Nigeria: Milizen im Blutrausch

Mehr als 100 Tote bei einem Überfall der radikalislamischen Boko-Haram-Rebellen auf Dorf im Nordosten.

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NIGERIA – (c) AP (SCHALK VAN ZUYDAM)

Abuja. Sie kamen am Samstagabend, viele im Tarngewand der Militäruniform, und gaben den Befehl aus, alle Männer müssten sich auf dem Hauptplatz des Dorfes Izge im Nordosten Nigerias versammeln. Es war das Fanal für ein Massaker. Denn die vermeintlichen Soldaten entpuppten sich als Rebellen der Boko Haram, der berüchtigten radikalislamischen Milizen, die im bevölkerungsreichsten Land Afrikas einen Moslemstaat samt Scharia errichten wollen.

Die Milizionäre eröffneten das Feuer, gingen von Haus zu Haus, schnitten ihren Opfern teilweise die Kehlen auf und hackten auf sie ein. Am Ende steckten sie Dutzende Hütten in Brand. Als der Blutrausch vorbei war, zählten die Überlebenden mehr als 100 Tote, darunter auch Frauen und Kinder.

Nigerias Präsident, Goodluck Jonathan, hat erst im Vorjahr Truppen in die Unruheprovinz Borno und zwei Nachbarprovinzen beordert, er hat dort den Ausnahmezustand verhängt. Die Boko-Haram-Milizen hatten sich in den vergangenen Jahren zunehmend aus den Städten zurückgezogen, um an der Grenze zu Kamerun einen Bürgerkrieg zu entfesseln. Die Hügel im Grenzgebiet rund um ihre Hochburg Maiduguri sind ihr Rückzugsgebiet für Überfälle in den Dörfern.

Erst in der Vorwoche fielen mehr als 50 Menschen einer Attacke der Rebellen zum Opfer. Seit Beginn des Aufstands vor knapp fünf Jahren ist der Blutzoll auf mehrere tausend Tote gestiegen.

 

Spaltung Nigerias

Die Boko-Haram-Milizen wollen sich die Spaltung Nigerias in einen armen, angeblich vernachlässigten Norden und den ölreichen, dicht bevölkerten Süden zunutze machen. Hatten Militärs aus dem Norden lange das Sagen in Nigeria, so dominieren zumindest seit der Ära des Präsidenten Olusegun Obasanjo, seit der Jahrtausendwende, die Politiker aus dem Süden. Die Einführung der Scharia, des islamischen Rechts, in Teilen des Nordens hat die Differenzen noch weiter angestachelt. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2014)

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