Journalist wirft Vatikan Vertuschung von Missbrauchsskandalen vor

Hohe Geistliche an der Seite des Papstes seien involviert, schreibt Enthüllungsjournalist Fittipaldi in seinem neuen Buch. Es handle sich um 1200 Fälle in drei Jahren.

Die italienische Kirche sei in den vergangenen 20 Jahren mit den Fällen von 200 pädophilen Priestern konfrontiert gewesen.
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Die italienische Kirche sei in den vergangenen 20 Jahren mit den Fällen von 200 pädophilen Priestern konfrontiert gewesen.
Die italienische Kirche sei in den vergangenen 20 Jahren mit den Fällen von 200 pädophilen Priestern konfrontiert gewesen. – APA/AFP/TIZIANA FABI

Der Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi wirft dem Vatikan in seinem am Donnerstag erscheinenden Buch "Lussuria" (Unzucht) vor, unzählige Missbrauchsskandale in der italienischen Kirche gedeckt zu haben. Die Skandale seien auch von hohen Prälaten an der Seite von Papst Franziskus verheimlicht worden, kritisierte Fittipaldi.

Der italienische Journalist berichtete, dass zwischen 2013 und 2015 aus den verschiedenen Weltdiözesen 1200 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs durch Geistliche bei der Glaubenskongregation im Vatikan eingetroffen seien. Die Zahl habe sich gegenüber dem Zeitraum 2005 bis 2009 verdoppelt. "Dieser Trend zeigt, dass das Geschwür der Pädophilie in der Kirche nicht ausgemerzt worden ist", schreibt Fittipaldi in seinem Buch, das in Auszügen von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" und vom Wochenmagazin "L'Espresso" am Montag veröffentlicht wurde. Die italienische Kirche sei in den vergangenen 20 Jahren mit den Fällen von 200 pädophilen Priestern konfrontiert gewesen.

"Pädophile in Italien besser geschützt als anderswo"

"Das System, das die Pädophilen und die Kassen der Kirche vor Entschädigungsforderungen schützt, funktioniert in Italien auch heute besser als anderswo. Für Priester und Bischöfe besteht keine Pflicht, pädophile Kollegen der Justiz anzuzeigen", kritisiert Fittipaldi, der im Juli in einem Prozess wegen Veröffentlichung geheimer Dokumente zu möglicher Veruntreuung von Geldern im Vatikan freigesprochen worden war.

Fittipaldi kritisierte, dass der Papst den australischen Kardinal George Pell zum Finanzchef des Vatikan ernannt habe, obwohl in Australien gegen ihn Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern liefen. In Fittipaldis Visier ist auch Oscar Rodriguez Maradiaga, Koordinator des Rats aus neun Kardinälen, die Papst Franziskus bei der Kurienreform unterstützen. Maradiaga hatte erklärt, er sei bereit, ins Gefängnis zu gehen, um nicht einem seiner Priester zu schaden, auch wenn der Vorwurf Pädophilie sei.

Fittipaldi hatte im November 2015 das Buch "Avarizia" (Geiz) mit Originaldokumenten zum Thema Reichtum, Skandale und Geheimnisse im Pontifikat von Franziskus veröffentlicht. Fittipaldi sammelte dank vertraulicher Quellen eine große Menge von Papieren zur Wirtschaftslage des Vatikans, unter anderem Bilanzen und Finanzberichte. Zusammen mit seinem Kollegen Gianluigi Nuzzi wurde Fittipaldi vom Vatikan wegen Veröffentlichung geheimer Dokumente vor Gericht gebracht, er wurde jedoch im Juli freigesprochen.

(APA)

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