Hope Hicks: Das Exmodel an Trumps Ohr

Die 28-jährige Hope Hicks avancierte zur Kommunikationschefin im Weißen Haus – eine Vertrauensposition. Hicks gehört zum innersten Zirkel des Trump-Universums.

Hope Hicks, eine auffällige Erscheinung im Trump-Tross, die sich bisher im Hintergrund hielt.
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Hope Hicks, eine auffällige Erscheinung im Trump-Tross, die sich bisher im Hintergrund hielt.
Hope Hicks, eine auffällige Erscheinung im Trump-Tross, die sich bisher im Hintergrund hielt. – (c) APA/AFP/MANDEL NGAN (MANDEL NGAN)

Mark Leibovich staunte nicht schlecht, als ihn Hope Hicks vor ein paar Monaten im Weißen Haus nebenbei fragte, ob er nicht im Vorbeigehen schnell den Präsidenten im Oval Office begrüßen wolle. Der „New York Times“-Reporter, der in seinem Insiderbuch „This Town“ einen Blick hinter die Kulissen Washingtons geworfen hatte, wollte sich eigentlich nur erkundigen, wie es denn im Trump-Mikrokosmos so laufe und wie es dem Stabschef Reince Priebus ergehe. Stattdessen kam Leibovich zur Lunchzeit ganz unbürokratisch zu dem Privileg einer Begegnung mit dem Präsidenten, zum Small Talk mit Donald Trump, den er beim TV-Konsum antraf.

Seit Vier-Sterne-General John Kelly vor sechs Wochen den Priebus-Job als „Gatekeeper“ des Präsidenten übernommen hat, handhabt er den Zugang zum mächtigsten Mann der Welt mit militärischer Disziplin – weitaus rigoroser als sein Vorgänger. Hope Hicks, das 28-jährige Exmodel, das einst für die Ralph-Lauren-Kollektion posiert hat, ist indessen zur Kommunikationschefin im Weißen Haus, einer Schlüsselposition, avanciert.

Loyal und dezent im Hintergrund

Nach dem bizarren, zehntägigen Intermezzo des Wall-Street-Bankers Anthony Scaramuccis hatte Trump die junge Frau interimistisch mit dessen Agenden betraut. Nun hat er Hicks die Funktion auch offiziell übertragen. Im Pressekorps in Washington gilt sie als freundlich, aber unverbindlich. Im Wahlkampf hatten die Journalisten der großen US-Medien sie indes noch als unbedarft, unqualifiziert und chaotisch abgestempelt, weil sie Anfragen überging oder ignorierte.

Seit Beginn der Wahlkampagne gehört Hope Hicks zum innersten Zirkel des Trump-Universums. Sie begleitete den Kandidaten auf seiner Wahlkampftour, und sie ist auch jetzt oft im Reisetross des Präsidenten. Als Papst Franziskus die Entourage aus dem Weißen Haus im Vatikan zur Audienz empfing, war sie unter den Geladenen – nicht jedoch Sean Spicer, der damalige Pressesprecher, der das Treffen mit dem Papst so sehr herbeigesehnt hatte. Es war nicht zuletzt ein Zeichen für die interne Hierarchie im Trump-Team: Wer steht hoch im Kurs, wer ist in Ungnade gefallen?

Hicks hat sich bisher stets im Hintergrund gehalten, was ihr Chef an seinen Mitarbeitern durchaus schätzt. Sie stand auf gutem Fuß mit Alphatieren wie Stephen Bannon und Priebus, den inzwischen gefeuerten Trump-Beratern der ersten Stunde. Hicks, unverbrüchlich loyal zum Präsidenten, ist praktisch als Einzige des ursprünglichen Teams übrig geblieben, das vor sieben Monaten ins Weiße Haus eingezogen ist. Selbst Keith Schiller, ein New Yorker Excop und Trumps langjähriger persönlicher Leibwächter, hat zuletzt gekündigt, um als Rentner nach Florida zu ziehen.

Die 28-Jährige, die mit der Schauspielerei kokettiert hat, ehe sie als PR-Beraterin und Pressesprecherin im Trump-Konzern aufgestiegen ist, genießt das volle Vertrauen des Trump-Clans. Jared Kushner und seine Frau, Ivanka Trump, laden sie mitunter sogar zum Sabbatessen in ihr Heim ein, eine seltene Ehre.

Politisch unerfahren

Hope Hicks hat nur Marketingexpertise ins Weiße Haus mitgebracht, nicht jedoch politische oder strategische Erfahrung. Sie studierte Englisch an einem Methodistencollege in Texas. Aufgewachsen ist sie indessen in Greenwich, dem Dorado der Wall-Street-Banker in Connecticut, eine Dreiviertelzugstunde von New York City entfernt. Allerdings ist sie beruflich erblich vorbelastet. Ihr Vater, Paul, leitete einst die Öffentlichkeitsabteilung des Ölkonzerns Texaco und der National Football League.

Ihren Twitter-Account hat Hicks längst gelöscht. Ihren Chef würde sie dazu nicht überreden. Sie weiß, es wäre vergeblich. Sie bestärkt ihn stattdessen in dem Glauben, er selbst sei der beste Kommunikator.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2017)

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