Eurozone rüstet sich für Ausstieg der Griechen

Eurogruppenchef Juncker bestätigt die Prüfung eines Griechen-Ausstiegs aus der Eurozone. Im Hintergrund wird offenbar schon an Notfallplänen gebastelt.

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Eurozone ruestet sich fuer – (c) EPA (ALKIS KONSTANTINIDIS)

Die Regierungen der 17 Euroländer sollen offenbar nationale Notfallpläne für den Fall eines Ausstiegs Griechenlands aus der Eurozone ausarbeiten. Das ist Medienberichten zufolge am Montag während einer Telefonkonferenz der Arbeitsgruppe, die aus Vertretern aller 17 Euro-Länder besteht und die Treffen der Finanzminister vorbereitet, verabredet worden. Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker sprach von einer "Arbeitshypothese" der Eurogruppe. Man gehe jedoch davon aus, dass Griechenland weiterhin ein Euro-Währungsmitglied bleibe, sagte er am Donnerstagmorgen nach dem EU-Sondergipfel in Brüssel.

"Ich habe die Mitgliedsregierungen der Eurozone nicht beauftragt, nationale Notfallpläne auszuarbeiten", so Juncker. "Aber selbstverständlich ist es so, dass wir uns auf alle Szenarien einstellen müssen, weil wir sonst unserer Aufgabe nicht gerecht würden." Juncker betonte: "Unsere Arbeitshypothese und unser politischer Wille ist, dass Griechenland Mitglied der Eurozone bleibt. Darüber sollten überhaupt keine Zweifel entstehen."

Nationale Notfallpläne für Hellas-Abschied

Das griechische Finanzministerium dementierte am Mittwoch entsprechende Berichte, wie das "Handelsblatt" schreibt. "Das Ministerium dementiert kategorisch Veröffentlichungen, nach denen im Rahmen der Telekonferenz der Eurogruppe (Euro Working Group) von den Mitgliederstaaten gefordert wurde, Pläne für einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro auszuarbeiten", teilte das Ministerium schriftlich mit.

Derartige Pläne hätten nichts mit der Realität zu tun, sie schadeten lediglich den Bemühungen des Landes, "sich mit seinen Problemen zu befassen", hieß es.
Ein Vertreter der Eurogruppe sagte laut dem Zeitungsbericht aber: "Die Arbeitsgruppe vereinbarte, dass jedes Euro-Land einen Notfallplan vorbereiten sollte für die möglichen Folgen eines griechischen Abschieds vom Euro." Auf Ebene der Euro-Zone würde noch nichts vorbereitet - aus Angst, dass dies durchsickern könnte. Ein zweiter Vertreter bestätigte dem "Handelsblatt" zufolge die Angaben.

Auch EZB wappnet sich

Nach Informationen der "Zeit" wappnet sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) bereits für eine mögliche Eskalation der Lage in Griechenland. Auch dort sei eine Arbeitsgruppe unter Vorsitz von Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen eingerichtet worden, die sich mit dem Thema Griechenland beschäftigt. Dem Bericht zufolge gibt es auch in der deutschen Bundesbank einen entsprechenden Krisenstab.

Dennoch spricht EZB-Chef Mario Draghi weiterhin davon, dass ein Verbleib der Griechen in der Eurozone die Präferenz seiner Institution sei.

"Das ist wie eine brennende Lunte"

Auch Bill Gross, Gründer des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco, richtet sich auf einen Austritt der Griechen ein. Er hat den Bestand an US-Staatsanleihen beim Total Return Fund - mit 259 Milliarden Dollar Volumen der größte Anleihenfonds der Welt - im vergangenen halben Jahr kräftig aufgestockt. Ihr Anteil im Portfolio lag Ende April bei 31 Prozent. Ende Oktober waren es nur 19 Prozent. "Die USA sind nicht frei von Makel, aber es scheint, das ist die beste Wahl unter einer Reihe von schlechten Varianten", sagt der Investor laut "Wall Street Journal Deutschland".

Gegen den Markttrend hat Pimco im April aber auch die Anlagen in deutschen Schuldverschreibungen zurückgefahren. Wenn Griechenland die Eurozone verlassen würde, könnten sich die Auswirkungen auf den ganzen Kontinent erstrecken. "Das ist wie eine brennende Lunte. Griechenland mag nur ein kleiner Böller sein, aber selbst der kann zu einer großen Explosion führen."

Stepic: "Dann droht ein heißer Sommer"

Der Chef der börsenotierten Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic, sieht die Wahrscheinlichkeit eines Griechen-Austritts aus dem Euro bei 50 zu 50, wie er am Donnerstag bei seiner Quartalspressekonferenz in Wien sagte. Sollte es dazu kommen, drohe Europa ein heißer Sommer. Das heiße starke Volatilitäten auf den Finanzmärkten, extreme Schwankungen an den Börsen. Jede Bank werde auf die andere schauen, ob sie nicht "periphere Risiken" in ihren Bilanzen habe.

In Griechenland selbst würde sich die Situation nochmals drastisch verschlechtern, Schuldner gerieten in existenzbedrohende Zahlungsschwierigkeiten, Firmen in Konkurs. Bei den griechischen Banken würden Einlagen abgezogen. "Wovor sich die Banken am meisten fürchten müssen, ist die Verunsicherung der Sparer", sagte Stepic für die gesamte Bankenbranche in Europa. "Das führte dann automatisch dazu, dass die Leute sagen, ich will mein Geld sehen."

Ernstfall heute von Banken besser verkraftbar

Um im Fall der Eskalation der Griechenlandkrise gegen Kunden- und Marktunsicherheiten bei Osttöchtern gewappnet zu sein, hält die RBI als Konzern aktuell einen so genannten Liquiditätspuffer von 25 Milliarden Euro bereit. "Für den Ernstfall", wie Stepic und sein Finanzchef Martin Grüll sagten. Diese Summe habe man in den letzten 18 Monaten aufgebaut. Sie liegt um einige Milliarden "über normal". Stepic räumte ein, er sähe ein Griechenland-Austrittsszenario jetzt "relaxter" als vor zwei Jahren. Die Banken hätten diese zwei Jahre auch gebraucht, hieß es heute bei Raiffeisen.

Ähnlich sieht das der deutsche Bankenverbandspräsident Andreas Schmitz. Für deutsche Institute wäre ein Ausscheiden des kriselnden Mittelmeerlands verkraftbar, sagte Schmitz. "Der unmittelbare Griechenland-Effekt ist überschaubar." Einen dramatischen Einbruch an den Finanzmärkten fürchtet er im Falle eines Hellas-Austritts nicht. "Ich glaube, dass das schon ein bisschen in den Märkten eingepreist ist." Die Ansteckungsgefahr für andere kriselnde Euro-Staaten habe ebenfalls abgenommen. "Ich hoffe, dass es gelingen kann, negative Effekte von Spanien, Italien, Irland und Portugal wegzuhalten."

(Ag.)

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