Erdbeben in der Ägäis forderte zwei Menschenleben

Ein Beben - seine Stärke dürfte 6,5 oder 6,7 betragen haben - erschütterte die griechischen Inseln der Dodekanes und den Südwesten der Türkei. Auf Kos wurden Dutzende verletzt, zwei Urlauber aus der Türkei und Schweden kamen ums Leben.

Zerstörungen nach dem Seebeben auf Kos
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Zerstörungen nach dem Seebeben auf Kos
Zerstörungen nach dem Seebeben auf Kos – (c) REUTERS (SOCIAL MEDIA)

Hunderttausende haben im Urlaubsparadies in der Ägäis einen Alptraum erlebt: Ein starkes Seebeben erschütterte in der Nacht auf Freitag die beliebte Reiseregion in Griechenland und der Türkei. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben - mehr als 120 weitere wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Betroffen war vor allem die griechische Ferieninsel Kos.

"Ich habe gedacht, die Decke kommt runter", sagte Giannis Kapasakalis, Direktor einer der größten Reiseagenturen von Kos. Auf den Straßen von Kos herrschte Chaos: Viele Touristen, die keine Erdbeben kennen, hätten nicht gewusst, was los war, sagten Anrainer. Zwei junge Männer - ein Türke und ein Schwede - wurden im Urlaub von herabfallenden Trümmern der Decke einer Bar getroffen und starben. Das sagte der Gouverneur der Region Süd-Ägäis, Giorgos Chatzimarkos, im griechischen Rundfunk (ERT). Zum Zeitpunkt des Bebens um 1.28 Uhr Ortszeit waren die Bars von Kos voller junger Menschen.

Die griechische Erdbebenbehörde gab die Stärke des Bebens mit 6,5 an, die US-Erdbebenwarte (USGS) maß 6,7. Es folgten Dutzende Nachbeben. Seismologen sagten, es sei in den nächsten Stunden und Tagen mit weiteren Erschütterungen zu rechnen.

Beben auf Kos: Zerstörung auf der Urlauberinsel

Keine Österreicher zu Schaden gekommen

Obwohl sich zahlreiche Österreicher in Kos aufhalten, dürfte niemand von ihnen zu Schaden gekommen sein. "Unsere Botschaft vor Ort ist mit den Behörden auf Kos und mit den Spitälern in Kontakt, um sicherzustellen, dass keine Österreicher betroffen sind", sagte Außenministeriums-Sprecher Thomas Schnöll zur Austria Presse Agentur. Diese Informationen werden an das Ministerium weitergeleitet. Im Moment sei es nicht nötig, Menschen aus Kos zurück nach Österreich zu bringen. Reisende sowie ihre Angehörigen können sich an das Bürgerservice unter der Nummer 0501150 4411 wenden. "Im konkreten Fall gibt es kaum Anrufe von Angehörigen, alles deutet darauf hin, dass keine Österreicher betroffen sind", sagte Schnöll.

Das Seebeben löste einen kleinen Tsunami aus. "Die Wellen waren etwa 60 Zentimeter hoch", sagte der griechische Seismologe Akis Tselentis im Fernsehen. Das reichte für sichtbare Schäden: Mehrere Boote wurden beschädigt, entlang der aufgerissenen Kaimauern lag Geröll. Der Mini-Tsunami traf auch die Küste der zehn Kilometer entfernten türkischen Stadt Bodrum. Entlang der türkischen Küste lagen an Land gespülte Fischerboote.

13 Verletzte mussten dem griechischen Zivilschutz zufolge in Spezialkliniken nach Athen und per Rettungshubschrauber auf die Inseln Rhodos und Kreta gebracht werden. Auch eine Schweizerin wurde verletzt. Von den etwa 1.830 Asylsuchenden, die derzeit auf Kos in Containern leben, wurde laut Polizei keiner verletzt. Kos war in den vergangenen Jahren als Teil der Flüchtlingsroute in die Europäische Union in den Schlagzeilen.

Schwere Schäden an Gebäuden

Das Beben beschädigte neben dem Amüsierviertel von Kos auch die zwei Häfen der Insel schwer, den Jachthafen und den Fährhafen. Der Hafenpolizei zufolge konnten bis auf Weiteres keine Fähren mehr anlegen. Der Flughafen der Insel sei aber intakt, teilte Verkehrsminister Christos Spirtzis mit.

In der Türkei gab es Medien zufolge keine Todesopfer. Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf. Die Gouverneurin der türkischen Provinz Mugla, Esengul Civelek, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, es gebe dort bisher keine Berichte über Opfer oder strukturelle Schäden. Teilweise sei aber die Stromversorgung eingeschränkt. Einige Menschen könnten die Nacht aus Angst vor weiteren Nachbeben im Freien verbringen. Das Zentrum des Bebens lag laut US-Erdbebenwarte nahe der türkischen Küstenstadt Bodrum in etwa zwölf Kilometern Tiefe.

EU bietet Unterstützung an

Als Reaktion auf das schwere Erdbeben in der Ägäis hat die Europäische Union Griechenland und der Türkei umfassende Unterstützung angeboten. "Die EU steht uneingeschränkt bereit zu helfen", teilte Krisenmanagement-Kommissar Christos Stylianides am Freitag mit. Das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen verfolge die Entwicklungen rund um die Uhr und könne theoretisch sofort tätig werden. Zudem bot Stylianides den nationalen Behörden an, den EU-Satellitenbilder-Dienst EMS nutzen.

Erst Mitte Juni hatte auf den Inseln Lesbos, Chios und an der Westküste der Türkei die Erde gebebt. Auf Lesbos kam dabei ein Mensch ums Leben, viele Häuser wurden zerstört.

Im europäischen Raum kommen in Griechenland, den südlichen Teilen des Balkans sowie im Westen der Türkei die meisten Erdbeben vor. Der größte Teil der schweren europäischen Beben ereignet sich nahe den Rändern der Afrikanischen und Europäischen Kontinentalplatte.

(APA/dpa)

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