Frankreich: Waffenfund bei Islamisten

19 Sympathisanten einer verbotenen Gruppe wurden verhaftet, man fand bei ihnen Gewehre. Der Attentäter von Toulouse, Mohamed Merah, wurde unterdessen beerdigt.

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(c) REUTERS (STEPHANE MAHE)

Frankreich steht nach dem Terror von Toulouse und Montauban weiter im Bann des Islamismus: In Toulouse, Marseille, Lyon, Nantes und der Pariser Region wurden am Freitagvormittag bei einer Großrazzia 19 verdächtige Islamisten verhaftet. Die Verhafteten sind vor allem Mitglieder und Sympathisanten der Gruppe „Forsane Alizza“ („Ritter des Stolzes“), die seit Februar verboten ist; einen direkten Konnex mit den Attentaten von Toulouse/Montauban gebe es laut Polizei nicht.

Zu den Festgenommenen zählt Mohamed Achamlane, der Gründer der Organisation, die auf ihrer illegalen Webseite fromme „Hilfskräfte“ suchte und präzisierte: „Wir brauchen alle Arten von Kompetenzen, aber vor allem Soldaten.“ Achamlane dementierte, dass bewaffneter Kampf das Ziel seiner Leute sei, die Polizei fand bei den Razzien aber drei Kalaschnikow-Sturmgewehre und eine kugelsichere Weste – das erhärtet den Verdacht von Innenminister Claude Guéant, der „Forsane Alizza“ als Bande sieht, welche die Grundsätze der Republik gefährde und die in Frankreich „eine Herrschaft des Islam“ erreichen wolle.

 

Einreiseverbot gegen Scheichs

Die Polizeiaktionen folgten auf ein Einreiseverbot, das die Regierung gegen vier extremistische Prediger aus Katar, Saudiarabien und Ägypten verhängt hatte: Diese sollten von 6. bis 9. April bei einem Treffen der „Union Islamischer Organisationen Frankreichs“ (UOIF) in Le Bourget auftreten. Die Prediger sind angeblich für antisemitische Hetze und Aufforderung zu Gewalt gegen Frauen bekannt.

Unterdessen wurde Mohamed Merah, jener 23-Jährige, der in den vergangenen Wochen sieben Menschen (darunter drei Kinder) in Toulouse und Montauban erschossen hatte und dann von der Polizei bei der Belagerung seines Hauses getötet wurde, am Donnerstagabend begraben. Zu der kleinen, recht eilig durchgeführten Zeremonie auf dem Friedhof Cornebarrieu am Rand der südwestfranzösischen Stadt kamen etwa 15 Trauergäste, die meisten davon junge Männer.

Um Merahs Beerdigung hatte sich ein ziemliches Hickhack mit Auswirkungen auf die Diplomatie entwickelt. Der in Algerien lebende Vater des „Motorroller-Killers“ Mohamed Merah hatte um die Überführung der Leiche nach Algerien gebeten. Der etwas überraschende Wunsch kam Frankreichs Behörden sehr entgegen, denn für sie war die Frage der Beisetzung unangenehm: Man wolle diesen Verbrecher nicht in Frankreich ruhen lassen, hieß es, auch weil man fürchtete, sein Grab könnte zur Pilgerstätte für Islamisten werden.

 

Einspruch aus Algerien

Darum atmete man in Toulouse und Paris auf, als für Donnerstag alles für die Überführung organisiert war und auch Algeriens Generalkonsulat in Paris den Leichentransport übers Mittelmeer erlaubte. Doch da erhob just der Bürgermeister jenes algerischen Dorfes, in dem Merahs Bestattung geplant war, Einspruch: Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit, und ebenfalls um die Entwicklung zur Pilgerstätte zu verhindern. Die algerischen Behörden lehnten die Überführung nun plötzlich ebenfalls ab.

Daraufhin fiel die Wahl des Bestattungsortes dann doch auf den erwähnten Friedhof in Toulouse, wogegen sich der dortige Bürgermeister, Pierre Cohen, allerdings heftig wehrte. Seine Stadt sei dafür „nicht geeignet“.

Die „Räder der Macht“ im Hintergrund entschieden zuletzt jedoch gegen Cohen – zumal auch Präsident Nicolas Sarkozy nach der Weigerung des Stadtoberhaupts gewettert hatte, man solle jetzt nicht weiter wegen der Beerdigung herumstreiten. Schließlich sei Merah auch Franzose gewesen.

Lexikon

Die Islamistengruppe „Forsane Alizza“ („Ritter des Stolzes“) war im Februar vom französischen Innenministerium verboten worden. Auf ihrer Webseite hatte sie offen um „Soldaten“ geworben, laut Behörden habe sie einen bewaffneten Kampf für die Herrschaft des Islam geplant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2012)

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