''Was haben wir getan?'': Die Geschichte der Atombombe

Die Weltgemeinschaft fürchtet das Entstehen einer neue Atommacht Iran. Doch auch ohne die nuklearen Pläne des Mullah-Regimes ist das dunkle Zeitalter der Atombombe noch nicht zu Ende. Die Geschichte einer unheilvollen Erfindung. (c) AP

Die erste Kernspaltung

Er entdeckt die Kernspaltung - und verändert damit die Welt für immer: Auf der Suche nach neuen Elementen gelingt dem deutschen Chemiker Otto Hahn mit seinem Kollegen Fritz Strassmann am 17. Dezember 1938 per Zufall eine für "unvorstellbar" gehaltene Kernspaltung. Nazi-Deutschland beginnt sein Uran-Projekt.

Bild: Hahn galt als Gegner des Nazi-Regimes. Er warnte auch immer wieder vor einem nuklearen Wettrüsten.(c) Dpa (--)

Das Projekt Manhattan

Albert Einstein alarmiert die USA, die Nazis könnten bald im Besitz von Atombomben sein. Washington reagiert: Im Juni 1942 wird das Manhattan-Projekt geboren. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Robert Oppenheimer, dem Sohn eines in die USA emigrierten Deutschen, läuft das geheime Atomprogramm an. Im Dezember 1942 gewinnt das Projekt an Fahrt, als der aus Italien emigrierte Enrico Fermi an der Universität Chicago die erste kontrollierte Kettenreaktion auslöst. Keine drei Jahre später haben die USA "die Bombe", die Pläne Nazi-Deutschlands gehen dagegen nie über das Reißbrett hinaus.

Atompilz über der Wüste

Über der Wüste von New Mexico steigt am 16. Juli 1945 der erste Atompilz auf - und zwar in bis zu zwölf Kilometern Höhe. Die Premiere für die Zündung eines nuklearen Sprengkopfs auf dem "Trinity"-Testgelände belegt die vernichtende Wirkungskraft der Atombombe.

''Gott steigt herab''

"Meine Großmutter forderte mich auf, zu knien und zu beten", erinnert sich Emmett Hatch gegenüber der Nachrichtenagentur AP an die Explosion. "Wir wohnten 220 Kilometer weit weg, aber bei der Explosion dachte sie, Gott steigt auf die Erde herab. Denn die Sonne ging an dem Tag im Westen auf."

Bild: Denkmal auf dem Testgelände.

''Enola Gay'' steigt auf

Die USA wollen den Zweiten Weltkrieg nun rasch beenden. US-Präsident Harry Truman und seine alliierten Verbündeten fordern vom japanischen Kaiserhaus am 26. Juli 1945 die Kapitulation. Japan lehnt ab. Elf Tage später lassen die USA den B-29-Bomber "Enola Gay" aufsteigen.(c) REUTERS (© Ho New / Reuters)

''Little Boy''

Die unheilvolle Fracht des Fliegers heißt "Little Boy", ist 3,20 Meter lang, wiegt 4,4 Tonnen, hat eine Sprengkraft von 12.500 Tonnen TNT und detoniert um 8.16 Uhr früh 500 Meter über einem Krankenhaus der japanischen Stadt Hiroshima.

''Was haben wir getan?''

Eine Druckwelle von 440 Metern pro Sekunde walzt Gebäude und Menschen nieder. Wer überlebt, stirbt qualvoll an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Alleine bis Jahresende 1945 werden 140.000 Tote gezählt. "Mein Gott, was haben wir getan", schreibt Robert Lewis, Co-Pilot des B-29-Bombers, später in sein Tagebuch.(c) AP (STANLEY TROUTMAN)

Der zweite Nuklearschlag

Drei Tage später holen die USA zum nächsten Nuklearschlag aus: "Fat Man", der mit 22.000 Tonnen TNT deutlich mehr Sprengkraft hat als "Little Boy'', zündet über der japanischen Stadt Nagasaki. 75.000 Menschen werden in den Tod gerissen.(c) © STR New / Reuters

Das nukleare Gleichgewicht des Schreckens

Japan kapituliert, der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Doch das nukleare Wettrüsten hat erst begonnen. Der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion bringt ein nukleares Gleichgewicht des Schreckens.

Bild: Die USA testen unter dem Codenamen "Desert Rock" oberirdisch Nuklearwaffen.

Denn auch die Sowjetunion hat Ende der 40er-Jahre die Bombe. Sie wussten auch von Anfang an über das US-Atomprogramm Bescheid. Mit dem deutsch-britischen Physiker Klaus Fuchsetwa hatte sie einen Spion, der am Manhattan-Projekt teilnahm und die Sowjets mit wichtigem Know-How versorgte. Am 29. August 1949 zündet die Sowjetunion auf dem Testgelände Semipalatinsk im heutigen Kasachstan den ersten nuklearen Sprengkopf.

Der sowjetische Diktator Josef Stalin.(c) AP

Frankreichs umstrittene Tests

1958 einigen sich die USA und die Sowjetunion darauf, zumindest keine oberiridischen Atomwaffentests mehr durchzuführen. Eine ganz andere Linie fährt Frankreich: Zwei Jahre später, am 13. Februar 1960, führt man in Algerien den ersten von insgesamt 210 Atomwaffentests durch. Soldaten werden als Testpersonen über die Wirkung der Waffen missbraucht, es gibt Truppenmanöver unter dem Atompilz. Erst 1998 endet der Testreigen. Zwölf Jahre später kündigt Paris die Entschädigung der Opfer an.

Der Sperrvertrag

Im Jahr 1962 führt die Kuba-Krise die Welt schließlich an den Rande eines Atomkriegs zwischen den USA und der Sowjetunion. Im Jahr 1967 erreicht das US-Arsenal seinen Höchststand mit 31.255 nuklearen Sprengköpfen. Auch die Sowjetunion hat massiv aufgerüstet.


Ein Jahr später steuern die verfeindeten Großmächte erstmals gegen: Der Atomwaffen-Sperrvertrag wird unterzeichnet. Das Abrüsten beginnt. Weitere Verträge folgen.(c) AP

Welt der Atommächte

Doch die Weltkarte der Atommächte wandelt sich: Neben den inzwischen fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China gelten heute auch Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea als Besitzer nuklearer Sprengköpfe. Alle vier haben den Atomwaffen-Sperrvertrag nicht ratifiziert, denn dieser verbietet allen nicht-offiziellen Atommächten den Besitz nuklearer Sprengköpfe.

--> Karte: Welt der Atommächte

Bild: Militärparade in Paksitan.(c) EPA (T.mughal)

Die Angst vor dem Iran

Weltweit existieren noch rund 20.500 nukleare Sprengköpfe, die meisten davon, rund 11.000, in Russland. Und auch das Mullah-Regime von Mahmoud Ahmadinejad soll bekanntlich an einer Atombombe basteln. Mit oder ohne das iranische Atomprogramm: Die atomare Gefahr ist eben noch nicht gebannt.Reuters/CAREN FIROUZ

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.