Da capo: Erschlug ein Asteroid die Clovis und die Mammuts?

05.03.2012 | 21:00 |  Von Jürgen Langenbach (Die Presse)

Vor 12.800 Jahren verschwanden alle großen Tiere und die Menschen aus Nordamerika. Eine Hypothese vermutet einen Asteroiden dahinter. Sie war schon totgesagt und lebt nun auf.

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Wo auch immer die frühen Menschen hinkamen, verschwanden bald die anderen großen Säuger, das war in Australien so vor 50.000 Jahren, das war in Japan so – dort gab es Elefanten, bis die Insel vor 33.000 Jahren besiedelt wurde –, in Amerika auch. Die große Ausnahme ist Afrika, dort konnte sich die übrige Megafauna – dazu rechnet man alle Tiere mit mehr als 44 Kilo Gewicht – früh und langsam auf den Neuankömmling der Evolution einstellen, er war auch noch kein großer Jäger.

Aber als er vor 70.000 bis 60.000 Jahren von Afrika aus loszog, nahm er seine Innovationen mit, auch die Waffen und die Jagdtechniken. Das brachte ihn später in den Verdacht, er habe die anderen ausgerottet, entweder direkt und rasch durch Jagd („Blitzkrieg“) oder indirekt durch Veränderung der Habitate („Sitzkrieg“), vielleicht hatte er mancherorts auch Gehilfen dabei, Hunde, die Krankheiten einschleppten.

Nach der Eiszeit: Neue Kälte

Aber ist es möglich, dass einer allein alle anderen erlegt, auch die Größten – Elefanten, Mastodons, Mammuts –, und das mit Speeren und Pfeilen mit Steinspitzen? Viele Forscher bezweifeln es, sie sehen Klimaschwankungen hinter den großen Verschwinden, vor allem hinter dem umstrittensten, dem in Nordamerika: Vor 12.800 Jahren, als die Eiszeit ausklang, wurde es plötzlich wieder kalt auf der Nordhalbkugel, die Jüngere Dryaszeit begann. In Nordamerika verschwanden (außer den Bisons) alle Großen, nicht nur Mammuts, Kamele und Säbelzahntiger etc., sondern auch die Menschen, die Clovis. Die waren gerade erst aus Asien eingewandert, trockenen Fußes, die Eiszeit hatte die Meeresspiegel gesenkt.

Kalt wurde es vermutlich wieder, weil die Eiszeit zu Ende ging: In Nordamerika bildeten sich riesige Schmelzwasserseen, die irgendwann ihre Eiswände sprengten und den Nordatlantik mit ihrem Süßwasser überfluteten. Dadurch wurde die Meeresströmung lahmgelegt, die als kalte Tiefenströmung vom Nordatlantik ausgeht und als warme Oberflächenströmung dorthin zurückkehrt, der Golfstrom. Das könnte erklären, warum die Jüngere Dryaszeit Europa Kälte brachte, es wird vom Golfstrom erwärmt. Aber Nordamerika? Dorthin kommt der Golfstrom nicht, und zudem wurde es in der Jüngeren Dryaszeit auch nicht kälter als in der Eiszeit zuvor, und deren Temperaturen hatten Tiere und Menschen getrotzt. Woher also die neue Kälte und vielleicht noch andere böse Überraschungen? Vom Himmel! Eine kosmische Katastrophe fegte die Mammuts und Clovis hinweg, wie es der Asteroid von Chicxulub bei Yucatan vor 65 Millionen Jahren mit den Sauriern getan hatte!

„Schwarze Matten“ und Nanodiamanten

Die Idee kam Ende der 80er-Jahre auf, und bei einer Tagung der American Geophysical Union 2007 wurde sie breit propagiert. 27 Forscher legten viele Hinweise aus jener Erdschicht vor, die den Beginn der Jüngeren Dryaszeit markiert und archiviert, von „schwarzen Matten“ – Kohle aus verbrannter Biomasse – bis hin zu Nanodiamanten, wie sie nur beim Einschlag eines Himmelskörpers („giant impact“) entstehen können, hexagonale Lonsdaleite. Das Szenario sah so aus: Ein oder mehrere Asteroiden war(en) in Nordamerika eingeschlagen oder in der Atmosphäre explodiert, sie setzten die Schmelzwasserseen frei. Und über eisfreies und begrüntes Land brachten sie eine Feuerwalze. Die überzog den Kontinent mit ihren Rauchwolken, und die ließen kaum Sonnenlicht mehr zum Erdboden, brachten Kälte.

Daran waren die Überlebenden der Katastrophe zwar gewöhnt, aber sie hatten, wegen der Brände, keine Nahrung mehr. So weit die feurige Hypothese, sie erhitzte rasch die Gemüter. Denn zum einen gibt es keinen Einschlagkrater. Und zum anderen war unter den 27 ein einzigen Impact-Spezialist. Der Rest der Zunft widersprach heftig – vor allem Christian Köberl tat es, Geochemiker der Uni Wien und heute auch Chef des Naturhistorischen Museums – und zerpflückte die Kette der Hinweise: Keiner hielt der Betrachtung stand, die „schwarzen Matten“ fanden sich nur an Feuerstellen der Clovis, und die speziellen Nanodiamanten fanden sich überhaupt nirgends. Ein Artikel in Science fasste 2010 alles zusammen (329, S. 1140), die Hypothese vom „giant impact“ war tot.

Nun kehrt sie wieder, an einem entlegenen Ort, in Sedimenten eines Gebirgssees in Mexiko. Dort hat eine Gruppe um James Bischoff (US Geological Survey)  neuerlich die Hinweise gefunden, alle, von der Holzkohle bis zu den Diamanten: „Ein irdischer Mechanismus kann das nicht hervorgebracht haben“, schließen die Forscher: „Alles ist konsistent mit einem Impact.“ (Pnas, 5. 3.) Auch ein Kraterkandidat wird präsentiert, im St-Lorenz-Golf in Kanada soll er liegen.

Den Streit um das Verschwinden der großen Tiere wird das nicht klären, weder im Fall Nordamerika noch in den anderen Fällen. Graham Prescott (Cambridge) hat alle durchgemustert und kommt zu dem so salomonischen wie leeren Urteil, dass die beste Erklärung in jedem Fall ein Zusammenwirken von Einwanderern und Klima ist.

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16 Kommentare

Und vor knapp 13.000 Jahren

gab es auch den massiven Vulkan-Ausbruch in der Ost-Eifel am Laacher-See

mit einer massiven Klima-Abkühlung,nicht nur in Europa.

Dieser Ausbruch und der Impact in N-Amerika führten zu einer globalen Klima-Katastrophe,die von Europa über Sibirien bis N-Amerika zu einem Massensterben glazialer Groß-Säuger führte.

Möglicherweise sogar bis Indonesien,denn dort sind damals auf der Insel Flores die "Zwergmenschen"(Hobbits,Homo erectus florensis),Riesenwarane etc. plötzlich ausgestorben.

Re: Und vor knapp 13.000 Jahren

Sorry!

Homo erectus floresiensis!

Da wurden einige Buchstaben irgendwo beim Posten verschluckt.

nein es war die steuerlast

die steuern sind das übel

Gast: Be-obachter
10.03.2012 19:50
0

Wie wär's damit?

Die Clovis-Menschen, die allein aufgrund ihrer kunstvollen namensgebenden Speerspitzen identifiziert werden, haben die grossen Tiere bis zu deren Aussterben bejagt.
Weil sie hernach nur mehr Kleinwild bejagen konnten und gleichzeitig in wärmere Gefilde abwanderten, verschwanden naturgemäß auch die langen Spitzen.
Was zum Trugschluss führt, mit dem Verschwinden der nordamerikanischen "Big five" wären auch die Menschen vierschwunden...

Mammuts & Dinos & etc

darf ich heute eröffnen,
geehrter Lavater,
was sagt Die Schrift denn zum Verschwinden von Arten?

Antworten Gast: lavater
06.03.2012 15:40
0

Re: Mammuts & Dinos & etc

Lassen wir die Wissenschaft das entscheiden, was im Bereich der Wissenschaft ist und die Bibel, was darüber ist und wo die Wissenschaft nicht mehr zuständig ist.

Gott sorgt sich nicht um die Ochsen 1.Kor 9:9 und deshalb auch nicht für die Mammuts, was nicht heißt, dass er die Tiere vergisst (Jona 4:4), die Menschen stehen aber immer an erster Stelle.

Weitere Fragen in dieser Richtung muss ich unter 1.Tim 1:6 und unter 1.Tim 6:4-5 subsumieren.

Jetzt ist mir eine schöne Stelle vom echten Lavater auch noch untergekommen:

Lavater in seinem Werk ‚Nathanael‘ Seite 47

Ich halte das Christentum für die gewisseste und für die unerweislichste Sache. Das Christenthum gehört für Nathanaeln. Keines Ehrlichen Ehrlichkeit, wie
erwiesen sie scheine, wie gewiß sie sei, kann einem, dem der Sinn für Ehrlichkeit mangelt, demonstriert werden"

Was rein ist, hat den Beweis der Reinheit nicht ausser sich, nein, in sich selbst; aber
freylich nur für gesunde und reine Augen. „

Der Vers Johannes-Evangelium 1:47 (Das Gespräch Jesu mit Nathanael) wird zum Verständnis oben vielleicht etwas beitragen.


Re: Re: Mammuts & Dinos & etc

Waren Mammuts,Riesenfaultiere,Säbelzahntiger etc. auf der Arche Noah oder nicht?

Antworten Antworten Gast: Denka09
09.03.2012 11:58
0

Wenn ich sowas lese, muss ich feststellen

dass die Wissen überall zuständig ist. Und die Bibel (Gott sei Dank!) nirgendwo.

Antworten Antworten Antworten Gast: lavater
10.03.2012 11:09
0

Re: Wenn ich sowas lese, muss ich feststellen

Abwarten!

Re: Re: Mammuts & Dinos & etc

wenn Sie mir jetzt bitte auch noch Noah erklären, der sich nicht nur um die Ochsen gesorgt hat

Re: Mammuts & Dinos & etc

Ich glaube es ist nicht sehr seriös, wenn der Author eines Artikels schon präemptiv im Kommentarteil einige seiner Leser verhöhnt, egal welcher Meinung diese sein sollten.

Re: Re: Mammuts & Dinos & etc

nun lassen Sie es aber gut sein,
ich habe Lavatern nicht verhöhnt,
sondern ihn um seine Argumente auf der Seite der Evolution gebeten, die er nie anspricht:die großen Sterben,
und das anschließende Neufüllen der Nischen

Junge-Erde-Kreationisten

Lavater hat schon durchblicken lassen, dass er eine junge Erde vertritt, also 6000 Jahre und ein paar zerquetschte. Dazu muss man natürlich erstmal 99% der Wissenschaft ausklammern, diskreditieren oder sonstwie dafür sorgen, dass man sich nicht zu sehr damit beschäftigen muss.

Würde mich also wundern, wenn dazu etwas konkreteres kommt als die Ausweichpartie von oben.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: lavater
08.03.2012 18:51
0

Re: Junge-Erde-Kreationisten

Genesis 1:1 Am Anfang erschufen Materie, Energie, Raum und Zeit sich per Zufall selbst.
Genesis 1:2 Die Naturgesetze kamen als "Kinder" von Raum, Energie und Zeit in diese Welt. Vorher waren sie natürlich nicht da, denn ohne Materie, Raum, Zeit gibt es natürlich auch keine Naturgesetze.
Genesis 1:3 Der Zufall in Verbindung mit der Selektion und dem GV ist der Demiurgos oder besser sind die demiurgoi jeder vernünftigen Weiterentwicklung.

... und so weiter au weia und so weiter au weia geht die atheistische Verstandes-Lei(t)er.

Schöne Zeit in Graz! Der Frühling kommt bald! Dann nichts wie raus auf den Plabutsch und ein paar schöne Frühlingsblumen bewundern! Der demiurgos hat sie alle gemacht!
Freuen sie sich!


Re: Re: Junge-Erde-Kreationisten

Es gibt keinen Zufall,Mister Lavater!

Alles

wurde schon determiniert in den ersten Mili-Sekunden nach dem letzten Urknall

durch Quantenfluktuationen

und Inhomogenitäten der

Gravitonenfelder.

Auch der Inhalt Ihrer Postings wurde damals schon geschrieben!

Verstanden?

Re: Re: Re: Mammuts & Dinos & etc

Dann hab ich Sie missverstanden, sorry.



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