicht nur weil er sich mit seinen vielen Winzer-Kunden gut unterhalten kann, sondern weil man am Bauernhof Innovation lernt, z.B. beim Traktorreparieren: „Meistens fehlt die richtige Schraube und man muss improvisieren.“ Und auch der damals nötige Pragmatismus kommt am Schreibtisch gelegen: Visionen seien zwar wichtig, aber „die Dinge müssen auch funktionieren“. „Tatkräftig nennt man das wohl“, sagt Bauer. Und dann selbst: „Klischee“.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2009)

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