Dutzende Tote bei Angriffen auf syrische Stadt Houla

Die Stadt Houla in der Provinz Homs wurde am Freitag bis spät in die Nacht beschossen. Die syrische Opposition fordert ein Eingreifen der Vereinten Nationen.

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110 Tote bei Angriffen auf syrische Stadt Houla – (c) REUTERS (HANDOUT)

Nach den schweren Angriffen auf Houla mit Dutzenden Toten hat die syrische Opposition schwere Vorwürfe gegen die internationale Gemeinschaft erhoben und den UN-Sicherheitsrat dringend zum Eingreifen aufgefordert. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte warf der internationalen Gemeinschaft am Samstag "Komplizenschaft" vor. Die Rebellentruppe Freie Syrische Armee forderte erneut Luftangriffe auf die Truppen von Präsident Bashar al-Assad.

Regierungstruppen hätten zahlreiche Zivilisten in Houla "massakriert", erklärte der Syrische Nationalrat. Dessen Sprecherin Basma Kodmani sprach von "mehr als 110 getöteten Menschen in Houla"; etwa die Hälfte der Toten seien Kinder. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab die Zahl der Todesopfer mit mehr als 90 an, darunter 25 Kinder. In Amateurvideos waren verstümmelte Kinderleichen zu sehen. Die Echtheit der Aufnahmen war zunächst nicht überprüfbar.

Der oppositionelle Syrische Nationalrat forderte den UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung auf. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte warf der internationalen Gemeinschaft vor, "angesichts des vom syrischen Regime verübten Massakers" zu schweigen. Damit mache sie sich der "Komplizenschaft" schuldig.

UN-Beobachterteam eingetroffen

Ein UN-Beobachterteam traf am Samstag bei Houla ein. Die UN-Beobachter erreichten nach Angaben der Beobachtungsstelle das Dorf Taldau am Stadtrand, um "die in den vergangenen 24 Stunden im Verstoß gegen die Waffenruhe begangenen Verbrechen zu dokumentieren". Es seien weiterhin Explosionen und Schüsse zu hören. Dem Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, zufolge weigerten sich die UN-Mitarbeiter angesichts der bedrohlichen Lage, vor Ort zu bleiben.

Die französische Regierung verurteilte das "Massaker". "Mit diesen neuen Verbrechen treibt das mörderische Regime Syrien noch tiefer in das Entsetzen und gefährdet die Stabilität der Region", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums von Samstag. Außenminister Laurent Fabius kündigte an, unverzüglich ein Treffen der Kontaktgruppe der Freunde Syriens einzuberufen. Zur Freundesgruppe eines demokratischen Syriens gehören mehr als 60 Staaten und internationale Organisationen. Die Gruppe wurde im Februar dieses Jahres in Tunis gegründet.

Der Chef des in der Türkei ansässigen Kommandos der Freien Syrischen Armee, General Mustapha al-Scheich, forderte eine "angemessene Haltung" nach dem "vom Mörderregime Assads in der Region Houla verübt abscheulichen Verbrechen". Die Freunde Syriens müssten ein Militärbündnis gegen Damaskus schmieden. Die Mehrheit der in der Kontaktgruppe versammelten Länder, darunter die USA, lehnen ein Bewaffnung der syrischen Opposition ab.

Auch die Rebellenhochburg Homs wurde am Samstag erneut bombardiert. Landesweit wurden laut Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mindestens neun Menschen getötet, darunter in den Provinzen Homs, Idlib und Daraa.

Ban beklagt "massive" Menschenrechtsverstöße

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon beklagte in einem Bericht an den Sicherheitsrat weiterhin "massive" Menschenrechtsverstöße durch die Regierungstruppen; auch die Opposition verschärfe ihre Einsätze. In dem Land herrsche eine "Atmosphäre der Anspannung, des Misstrauens und der Angst". Die Bemühungen der UNO um ein Ende des Konflikts hätten bisher nur "kleine Fortschritte" gezeigt. Der Sicherheitsrat soll kommende Woche über den Bericht beraten. Derzeit halten sich 275 unbewaffnete UN-Beobachter in Syrien auf.

Die jüngste Gewalteskalation überschattet die Pläne des Syrien-Sondergesandten von Arabischer Liga und Vereinten Nationen, Kofi Annan, in der kommenden Woche erneut nach Damaskus zu reisen. Weder die Truppen von Staatschef Assad noch die der Opposition setzten bisher den von Annan vorgeschlagenen Sechs-Punkte-Plan um. Eine offiziell seit dem 12. April geltende Waffenruhe wird nicht eingehalten.

(APA/AFP/Reuters)

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