Privatschulen als letzte Rettung?

16.12.2012 | 18:43 |  JULIA NEUHAUSER UND BERNADETTE BAYRHAMMER (Die Presse)

Während das öffentliche Bildungssystem zusehends um seinen guten Ruf kämpft, eilt den Privatschulen ein solcher voraus. Können sie das Bildungssystem retten?

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Wien. Der Ruf der österreichischen Schulen ist auch nicht mehr, was er einmal war – vor allem nicht jener der öffentlichen. Erst kürzlich ließ BZÖ-Chef Josef Bucher mit einer Forderung aufhorchen: Er will eine absolute Runderneuerung des heimischen Schulsystems – und setzt dabei auf den massiven Ausbau von Privatschulen. Mindestens die Hälfte aller Schulen soll künftig privat organisiert sein. Und: Für Schüler soll deren Besuch gratis sein. „Privatschulen sind Erfolgskonzepte in der Bildungslandschaft“, sagte Bucher.

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Könnten mehr private Schulen tatsächlich das System retten? Fakt ist, dass in Österreich vergleichsweise wenig Schüler Privatschulen besuchen. Nach einem Boom in den 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre stagnierte ihr Anteil bei neun bis zehn Prozent, zuletzt waren das im vergangenen Jahr rund 108.000 Schüler. In Wien liegt die Zahl höher – jeder siebte Volksschüler besucht dort eine private Schule.

Der weitaus größte Anbieter ist dabei die katholische Kirche. Neben den konfessionellen Privatschulen gibt es aber auch zahlreiche Privatschulen in freier Trägerschaft, wie etwa Waldorf-, Montessori- und andere alternativpädagogische Schulen. Ihr Nachteil: Im Gegensatz zu den kirchlichen Privatschulen erhalten sie die Lehrerkosten nicht ersetzt. Was dazu führt, dass Privatschulen zumeist hohes Schulgeld einheben und so zu elitären Institutionen werden.

 

Freie Auswahl der Lehrer

Vor allem sozial bessergestellte Eltern erwarten sich von privaten Bildungsangeboten für ihre Kinder eine bessere Leistung als an öffentlichen Schulen. Einige Vorteile haben private Schulen im Vergleich zu öffentlichen gewiss: Sie können sich sowohl ihre Klientel – also die Schüler – als auch ihre Lehrer aussuchen. Vor allem Letzteres ist etwas, das viele Direktoren öffentlicher Schulen vermissen. Nicht nur die. Auch immer mehr Eltern versuchen bereits, wenn sie ihr Kind an der Volksschule anmelden, ein Wörtchen bei der Auswahl der Lehrer mitzureden. Ihre Hoffnung: ein guter Lehrer, ein guter Unterricht. Im öffentlichen Schulsystem ist die Wahlfreiheit da aber sehr begrenzt.

Dazu, ob private Schulen ihren Schülern tatsächlich mehr beibringen als öffentliche, gibt es für Österreich – mit Ausnahme der Waldorfschulen, die bei PISA leicht über dem österreichischen Durchschnitt liegen – allerdings bislang keine separaten Auswertungen. Für die Bildungsstandards ist eine solche derzeit in Arbeit. In einer OECD-Studie wurden international die Ergebnisse privater und öffentlicher Schulen verglichen. Das Ergebnis: Privatschüler schnitten dabei besser ab – berücksichtigt man aber ihren (oft besseren) sozialen Hintergrund, lagen ihre Leistungen wiederum in etwa gleichauf mit jenen der Schüler aus öffentlichen Schulen.

Kritikern eines stärkeren Privatschulsystems liefern diese Fakten Argumentationsstoff. Denn zugespitzt formuliert könnte man aus diesen Statistiken schließen, dass teure Privatschulen zwar keineswegs besser sind, ihre Rahmenbedingungen es aber leicht machen, gute Ergebnisse zu erzielen. Die Privatschulen wären dann lediglich ein paralleles und auf ähnlichem Niveau befindliches System. Mit dem einzigen Unterschied, dass sie häufiger von Kindern aus finanziell bessergestellten – und womöglich höher gebildeten – Familien besucht werden.

 

Geld pro Kopf für alle Schulen

Diese Spaltung in Schulen für Reiche und Arme gilt es wohl zu vermeiden. Wie Privatschulen das öffentliche Schulsystem sinnvoll unterstützen können, zeigen die Niederlande. Dort ist der Zugang zur Privatschule alles andere als selektiv. Drei Viertel der Schüler besuchen dort eine Privatschule. Möglich macht das ein besonderes Finanzierungssystem: Nicht nur öffentliche Schulen, sondern auch Privatschulen werden dort gänzlich staatlich finanziert. Pro Schüler gibt es einen Fixbetrag. Private und öffentliche Schulen stehen damit in einem echten Wettbewerb zueinander. Jene Schule, die die besseren Leistungen und Angebote vorweisen kann, ist auch die, die einen stärkeren Zulauf an Schülern verspürt – und so mehr Geld erhält. Egal, ob öffentlich oder privat.

Die BZÖ-Idee geht übrigens in eine ähnliche Richtung: Jedes Kind soll vom Staat eine fixe Summe – etwa 4.000 Euro – mitbekommen, mit der es sich an der Schule seiner Wahl anmelden kann.

Auf einen Blick

Privatschulen. Im Vorjahr besuchten knapp 108.000 Schüler – gut neun Prozent – eine Privatschule. In Wien ist der Anteil etwas höher: Rund 16 Prozent der Volksschüler besuchen dort eine private Schule. Der weitaus größte Anbieter von Privatschulen ist in Österreich die katholische Kirche.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2012)

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14 Kommentare

hm ...


Wieviel schneidet Schmitl mit?

17 1

ja sicher!

die privatschulen sind ja die letzte insel derer, die sich dem schmiedschen wahnsinn einigermassen entziehen können.

damit beschleunigt die frau minister das aufgehen der schere in österreich (reich, arm - gebildet, ungebildet).

privatisierung der bildung?

super! - aber nur aus lehrersicht, da wir dann erst richtig gut verdienen, aus mangel an ersatz! :-)

6 0

Erfüllung der Schulpflicht

Es gibt nur eine sinnvolle Lösung: Jede Schule soll pro Schüler vom Staat den gleichen Betrag bekommen.
Wenn Schüler mit dem Besuch einer Schule ihre Schulpflicht erfüllen, dann gibt es keinen Grund diesen Schülern die Kosten für die Erfüllung der Schulpflicht vorzuenthalten. Dazu hat der Staat kein Recht, das ist Ungleichbehandlung.

Re: Erfüllung der Schulpflicht

Was würde passieren, wenn jeder Schüler mit einem "Gutschein" für ein Schuljahr in die Schule kommt, die "gut" ist? Müssten dann die schlechteren Schulen sich nicht bemühen, an ihrer Qualität zu arbeiten, um an Gutscheine zu kommen…

Privatschulen:

Die meisten katholischen Privatschulen sind Schulen öffentlichen Rechts.
D.h.: Sie bekommen zwar ihre Lehrer bezahlt, aber sie können sie sich eben nicht frei aussuchen.
Ich weiss nicht genau, wie es heute ist, aber zu meiner Schulzeit in einer kath. Privatschule bekam der Direktor einen Dreiervorschlag vom Stadtschulrat, aus dem er einen der vorgeschlagenen Lehrer wählen musste.
War die Schule im Stadtschulrat also nicht gut angeschrieben, waren alle drei Vorschläge mäßig - und umgekehrt.
Was aber die Privatschulen frei wählen konnte, waren die Schüler.

Was die Montessori, usw. Schulen betrifft: sie könnten wahrscheinlich auch ihre Lehrer bezahlt bekommen, dann aber müssten Sie auf ein paar Eigenheiten verzichten und sich dem öffentl. Schulrecht ebenso unterstellen.

Das holländische Modell gefällt mir gut.
Auch bin ich überzeugt, dass einige Eltern, um ihren Kindern eine gute Ausbildung zu sichern noch dazu zahlen würden - was der Schule noch bessere Möglichkeiten böte.

Re: Privatschulen:


"dreiervorschlag" ... Du verwechselst da was ...

Aussuchen der Lehrer

...grundsätzlich sucht sich der Direktor aus allen Bewerbern, die sich bei ihm vorstellen waren einen Kanditaten aus - das Problem ist heute, dass es nicht sehr viele Bewerber gibt - ist zB eine Stelle für Mathematik ausgeschrieben, gibt es oft gar keinen Bewerber, dann muss man schnell einen Studenten von der Uni suchen, der einspringen kann. Von Aussuchen kann man also kaum mehr reden, die meisten Direktoren sind schon froh, wenn sich überhaupt ein Lehrer meldet, der in der Schule anfangen will! Wen wundert´s bei dem schlechten Ruf, den Lehrer in der Öffentlichkeit haben - das will doch keiner mehr werden!

8 3

welcher Lehrer ist ein guter Lehrer ?

Welcher Tischler ist ein guter, der billige oder der Qualitätsarbeiter.
Welcher Verkäufer ist ein guter, aus Sicht des Kunden oder Chefs.
Ich würde mir diese Feststellung nicht so einfach erlauben. Direktoren waren auch Lehrer. Da müssen die Fragen erlaubt sein: warum will jemand Schulleiter werden? Will er Kariere machen, fühlt er sich zu Höherem erwählt, schafft er den Unterricht nicht mehr? Was qualifiziert ihn für diese Position?
Privatschulen sind nicht automatisch besser als öffentliche. Aber sie kosten etwas. Und ein alter Spruch sagt schon, was nichts kostet, ist nichts wert. Eltern sind bestrebt, eine gute Ausbildung für ihren Nachwuchs zu haben, weil er viel Geld kostet. Erzähl dies einmal den "Pensionssicherern" aus Kurdistan. Die sagen dann höchstens ".. was guckst du und halt de Fresse.."!

Guter Vorschlag

vom BZOe. Aber leider sind wir in Oesterreich, denn hier wird das Ideal im sozialistischen Durchschnitt gesehen. Nur kein Leistungsdruck. Damit bleibt es gemuetlich bei uns.

Breite Ausbildung

Dieses sozialistische Durchschnittsdenken (gegen Reiche, gegen Gscheite) bringt uns immer mehr unter Druck. Erfolg und Talent muss genauso gefördert werden wie Analphabetismus.

Re: Breite Ausbildung

Stimmt schon, aber aktuell habe wir die situation, dass reiche in privatschulen gehen, damit ihre kinder nicht mit den kindern der armen/auslaender spielen --> standesdünkel, rassismus, geld-faschismus!

sowie,

dass durchschnittlich begabte/intelligente kinder reicher Eltern bis zum uniabschluss, in spitzenpositionen geschoben werden, während jene aus armem haus an der kassa od. Auf der strasse landen

DAS IST AUCH EIN TEIL DIESER ENTWICKLUNG

Re: Re: Breite Ausbildung

Stimmt zum Teil. Aber ein die Realitaet sieht oft ein wenig anders aus: Mein Neffe hat im September mit der 1 HTL in Wien begonnen. Er war in seiner Klasse der einzige (!!) der Deutsch als Muttersprache hatte. Obwohl er in seiner letzten Schule (Katholische Privatschule) stets sehr schlecht in Deutsch war, ist er hier der Kaiser (kein Wunder). Er hat keinen Freund gefunden weil er sprachlich und kulturell nicht dazupasst. Obwohl er technikbegabt ist wird er die Schule verlassen mit dem Halbjahr. Was soll er dort auch lernen? Mit 13 ist man weder Geldfaschist noch Rassist - da hat man ganz andere Interessen. Er will Spass haben in der Schule, Freunde haben und seine Eltern moechten, dass ihr Sohn was lernt, das ihn weiterbringt und er ein selbstbewusster Mensch wird. Also nichts wie raus aus dem staatlichem Schulsystem! Zugegeben ist das ein Extrembeispiel aber es veranschaulicht schoen was los ist bei uns.

Re: Re: Re: Breite Ausbildung

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