Herrn Baumanns Gespür für Glas

Die oberösterreichische Firma Baumann/Glas/1886 hat sich zum Spezialisten für Glas- und Fassadenkonstruktionen entwickelt. Das Wiener Palmenhaus verhalf den Oberösterreichern zum Durchbruch.

Franz Baumann
Franz Baumann
(c) Franz Baumann

„Ich dachte mir, ich bringe das Unternehmen auf Schiene, und in fünf Jahren bin ich wieder weg“, sagt Franz Baumann, wenn er auf das Jahr 1982 zurückblickt. Damals war Baumann gerade einmal 32 Jahre alt, als er die Firma seines Vaters übernahm. Knapp 30 Jahre später leitet Baumann denselben Betrieb noch immer. Und dieser hat sich mittlerweile unter dem Namen Baumann/Glas/1886 zu einem Spezialisten für Glas- und Fassadenbau entwickelt.

Der große Coup gelang Baumann bereits in seinem vierten Jahr als Geschäftsführer. Sein Unternehmen gewann die Ausschreibung für die Sanierung des Wiener Palmenhauses in Schönbrunn. „Alle waren sich einig, dass die Fenster bloß aus Plastik gefertigt werden können. Wir hatten die Idee, dass es auch mit Glas funktionieren müsste. Gesicherte Erkenntnisse“, sagt Baumann heute, „hatten wir damals freilich keine.“

 

Kernmarkt Österreich

Die Idee verhalf Baumanns Firma zum Durchbruch. Mittlerweile kann das Unternehmen mit Sitz im oberösterreichischen Baumgartenberg auf eine Reihe von erfolgreichen Projekten zurückblicken. Der 1886 gegründete Betrieb zeichnet für 80 Prozent der Glasfassaden der Autohäuser des Volkswagen-Konzerns in Österreich verantwortlich. Vitrinen der Wiener Hofsilber- und Tafelkammer, Glasdächer und -fassaden im Einkaufszentrum Graz Seiersberg sowie ein Wasserbecken, das eigens für den Life Ball 2009 aufgebaut wurde, stammen aus Baumanns Betrieb.

„Das größte Betätigungsfeld gibt es in Wien“, sagt Baumann. Daran, auch im Ausland Niederlassungen aufzubauen, denke er derzeit nicht. „Solange wir Österreich nicht im Griff haben, will ich nicht permanent ins Ausland.“ Wenngleich Baumann Märkte wie Ungarn und Tschechien durchaus interessieren würden. Einzelne Projekte, erzählt er, habe er außerhalb der Landesgrenzen ohnehin immer wieder realisieren können. „Für mich kommen aber nur jene Staaten in Frage, in denen man nicht schmieren muss, um einen Auftrag zu erhalten. Ich bin ja kein Geldkoffer“, sagt der 59-Jährige.

Der Studienabbrecher (Fachrichtung Welthandel) arbeitet immer wieder an neuen Lösungen für Glas- und Aluminiumkonstruktionen. Bis zu 500.000 Euro im Jahr investiere er jährlich in die Weiterentwicklung bestimmter Techniken. Kein Wunder also, dass Baumann laufend neue Patente, bislang waren es in etwa zwei Dutzend, anmeldet. „Es gibt viele, die unsere Techniken nachmachen wollen. Davor muss man sich schützen.“ Nicht nur einmal ist Baumann deshalb vor Gericht gezogen. Weil Baumann immer wieder auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern für seine Firma ist, arbeitet er seit drei Jahren auch im Bereich Hochwasserschutz. Bisher erfolglos. In einigen Jahren soll sich das jedoch ändern.

 

Mitarbeiter sind beteiligt

Ungewöhnlich ist auch, dass der Oberösterreicher seine 116 Mitarbeiter mit bis zu vier Prozent des Deckungsbeitrags (Umsatz minus variable Kosten) der einzelnen Segmente beteiligt. Das Unternehmen ist mittlerweile im Bereich Objektbau, (unter anderem Einkaufszentren) Glasbau/Wintergärten, Lamellenfenster und Hochwasserschutz aktiv. Einige hunderttausend Euro würde ihn dies jährlich kosten. Eingeführt habe er das Modell vor rund zehn Jahren, erzählt der 59-jährige Glasermeister. „Weil ich will, dass jeder Mitarbeiter auch Mitunternehmer ist.“

Umsatz auch in der Krise stabil

Baumann geht davon aus, dass seine Firma heuer nahezu an den Vorjahresumsatz (16 Mio. Euro) wird anknüpfen können, wenngleich er mit dem Gegenteil gerechnet habe. „Es kann nicht immer nur Wachstum geben. Die Wirtschaft muss auch schrumpfen. Schwankungen sind normal.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2009)

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