Norbert Darabos: Der Einzelkämpfer

Der Verteidigungsminister erntete für seine Aussage zu Lieberman Kritik - nicht zuletzt von der SPÖ. Es ist nicht das erste Mal, dass Darabos von der Parteilinie abweicht. Planänderungen musste auch er hinnehmen.

Norbert Darabos Einzelkaempfer
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Norbert Darabos Einzelkaempfer
Norbert Darabos – (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Seit Norbert Darabos Verteidigungsminister ist, verteidigt er vor allem eines: sich selbst. Denn er ist jemand, der gern provoziert – sich aber nur ungern provozieren lässt: Erst vergangene Woche hatte Darabos in der „Presse am Sonntag“ Israels Außenminister Avigdor Lieberman als „unerträglich“ bezeichnet – und so eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum forderte etwa seinen Rücktritt, Shimon Samuels, Direktor für internationale Angelegenheiten des Zentrums, warf ihm „modernen Antisemitismus“ vor – für den erklärten Antifaschisten Darabos ein herber Schlag. Und trotzdem: „Ich stehe zu all meinen Aussagen“, sagte der Minister. Damit steht er allerdings allein da – denn die Regierung hat sich offiziell von Darabos' Aussage distanziert.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Minister voreilig handelt und (unfreiwillig) einen Rückzieher machen muss: Erst im Jänner vergangenen Jahres berief er Edmund Entacher als Generalstabschef ab, weil er sich für die Beibehaltung der Wehrpflicht ausgesprochen hatte. Im November durfte der widerspenstige General allerdings zurückkehren – die Berufungskommission im Bundeskanzleramt hob den Versetzungsbescheid ersatzlos auf. Seitdem betonen die beiden (gezwungenermaßen) bei Interviews immer wieder, ein „korrektes Arbeitsverhältnis“ zu haben. Und, wie so häufig, wenn eine von Darabos' Entscheidungen auf Kritik stößt, erklärte der Minister, die Aufregung nicht zu verstehen.


Unguided Missile. Für die Regierung ist Darabos wohl eine „unguided Missile“ – ein Einzelkämpfer, der schwer zu kontrollieren ist. Die Lieberman-Attacke etwa ist im Kanzleramt auf Unmut gestoßen. Der Grund für seine Aussagen könnte sein, dass der Historiker eine Rolle spielt, in die er nie schlüpfen wollte – und in der er seine eigene Position nur selten vertreten kann: Als ihm 2007 der damalige SP-Chef Alfred Gusenbauer den Posten als Sport- und Verteidigungsminister anbot, hatte er sich eigentlich den im Innenressort erwartet. Dennoch nahm er das Alternativangebot an – und wurde zum ersten ehemaligen Zivildiener an der Spitze des österreichischen Bundesheeres. Das brachte ihm einiges an Kritik ein – immer wieder musste der Minister erklären, dass er „ein Herz fürs österreichische Bundesheer“ habe.

Leicht war sein Anfang beim Heer tatsächlich nicht. Zu diesen Startschwierigkeiten kam die Causa Eurofighter hinzu: Mit seinem Antritt als Minister hatte Darabos auch den Auftrag erhalten, einen Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag zu organisieren – oder zumindest Einsparungen zu erzielen. Es gelang ihm nur zum Teil.

Parteischwenk. Im Jahr 2010 stand der Burgenland-Kroate vor der nächsten Herausforderung, als die „in Stein gemeißelte“ Wehrpflicht-Linie der SPÖ quasi über Nacht zur Berufsheer-Linie umgewandelt und vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl verkündet wurde. Darabos machte gute Miene zum bösen Spiel und nahm den Schwenk seiner Partei hin.

Dabei war es nicht immer so: Es gab Zeiten, da gab Darabos den Ton an, galt als SP-Zukunftshoffnung. Der ehemalige SP-Bundesgeschäftsführer managte den Wahlkampf für Gusenbauer, Heinz Fischer und Hans Niessl. Die Belohnung dafür blieb aus.

Fünf Jahre nach seinem Amtsantritt in der Rossauer Kaserne scheint sich Darabos immer noch nicht wohlzufühlen. Selbst wenn er gern betont, einer der am längsten dienenden Verteidigungsminister in Europa zu sein – richtig stolz wirkt er dabei nicht. Journalisten befragten ihn am Donnerstag zum Thema Wehrpflicht. In dieser Legislaturperiode werde es keine Einigung geben, meinte Darabos. Erst in der nächsten könne man über eine Volksbefragung sprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2012)

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