Erste inklusive AHS-Oberstufe in Salzburg

02.09.2012 | 18:24 |   (Die Presse)

Für Behinderte endet der Schulbesuch meist nach neun Jahren. Mit einem Schulversuch am Salzburger Montessori-Oberstufenrealgymnasium (MORG) wird sich das nun zumindest für vier Jugendliche ändern.

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Wien/Thea. Wenn am 10. September auch in den westlichen Bundesländern die Schule startet, werden heuer ebenfalls Jugendliche mit geistiger Behinderung eine AHS-Oberstufe besuchen. Zum ersten Mal in Österreich: Denn nach der derzeitigen rechtlichen Lage endet für Kinder mit Behinderung der Schulbesuch eigentlich nach neun Jahren. Ein weiterführender Unterricht, gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung, ist gesetzlich nicht vorgesehen.

Mit einem Schulversuch am Salzburger Montessori-Oberstufenrealgymnasium (MORG) wird sich das nun zumindest für vier Jugendliche ändern. Sie werden in allen Fächern gemeinsam mit 20Kindern ohne Behinderung unterrichtet. Zwei Sonderpädagogen werden gemeinsam mit AHS-Lehrern individuell angepasste Lehrpläne für die vier Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf entwickeln und die Lehrer auch im Unterricht unterstützen.

Vordergründiges Ziel ist dabei aber nicht, dass diese Schüler auch tatsächlich die Matura machen. Es gehe vielmehr um „das Recht auf Bildung und den Erwerb von Kompetenzen, die später den Einstieg ins Berufsleben erleichtern“, erklärt Eva Kothbauer, Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg, der das MORG betreibt.

 

Diakonie: Inklusion umsetzen

Diakonie-Direktor Michael Chalupka fordert unterdessen die Regierung dazu auf, „das sofortige Recht auf inklusive Bildung für alle Schüler in allen Schulen und auf allen Schulstufen“ umzusetzen – Österreich hat sich durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2008 zur Schaffung eines inklusiven Schulsystems verpflichtet.

Chalupka kritisiert den „Nationalen Aktionsplan Behinderung“, den die Regierung kürzlich beschlossen hat: „Darin ist zwar die Rede von Veränderungen, eine sofortige Umsetzung von inklusiven Schulformen ist aber nicht vorgesehen. Wir spüren nicht viel Rückenwind.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2012)

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