Bürgermeister Schaden: "Keine organisierte Evakuierung"

Salzburgs Bürgermeister, Heinz Schaden (SPÖ), war unter den 3200 Urlaubern, die auf der „Costa Concordia“ eine Mittelmeer-Kreuzfahrt gebucht hatten.

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Archivbild: Bürgermeister Schaden – (c) APA/BARBARA GINDL (Barbara Gindl)

Die Presse: Werden Sie, nachdem was Sie auf der „Costa Concordia“ erlebt haben, wieder einmal eine Kreuzfahrt unternehmen?

Heinz Schaden: Nein, mit Sicherheit nicht. So schnell gehe ich nicht mehr auf ein Schiff. Ich wollte noch eine Woche Urlaub genießen, bevor es mit der Arbeit wieder so richtig losgeht. Dass das so endet, hätte keiner gedacht.

Hat es während der Reise an Bord Unterweisungen gegeben, was im Notfall zu tun ist?

Es gab ein Mal das übliche Antreten aller Passagiere. Da müssen alle die Schwimmweste anlegen, es wird geschaut, ob sie funktionieren. Der wirkliche Ernstfall wird nicht geübt.

Wie haben Sie die Ereignisse an Bord erlebt?

Ich war gerade in meiner Kabine, um den Koffer zu packen, als es einen lauten Krach gab. Es war eine Erschütterung, die sicher eine halbe Minute gedauert hat. Mir war sofort klar, dass das Schiff aufgelaufen ist. Die Leute sind auf die Gänge, man sagte uns, wir sollen uns keine Sorgen machen, es sei nur ein Stromausfall. Aber das Schiff hat rasch Schlagseite bekommen. Die Leute sind dann von sich aus auf die Decks mit den Rettungsbooten gegangen. Erst nach langer Zeit hat man die Passagiere in die Rettungsboote einsteigen lassen, dann mussten sie wieder aussteigen. Es ist wertvolle Zeit verloren gegangen.

Ist es an Bord zu Panik gekommen?

Nein, die Passagiere waren sehr diszipliniert. Ich war sehr überrascht, dass bis auf ein paar wenige Ausnahmen alle sehr ruhig reagiert haben.

Hat die Rettungskette aus Ihrer Sicht funktioniert?

Es hat keine organisierte Evakuierung gegeben. Selbst für Laien war klar erkennbar, dass das Schiff in großer Gefahr ist. Keiner hat gewusst, wer was anschafft. Die höheren Chargen haben sich bei der Evakuierung nicht blicken lassen. Es waren lediglich die Matrosen und das Küchenpersonal, die sich um die Menschen gekümmert haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2012)

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