Rebellen siegessicher - Gaddafis Geheimdienstchef tot

Die Nato fliegt Luftangriffe auf Tripolis. Diktator Gaddafi soll seine Flucht ins Nachbarland Tunesien planen.

Tripolis: Nato unterstützt Vormarsch der Rebellen
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Tripolis: Nato unterstützt Vormarsch der Rebellen
Tripolis: Nato unterstützt Vormarsch der Rebellen – (c) REUTERS (Bob Strong)

Die libyschen Rebellen sind nach ihren jüngsten Erfolgen überzeugt, dass die Tage des Machthabers Muammar al-Gaddafi in Tripolis gezählt sind. Nach einem Angriff im Morgengrauen hätten ihre Kämpfer die Küstenstadt Zliten östlich von Tripolis vollständig eingenommen, sagte ein Rebellenvertreter. Die Aufständischen brachten auch in der Stadt Zawiya westlich der Hauptstadt nach heftigen Gefechten das letzte große Gebäude in der Hand der Regierungstruppen unter ihre Kontrolle. Unterdessen bestätigte die Nato den Tod von Gaddafis Geheimdienstchef Abdullah Senussi bei einem Luftangriff.

Die Rebellen hatten die 200.000-Einwohner-Stadt Zliten rund 150 Kilometer östlich von Tripolis seit Wochen belagert. Am Freitag gelang es ihnen nach eigenen Angaben, mit einer Blitzoffensive die Stadt einzunehmen. Nach Angaben eines Vertreters der Aufständischen wurde dabei auch der Geheimdienstchef der Stadt, Omran Ali Ben Salim, gefasst. Demnach leisteten noch vereinzelt Truppen von Gaddafi Widerstand. Dutzende Regierungssoldaten wurden dabei getötet.

Die Medien der Aufständischen berichteten am Freitag, in der Küstenstadt Brega hätten ihre Kämpfer einen General Gaddafis festgenommen. Dank der militärischen Karten, die er bei sich getragen habe, wüssten sie jetzt, wo im östlichen Frontabschnitt Minen verlegt seien. Nach Angaben der Aufständischen starben mindestens 32 Menschen bei Kämpfen in der Nähe von Zliten. An der westlichen und südlichen Front blieb es hingegen ruhig.

Bei einem Nato-Angriff auf Tripolis am Freitag ist nach Angaben der Nato Geheimdienstchef Senussi getötet worden. Ein Sprecher des Bündnisses in Neapel bestätigte den Tod des Geheimdienstchefs, eines Schwagers von Gaddafi. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hatte kürzlich gegen Senussi, Gaddafi und dessen Sohn Saif al-Islam Haftbefehle wegen Verdachts auf schwere Kriegsverbrechen ausgestellt.

Geht Gaddafi ins Exil?

Gaddafi soll nach Informationen des US-Fernsehsenders NBC erwägen, ins Exil nach Tunesien zu gehen. Offenbar denke der Machthaber, dass ihm das nordafrikanische Nachbarland eine sichere Zuflucht bieten werde, berichtete NBC am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf Beamte der US-Regierung. Zuvor waren Gerüchte gestreut worden, nach denen Gaddafi nach Südafrika oder in andere Länder fliehen wolle.

Der britische Premierminister David Cameron sieht unterdessen eine demokratische Zukunft Libyens näher rücken. Er sei mit Blick auf die derzeitige Lage optimistisch, sagte Cameron am Freitag bei einem Treffen mit Vertretern des Nationalen Übergangsrates Libyens in London. Die Zukunft Libyens, über die man gesprochen habe, rücke näher. "Es hat Zeit gebraucht, aber ich denke, wir gehen in die richtige Richtung und dies ist eine gute Gelegenheit, über Perspektiven und darüber, was als nächstes geschehen muss, zu sprechen." Großbritannien hatte dem Nationalen Übergangsrat der Rebellen im Juli die libysche Botschaft in London zur Verfügung gestellt und die verbliebenen Diplomaten von Machthaber Gaddafi ausgewiesen.

Ein Nato-Sprecher sagte am Freitag, dass am Mittwoch ein Boot unweit der Küste vor Zawiya von Nato-Kampfjets getroffen und versenkt wurde. Wenig später seien drei Menschen im Wasser gesehen worden, die sich zu einer Boje retteten. Von dem Boot sei eine Gefahr für Zivilisten ausgegangen, sagte der Sprecher. Dies deutet darauf hin, dass Gaddafi-Truppen auf dem Boot waren.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) kündigte in Genf an, sie wolle in den kommenden Tagen Tausende Menschen aus Tripolis in Sicherheit bringen. Dort warten Ägypter und andere Ausländer auf ihre Ausreise. Die Straße zur tunesischen Grenze, über die bereits 10.000 Ausländer geflüchtet sind, ist wegen der Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen derzeit unsicher. Die Evakuierung müsse daher in einem kurzen Zeitfenster vermutlich über dem Seeweg geschehen. Rund 600.000 Ausländer, von ihnen viele Gastarbeiter aus Schwarzafrika, sollen das Land bereits verlassen haben. Den Aufständischen zufolge setzen sich nach der Eroberung der Stadt Zawiya durch die Rebellen Zivilisten aus Tripolis nach Zawiya ab. Zawiya liegt rund vierzig Kilometer westlich der Hauptstadt.

 

(APA/AFP/Red.)

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