Florida: Todesschütze Zimmerman kommt vor Gericht

Der Fall des ermordeten Afroamerikaners Trayvon Martin spaltet Amerika. Der mutmaßliche Täter und Nachbarschaftsschützer in Sanford (Florida), George Zimmerman, wurde nun verhaftet und wegen Mordes angeklagt.

Schließen
(c) REUTERS (HANDOUT)

Washington. Es hat zähe 46 Tage gedauert, aber nun nimmt die Gerechtigkeit wohl ihren Lauf. George Zimmerman, der 28-jährige Nachbarschaftsschützer in Sanford (Florida), der am 26. Februar den unbewaffneten 17-jährigen Schwarzen Trayvon Martin erschoss, muss sich wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz verantworten. Ihm droht lebenslange Haft.

Für Donnerstag war eine erste Anhörung in dem Fall angesetzt, der in den USA zu Demonstrationen und erbitterten Debatten über Rassismus und Waffengesetze geführt hat: Dabei wurde entschieden, dass Zimmerman zunächst nicht auf Kaution freikommt. Dies würde nur die Gemüter anheizen, sagte sein Anwalt.

Am Mittwoch war Zimmerman, der sich auf Notwehr beruft und zunächst auf freiem Fuß geblieben war, nach wochenlangen Protesten in Haft genommen worden. Der Sohn eines weißen Amerikaners und einer peruanischen Mutter, für den die Medien den Begriff des „weißen Hispanic“ kreierten, hatte sich auf eine entsprechende Aufforderung selbst gestellt, sagte Sonderermittlerin Angela Corey. Sie war vom republikanischen Gouverneur Rick Scott mit dem schlagzeilenträchtigen Fall betraut worden.

Schüsse angeblich aus Notwehr

Zum tödlichen Schuss kam es an einem regnerischen Abend in einer bewachten Wohnanlage. Der schwarze Teenager, dessen Eltern geschieden sind, hat dort seinen Vater besucht und war nach dem Einkaufen in einem Supermarkt auf dem Heimweg. Weil er Zimmerman mit seinem „Hoodie“, einem unter Jugendlichen populären Kapuzenpullover, verdächtig erschien, rief der den 911-Notruf der Polizei. Der „Kerl sieht aus, als führe er nichts Gutes im Schilde“, sagte Zimmerman in dem aufgezeichneten Telefonat. Der Polizeibeamte sagte, er schicke einen Streifenwagen, und forderte Zimmerman auf, dem jungen Mann nicht nachzugehen. Doch kurz darauf kam es zur tödlichen Konfrontation: Laut Zimmerman griff ihn der Jugendliche an, als er auf dem Weg zurück zu seinem Auto war, schlug ihn nieder und hämmerte seinen Kopf auf den Asphalt. Er, Zimmerman, habe Martin daraufhin in Todesangst in die Brust geschossen.

Polizeivideos, die den zunächst in Handschellen abgeführten Zimmerman rund anderthalb Stunden nach der Konfrontation auf der Polizeiwache zeigen, lassen allenfalls mit Mühe leichte Hautabschürfungen am Hinterkopf erahnen. Von der gebrochenen Nase, die Zimmerman angegeben hat, ist darauf nichts zu erkennen. Augen- und Ohrenzeugen der abendlichen Ereignisse äußerten sich widersprüchlich. Doch die nun erfolgte Verhaftung und der Vorwurf des Mordes zweiten Grades sprechen dafür, dass den Ermittlern nun weitere Details bekannt sind. Generalstaatsanwälte erheben in der Regel erst dann Anklage, wenn sie zuversichtlich sind, ihre Position beweisen zu können.

Wäre er eines Mordes ersten Grades angeklagt worden, hätte Zimmerman die Todesstrafe gedroht; als Mord ersten Grades gilt eine Tötung, die im Voraus überlegt und geplant war. Doch auch die Mutter von Martin geht nicht von einer derart absichtlichen Tat aus: „Ich glaube, es war ein Unfall, es geriet einfach außer Kontrolle“, sagte Sybrina Fulton im TV.

Weiße: Tötung gerechtfertigt

Die Bevölkerung der USA ist tief gespalten über den Fall: Nur ein Drittel der Weißen hält die Tötung Martins für ungerechtfertigt, während 91 Prozent der Afroamerikaner dieser Ansicht sind.

Auf einen Blick

George Zimmerman, ein 28-jähriger Nachbarschaftswächter in Sanford (Florida), erschoss am 26. Februar den schwarzen Teenager Trayvor Martin auf einem Parkplatz. Zimmerman war zunächst auf freiem Fuß ge-blieben und erst nach landesweiten Protesten verhaftet worden. [ Reuters ]

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.