Medien: Berlusconi in Geheimlogen-Skandal verwickelt

Mitglieder des Politkartells sprechen in abgehörten Telefonaten von einem "Cesare" - der Berlusconi sein könnte. Die Staatsanwaltschaft dementiert Berichte über ein anstehendes Verhör des Premierministers.

Silvio Berlusconi
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Silvio Berlusconi
(c) AP (Gregorio Borgia)

Es sind schwere Zeiten für Italiens Premierminister Silvio Berlusconi. Die Umfragewerte seiner Mitte-rechts-Partei "Volk der Freiheit" (Pdl) rutschten am Wochenende erstmals unter die 30-Prozent-Marke, die Regierungskrise bringt ihn und sein Land an den Rand von Neuwahlen - und nun soll der Premier auch noch in die skandalträchtige Geheimloge namens "P3" verwickelt sein.

Gerüchte über Zeugenbefragung Berlusconis

Italienischen Medien berichteten am Sonntag über Pläne der römischen Staatsanwaltschaft, Berlusconi als Zeugen im Rahmen der "P3"-Ermittlugen zu vernehmen. Das Politkartell "P3" soll versucht haben, illegal Einfluss auf Politik, Justiz und die Vergabe großer Wirtschaftsprojekte zu nehmen.

In den von Staatsanwälten abgehörten Telefonaten erwähnen die Mitglieder des "P3"-Zirkels laut Medienberichten immer wieder einen "Cesare". Ein im Soge des Skandals verhafteter Unternehmer, Arcangelo Martino, bestätigte, dass "Cesare" tatsächlich Berlusconi sei, der angeblich mit dem Kartell enge Kontakte hatte.

"Meine Pdl ist eine saubere Partei"

Berlusconis Rechtsanwalt, Nicolo Ghedini, betonte, dass es lächerlich sei, eine Verbindung zwischen seinem Mandanten und "Cesare" herzustellen, Berlusconi habe nichts mit dem Politkartell zu tun. Und der Premierminister selbst erklärte, dass seine Pdl "eine saubere Partei ist". Auch Staatsanwalt Giancarlo Capaldo dementierte am Montag die Medienberichte über eine Zeugenbefragung Berlusconis.

 

Die Geheimloge "P3"

Der Skandal um die Geheimloge sorgt seit Wochen für Aufruhr in Italien. Ein Kreis von Politikern, Unternehmern mit Mafia-Verbindungen und hohen Richtern steht dabei im Verdacht, Einfluss auf Regionalwahlen, Richterbesetzungen und sogar das Verfassungsgericht zu nehmen. Mehrere Vertraute Berlusconis mussten im Zuge der Affäre bereits ihren Hut nehmen, darunter auch ein Staatssekretär des Justizministeriums. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen "Bildung einer geheimen Vereinigung mit dem Ziel, Verfassungsorgane zu beeinflussen".

 

(APA)

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