Italien führt Impfpflicht für Kinder ein

Ungeimpfte Kinder bis sechs Jahre dürfen fortan nicht in die Schule gehen. Grund ist die enorme Zunahme etwa an Masernfällen wegen der sinkenden Durchimpfungsrate, die vor allem Impfgegnern, aber auch ungeimpften Zuwanderern geschuldet ist.

Ja, es muss sein. (Illustration)
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Ja, es muss sein. (Illustration)
Ja, es muss sein. (Illustration) – APA/dpa/

Italien führt erstmals eine Impfpflicht für Kinder ein und will diese auch mit einer besonderen Maßnahme abseits von Geldstrafen erzwingen: Kinder im Alter bis zu sechs Jahren werden einem Beschluss des Ministerrats vom Freitag zufolge nämlich ohne Grundimmunisierung nicht mehr zum Schulbesuch zugelassen. Der Impfplan werde schrittweise eingeführt werden, kündigte Premier Paolo Gentiloni an.

Eine Rekordzahl an Masernfällen hatte in Italien zuletzt die Diskussion über eine Impfpflicht aufflammen lassen. Gentiloni betonte, man müsse der Verbreitung "anti-wissenschaftlicher Theorien" entgegenwirken, die zu einer zunehmenden Zahl von Impfverweigerungen geführt habe.

Wegen des nicht begründbaren Verdachts eines ursächlichen Zusammenhangs von Impfungen mit einer Zunahme von Autismus-Fällen ist die Zahl der Impfgegner in Italien zuletzt stark gestiegen. Die Wirksamkeit von Impfungen wäre nicht bewiesen, Impfschäden würden gezielt verschwiegen, behaupten diese. Auch die große Zahl ungeimpfter Flüchtlingskinder trägt zur Senkung der Impfrate bei.

Das Große Sterben in Amerika

Auch in anderen Ländern Europas, etwa in Deutschland und Österreich, steigt die Zahl von Impfgegnern, wobei sich diese Personen überproportional häufig unter vermeintlich gebildeten Schichten befinden.

Dabei wird in der Regel ignoriert, dass Erreger von "Kinderkrankheiten", etwa das Masernvirus, aber auch Pocken- oder Grippeviren beispielsweise nach der Entdeckung Amerikas zu Massensterben unter der dortigen Bevölkerung einschließlich von Großzivilisationen wie der Maya und Inka geführt und diese massiv dezimiert hatten. Noch Mitte/Ende des 19. Jahrhundertes wurden indigene Stämme wie die Yámana und Selk'nam auf Feuerland an Südamerikas Südspitze durch Masern und Pocken, die Missionare sowie argentinische Siedler und Seeleute eingeschleppt hatten, praktisch ausradiert.

(apa/Red.)

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