Sputnik: Der Tag, an dem Russland über die USA triumphierte

Das Zeitalter der Raumfahrt begann mit einem Schock – zumindest für die Vereinigten Staaten. Denn mitten im Kalten Krieg entschied die Sowjetunion die erste Etappe um das Rennen im Weltall für sich. Am 4. Oktober 1957 um exakt 19.28 Uhr brachte Moskau erstmals einen Satelliten ins All: Sputnik 1. Dabei hatten die USA sich nach dem Zweiten Weltkrieg - nicht zuletzt unter dem Eindruck des Atombombeneinsatzes gegen Japan im August 1945 - als technologisch fortschrittlichste Nation der Erde gewähnt.

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Doch die 83,6 Kilo schwere Metallkugel mit vier Stabantennen und einem Durchmesser von 58 Zentimetern versetzte diesem Selbstbewusstsein einen Schlag. Der Sputnik-Start (auf Deutsch „Weggefährte“) löste gar eine regelrechte Paranoia in der amerikanischen Gesellschaft aus. Ufo-Sichtungen und Bestellungen für Atomschutz-Sets stiegen explosionsartig an. Viele glaubten sogar, sich im Freien leise unterhalten zu müssen, um nicht aus dem All abgehört zu werden.

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Denn es ging nicht nur um ein Wettrennen der Ingenieure, sondern um handfeste militärische Aspekte: Auf einer stark eliptischen Umlaufbahn zwischen rund 200 und 900 Kilometern Flughöhe umrundete "Sputnik" drei Monate lang die Erde, ehe der Satellit in der Erdatmosphäre verglühte. Die Sowjetunion zeigte so, dass sie jederzeit auch mit Bomben bestückte Flugkörper zu jedem Punkt der Erde bringen könnte.

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Das "Master Mind" hinter der sowjetischen Raumfahrt dieser Tage war Sergei Koroljow (rechts im Bild), dessen Identität im Westen erst nach seinem Tod 1966 bekannt wurde. Er entwickelte die ursprünglich als Interkontinentalrakete konzipierte Trägerrakete R-7, die auch den ersten Satelliten ins All beförderte.

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Nur einen Monat nach dem „Sputnik-Schock“ schoss Moskau im November 1957 Sputnik 2 in den Orbit - diesmal mit einem Passagier. Die dreijährige Hündin Laika war das erste Lebewesen im All, ihr Flug wurde inmitten des Kalten Krieges propagandistisch ausgeschlachtet. Das Rennen im Weltraum wirkte bisweilen wie ein Ventil stellvertretend für eine riskante Konfrontation auf der Erde.

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Denn während die USA den Rückstand in der Weltraumforschung aufzuholen versuchten, legte die UdSSR nach. Ihre Sonde Luna 3 flog 1959 als Erste an der erdabgewandten Seite des Mondes vorbei, zwei Jahre später entschied Moskau nach Ansicht mancher den Weltlauf quasi für sich: Am 12. April 1961 flog Juri Gagarin, der Sohn einer Bäuerin und eines Zimmermanns, als erster Mensch durchs All. In 108 Minuten umrundete Gagarin im Raumschiff Wostok 1 den blauen Planeten ein Mal.

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1963 schossen die Russen mit Valentina Tereschkowa die erste Frau sowie 1964 die erste dreiköpfige Besatzung ins All und 1965 unternahm ein Russe 500 Kilometer über der Erde den ersten "Weltraumspaziergang".

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Die USA wussten zu diesem Zeitpunkt längst, dass sie nur mit der ersten Mondlandung den Rückstand wettmachen könnten. Zu ihrem größten Helfer wurde ausgerechnet der Kreml. Jahrzehntelang verfügte die Sowjetunion über leistungsstärkere Raketen als die Amerikaner. Nachdem einer der größten Verfechter der sowjetischen Weltraumforschung, der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow, 1966 aus den letzten Ämtern gedrängt wurde, stoppte der Sparkurs seines Nachfolgers Leonid Breschnew die Erfolgsserie der Kosmonauten.

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Zwölf Jahre dauerte es schließlich, bis die USA der Sowjetunion wieder den Rang abliefen: Am 21. Juli setzten Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin als erste Menschen einen Fuß auf den Mond. Dabei begann auch das US-Apollo-Programm mit einer Tragödie, als 1967 drei Raumfahrer verbrannten. Zwischen 1969 und 1972 landeten US-Astronauten schließlich sechsmal auf dem Mond, Raumfahrer aus anderen Ländern hingegen nie - auch nicht russische Kosmonauten. Moskau hatte seine kostspieligen Pläne für eine Mondlandung in den 1970er-Jahren auf Eis gelegt.

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An diese Ambitionen will Russland heute wieder anknüpfen. Bis 2013 will die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos ihren ersten Kosmonauten zum Erdtrabanten schicken. Doch dieser soll nur als erste Etappe zu einem weitaus ambitionierteren Ziel dienen: Dem Mars. Die Erschließung des Mondes sei eine wichtige Etappe, um den Flug zum Roten Planeten technisch zu erleichtern, lautet die Begründung.

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Doch schon längst sind die USA und Russland im Wettlauf um das All nicht mehr alleine. Auch die Europäische Raumfahrtagentur ESA und China haben ambitionierte Mondprogramme. Auseinandersetzungen wie im Kalten Krieg gibt es heute allerdings nicht mehr. In den vergangenen Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass kein Land allein die technischen Herausforderungen und immensen Kosten stemmen kann. Dabei betonen alle Seiten, dass im Weltraum in Zeiten irdischer Krisen Brücken gebaut werden könnten. Gerade erst haben sich Russland und die USA darauf verständigt, gemeinsam eine bemannte Raumstation für eine Mond-Umlaufbahn zu bauen - auch dies eine mögliche Etappe auf dem Weg zum Mars.

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