Lehrer: 400 Studenten als Lückenfüller

21.11.2012 | 18:02 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Um den Unterricht an den Wiener Schulen aufrechtzuerhalten, werden immer mehr Studenten eingesetzt. Lehramtsstudenten werden in mehrtägigen "Crashkursen" auf ihren Einsatz in der Klasse vorbereitet.

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Wien. Der Lehrermangel schlägt in Wiens Schulen nun endgültig kräftig zu. Am Schulbeginn im September war noch die Rede davon, dass rund 150 Lehramtsstudenten im Regelunterricht eingesetzt werden müssen, um keine Unterrichtseinheit ausfallen lassen zu müssen. Nun sind es 400 Planstellen, die an Wiener Schulen durch Studierende besetzt werden, die ihr Lehramtsstudium (noch) nicht abgeschlossen haben.

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Dies geht aus einer aktuellen Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) hervor. Besonders viele Studenten werden in den Wiener Volksschulen eingesetzt. Um genau zu sein, gehen in der Hauptstadt 189 Planstellen an Studierende. An den Hauptschulen sind es 73, an Sonderschulen 52 und an polytechnischen Schulen sechs. Auch in den höheren Schulen werden Lehrkräfte eingesetzt, die ihr Studium noch nicht abgeschlossen haben. An den allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) werden 48 Stellen durch Studierende besetzt. An den berufsbildenden höheren Schulen sind es 26 Stellen.

Rechtlich gesehen ist der Einsatz von Studenten kein Problem. Sie erhalten einen sogenannten Sondervertrag, der auf ein Jahr befristet ist und immer wieder verlängert werden kann. Theoretisch könnten Studenten jahrelang unterrichten, ohne das Studium abzuschließen.

Zwei Haken gibt es dabei: Erstens verdienen die Sondervertragslehrer deutlich weniger – die Differenz liegt bei 500 bis 600 Euro brutto im Monat. Und zweitens verlieren sie automatisch ihren Job, sobald genügend geprüfte Lehrkräfte vorhanden sind.

 

„Keine schlechte Planung“

Obwohl die Zahl der Lehramtsstudenten in den vergangenen Jahren gestiegen ist, war der Nachschub an Absolventen zu gering. Dass der Grund dafür eine schlechte Planung durch die politischen Verantwortlichen sei, will man seitens des Unterrichtsministeriums nicht auf sich sitzen lassen. Eine exakte Prognose des Lehrerbedarfs sei nicht möglich. Einer der Gründe dafür: Die Anzahl der künftigen Pensionierungen sei nur schwer abzuschätzen. Verschärfungen im Pensionsrecht würden eine genaue Kalkulation verhindern, so das Unterrichtsministerium.

Auch die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl sieht keine Schuld der Politik. „Auch wenn der Lehrermangel absehbar wäre, kann man nichts dagegen tun. Man hat ja keinen Einfluss darauf, wer Lehrer wird“, sagt Brandsteidl im Gespräch mit der „Presse“. Dass die Situation vor allem in Wien derart prekär ist, habe mit den Schülerzahlen zu tun. Wien sei als einziges Bundesland von steigenden Schülerzahlen in praktisch allen Schulbereichen betroffen.

Im kommenden Schuljahr soll sich die Situation entspannen. Die Zahl der Pensionierungen soll zumindest vorübergehend zurückgehen. Erst nach 2017 sei wieder eine große Pensionierungswelle an den Wiener Schulen zu erwarten, heißt es in der Anfragebeantwortung. Unterrichtsministerin Schmied versucht angesichts der alarmierenden Zahlen zu beruhigen: Bisher sei keine Unterrichtseinheit aufgrund Lehrermangels entfallen.

 

Qualität in Gefahr?

Der Einsatz der Studenten wird teilweise durchaus kritisch gesehen. Immerhin könnte die pädagogische Qualität durch die nicht abgeschlossene Ausbildung leiden.Im Wiener Stadtschulrat beteuerte man stets, dass in den Schulen nur Studenten eingesetzt werden, die ohnehin kurz vor Abschluss ihres Lehramtsstudiums stehen. In der Praxis sieht das anders aus. Zurückgegriffen wird auch auf Studenten, die von einem Studienabschluss noch weit entfernt sind.

Der Stadtschulrat versucht die Studenten in einem „Crashkurs“ auf den Schulalltag vorzubereiten. In dieser mehrtägigen Dienstbesprechung werden Studierenden nicht nur rechtliche Grundlagen vermittelt, sondern auch Regelungen zu Aufsichtspflicht und Leistungsfeststellung erläutert.

Auf einen Blick

Der Lehrermangel zwingt den Wiener Stadtschulrat, vermehrt Studenten an Schulen einzusetzen. Derzeit sind 400 Planstellen durch Studierende besetzt. Besonders viele sind es in Volksschulen und zwar 189. An den Hauptschulen sind es 73, an den Sonderschulen 52 und an den polytechnischen Schulen sechs. An der AHS werden 48 Stellen von Studierenden besetzt, an der BHS 26.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.11.2012)

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129 Kommentare
 
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Lieber jung als alt ...

Da ich selbst Schülerin bin kann ich aus Erfahrung sprechen/ schreiben:
Mir ist ein junger aber auch eifriger und engagierter Student lieber als ein Lehrer, der schon 30 Jahre lang unterrichtet, veraltete Methoden vorzieht, die Lust am Lehren verloren hat und sich einfach nur noch auf seine Pension freut!

Liebe Grüße an die 9ORG B ;)

ich würde empfehlen

keine minus mehr anzuklicken, sondern nur die plus. dann können sich manche nicht mehr über ihre minus freuen. ignorieren ist eine schlimme strafe.

Re: ich würde empfehlen

hallo moron. ich ignoriere sie nicht. ärgert sie das?

Wiede rmal ist für Fr. Schmied alles in Ordnung ...

.. wie wohl auch bei der Kommunalkredit. Da waren ja auch nur ein paar Mrd. Minus. Bei Fr. Schmied ist immer alles in Ordnung ...

Ist das die richtige Lösung ?

Ich finde es nicht gut, wenn Studenten die ihre Ausbildung noch nicht beendet haben, die Lücken der Lehrer ersetzen!
Meiner Meinung nach geht das auf die Kosten der Schüler - junge Studenten sind ja doch noch verunsichert und wissen nicht genau wie ein Unterricht ausschauen soll!

Man kann schließlich auch nicht als Medizinstudent bereits Operationen durchführen! - um ein Beispiel zu erwähnen!

Immerhin geht es hier um die Zukunft der jungen Generation und daher ist es wichtig zu mindest Lehrer mit einem fertigen Studium einzusetzen-ob diese dann die fachlichen und pädagogischen Anforderungen erfüllen können ist fraglich !

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Re: Ist das die richtige Lösung ?

besser Nachbars Hund in den Klassen. Der bellt wenigstens!

Weniger Hürden!

Was wir bräuchten wären WENIGER bürokratische Hürden.
www.benjaminheinrichblog.blogspot.co.at/2012/11/akuter-lehrermangel-bhb-fordert-hurden.html

Studenten haben immer schon unterrichtet - nicht unüblich

Ich hab das während meines Studiums auch gemacht, auch damals schon waren nicht genügend Lehrer vorhanden in Wien. Wenn ich mir allerdings so die Arbeitsblätter von damals ansehe, dann muss ich schon lachen... Naja, Qualität ist nicht immer das was für einen Studenten im Leben an erster Stelle steht. :-)

einige eckdaten:

ich bin seit 20 jahren im lehrberuf (naturwissenschaftliche fächer) an einer uni und einer ahs, unterrichte pro woche normalerweise 34 stunden, arbeite insgesamt ca. 60 stunden pro woche, verdiene netto ziemlich genau 3600 euro. wer das auch möchte, sollte fleissig studieren.
wer das nicht möchte, weil der verdienst zu gering ist, sollte in der privatwirtschaft bleiben.
vielleicht kann ich damit auch jungen kollegen eine entscheidungshilfe mitgeben.

Re: einige eckdaten:

34 Stunden Unterricht ???
Da sind sie aber der fleißigste Herr Professor Österreichs!!!

Re: Re: einige eckdaten:

warum schreiben sie über dinge, von denen sie nichts verstehen?

mir fallen ohne langes nachdenken leider sofort 5 kollegen ein, die noch mehr unterrichten.

es ist schon gut, dass man in österreich seine meinung frei äußern darf, nur setzt das eine gewisse verantwortung dahin gehend voraus, dass man diese meinungsfreiheit nicht durch blödsinniges plappern (und ihr kommentar ist ein solches "plappern"!) ad absurdum führt!

Re: Re: Re: einige eckdaten:

und wo genau lernt der österreicher die von ihnen angesprochene verantwortung?


Re: Re: Re: Re: einige eckdaten:

die schule bietet möglichkeiten an, sich dialektisch zu entwickeln; ob diese hoffentlich erworbenen fähigkeiten später angewendet werden, ist die verantwortung jedes einzelnen. aber keine sorge, jene, die einfach drauflosplappern, werden letzten endes nicht ernst genommen ;-)

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Re: Re: Re: einige eckdaten:

selig die, die keine Ahnung, aber trotzdem zu allem eine Meinung habe müssen/wollen/dürfen!

Re: Re: Re: Re: einige eckdaten:

sie sind ein guter mensch! ich würde eher sagen, dass diese entweder dumm oder nicht mündig sind.
man sollte auch zu manchen themen schweigen können...

Endlich Politik mit Verantwortung machen !

Österreich steht unter der Fuchtel einer Parteiendikatur und eines Beamtendiktats. Wer also sonst soll für den Stillstand im ÖD verantwortlich sein?

Der Lehrberuf ist ein wichtiger für dieses Land. Durch eine absolute Entkoppelung mit der "Welt draußen" ist dieser aber zu Recht in Verruf geraten.

Es ist lachhaft, dass Lehrer bei einer Stundenverpflichtung von 18-20h und 3-4 Monate bezahlten Urlaub uns Nichtlehrern die Mär ihrer ewigen Überforderung aufbinden wollen.

Wenn die Schule durch überfällige und in anderen Ländern längst umgesetzte Reformen (siehe Ganztagsschule!) im 21 JHD angekommen ist, dann werden sich viele Probleme von selbst lösen.
Auch der Lehrermangel!


Das ist eine weit verbreitete Irrmeinung.

Dieser Mythos ist scheinbar nicht auszurotten. Das findet sich in keinem Gesetz und keiner Verordnung. Tatsächlich liegt die Jahresarbeitszeit von LehrerInnen (ohne dienstrechtliche Überstunden) mindestens im selben Bereich wie die Normalarbeitszeit (ohne Überstunden) anderer Beschäftigter, nämlich bei gut 1700 Stunden; die Ferien sind nicht unbezahlt, sondern ZEITAUSGLEICH für die laufend anfallenden Mehrstunden bei einer normalen Lehrverpflichtung: Wochenarbeitszeit im Mittel ca. 45h = ca. 1 Tag Zeitausgleich pro Woche = 7 Wochen Zeitausgleich im Jahr + 5 Wochen Urlaub = 12 Wochen, voila.
Ein Beispiel: http://www.ktn.gv.at/230230_DE-Formulare_Abt.6-Jahresnorm_fuer_VS_HS_PS_ASO

Re: Endlich Politik mit Verantwortung machen !

warum verzichten dann so viele menschen auf diese paradiesischen zustände und arbeiten in der "bösen" privatwirtschaft unter harten bedingungen zu einem viel zu geringen lohn?
halten sie die menschen für so dämlich?
die wahrheit ist: eine volle lehrverpflichtung ist unter den jetzigen bedingungen natürlich ein vollzeitjob, eine stunde in einer klasse ist weitaus anstrengender als die meisten stunden in anderen berufen.
die 3-4 monate urlaub sind nicht bezahlt und wohlverdient.

dämlich?

Es tut mir sehr leid ihnen mitteilen zu müssen, dass sie keinerlei Ahnung von der Privatwirtschaft zu haben scheinen. Nicht vom Arbeitsaufwand der dort zu leisten ist und nicht vom Verdienst den Lehrer hier immer phantasieren, um ihre Überbezahlung zu relativieren.

Dämlich, Herr Obergscheiter sind nur die Menschen, die ihrer Propaganda vom knallharten unterbezahlten Lehrerberuf auf den Leim gehen, aber das sind, das kann ich ihnen versichern, ohnedies sehr wenige Menschen.

Sprechen sie einmal mit Nichtlehrern darüber, das steigert die Lebensqualität ihrer Jammerlappen Existenz mit großer Wahrscheinlichkeit ;-))

Ich habe viele Jahre in der PW gearbeitet

und arbeite jetzt seit 9 Jahren im Lehrberuf, mir können Sie nichts erzählen. Ich habe jetzt höhere (Normal)wochenarbeitszeiten als in der PW, vergleichbare Jahresarbeitszeit (wenn ich die damaligen Überstunden mal abziehe, aber die waren schließlich bezahlt) und vergleichbare Bezahlung, obwohl ich damals nur HAK-Maturant war. Mir brauchen Sie nicht vorjammern, ach wie hart man in der PW arbeiten müsste, ich weiß zu gut, wie viele Stunden bloße Anwesenheit da bezahlt werden...

Re: dämlich?

und sie haben anscheinend vom schuldienst und dem arbeitsaufwand für denselben keine ahnung; ihrem schreibstil nach sind wir aber nicht auf der selben ebene; während sie höchstwahrscheinlich meinen job nie ausüben könnten, könnte ich sie sicher weiterbilden.
:-)

Re: Endlich Politik mit Verantwortung machen !

Die Mär von "3-4 Monate bezahlten Urlaub" können Sie an Ihrem Stammtisch weiter pflegen - wahr ist, es handelt sich hier um bezahlten Zeitausgleich ohne Zuschläge!

Re: Re: Endlich Politik mit Verantwortung machen !

zeitausgleich wofür ?

Re: Re: Re: Endlich Politik mit Verantwortung machen !

Dafür:

"Alle PflichtschullehrerInnen müssen den Nachweis über 1776 bzw. 1736 Stunden geleisteter Arbeit erbringen. Aufgeteilt auf die 36 Schulwochen ergibt dies eine Wochenarbeitszeit von ca. 48 Stunden".
Daraus ergibt sich, dass ein Teil der Ferien als Zeitausgleich dient. Neben den Unterrichtsstunden hat ein Lehrer / eine Lehrerin noch zahlreiche Aufgaben zu erledigen: Klassenvorstandsarbeiten, Administrationsaufgaben, Teilnahme an Konferenzen, Teambesprechungen, Korrekturen von Test und Schularbeiten, Heftkorrekturen, Gespräche mit Eltern und Schülern, Sportwochen, verpflichtende Fortbildung, kostenlose Supplierung, Arbeit mit Projekten, Vorbereitung und Nachbereitung der Stunden, Informationsabende, Schulpartnerschaft und vieles mehr.

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Re: Endlich Politik mit Verantwortung machen !

1) Es ist kein bezahlter Urlaub, sondern eine unbezahlte Dienstfreistellung.

2) 18h gibt es nicht, es sei denn Sie suchen um verminderte Beschäftigung an. Logischer Weise wird der Gehalt ebenso verringert.

Ist nicht so schwer zu verstehen oder?

Re: Re: Endlich Politik mit Verantwortung machen !

Empörung ist die Zuflucht der Hilflosen.
(= Minusdrücker ohne Argument).

 
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