Potenziale nicht ungenutzt lassen

01.07.2011 | 18:28 |   (Die Presse)

Gesamtschule. Derzeit bleiben die Fähigkeiten tausender Kinder unentdeckt – aus Angst vor der „Gleichmacherei“.

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Die heimische Gesamtschuldebatte ist tot. Zerstört von ideologischen Vorbehalten, die jede inhaltliche Auseinandersetzung mit Konzepten einer gemeinsamen Schule schwierig machen. Und zerstört von einer nicht funktionierenden „Neuen Mittelschule“, der landläufig zwar das Etikett der Gesamtschule umgehängt wird, die aber in Wahrheit keine ist.

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Tatsächlich ist die Gesamtschulfrage für das Funktionieren des Schulsystems zweitrangig – neue äußere Strukturen allein führen zu keiner Verbesserung. Trotzdem wären die Vorteile einer gemeinsamen Schule aller Zehn- bis 14-Jährigen groß. Wenn man sie richtig gestaltet. Nicht die „Gleichmacherei“ muss im Mittelpunkt stehen, sondern Chancengleichheit. Der Aufstieg in die höhere Bildung sollte von der Leistung abhängen – nicht vom Elternhaus. Eltern, die ihre Kinder im urbanen Raum derzeit in eine Hauptschule stecken, stempeln diese zu Bildungsverlierern. Hauptschüler scheitern häufiger in weiterführenden Schulen, vielen mangelt es an Grundkompetenzen. Der Staat sollte es sich nicht leisten, unentdeckte Potenziale derart zu vergeuden.

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Gesamtschule ist die individuelle Förderung jedes Einzelnen – und damit die viel zitierte „interne Differenzierung“. Andere Staaten machen es vor: In Kanada bekommt jeder einen maßgeschneiderten Lehrplan, ähnlich in Finnland. Anderswo werden Schüler verschiedener Klassen flexibel in Kleingruppen zusammengefasst – je nach Können im jeweiligen Fach und nach ihrem Interesse. Damit das funktioniert, braucht es gute Lehrer – und mehr Lehrer in jeder Klasse.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2011)

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73 Kommentare
 
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Gast: BVBler
05.10.2012 19:59
0 0

De fun eruditione

Müssen Kinder schon ab dem Sandkastenalter funktionieren?
Macht es heute noch Spaß in einer Schule zu lernen?
Lernt man in einer Schule seine Perspektiven erkennen?
Wie bewirbt man sich mit seinem Schulabschluss auf eine Stellenanzeige, welche die Verantwortlichen nicht mal selbst übersetzen können??
Ist Talentförderung eine Frage der Finanzierung ....?

Gast: Pädakler
03.07.2011 17:29
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die besten

solange an den PH der Großteil der Lehrerbildner "parteipolitische Notwendigkeiten" sind, wird es keine Verbesserungen geben. Im übrigen würde das alles viel Geld kosten, wenn man gute Leute haben will, kostet es... das will man aber nicht investieren. sonst bleiben wieder die über, die den richtigen Parteigeruch haben oder Juli und August als Beweggrund fürs Lehrerwerden nennen oder gar, wie mir kürzlich eine sagte... "weil die Mama auch Lehrerin is..."

Gast: Rienzi
03.07.2011 15:18
1 0

Unfassbar! Skandalös!

Was Bayrhammer, Neuhauser und Schwarz zum Thema des Tages abliefern, hat mit journalistischem Bericht rein überhaupt nichts mehr zu tun. Hier wird nicht nur gewertet, sondern in voll manipulativer Art und Weise Propaganda betrieben, die in der Forderung nach einer verpflichtenden Ganztagsschule (!!) ihren üblen, nach Marxismus riechenden Höhepunkt erreicht! Die gesamten "Thesen zur idealen Schule" sind einer PRESSE zutiefst unwürdig! So macht man keine Reportage! Gelten die einfachsten Grundregeln des Journalismus nun auch für die PRESSE (und das schon auf der Titelseite) nicht mehr?

Pisa ??

Warum sind die Finnen so weit vor uns im Internationalenranking und jetzt die Neuseeländer-Koreaner im lesen elektronischer Medien??Weil sie keine Klassenverbände mit einem Migrationsanteil von 70 % bis 80% haben so wie z.B. in Wiener Schulen!!!!Kinder muß man fördern zu 1000% aber da müßte die Politik mitziehen sonst leiden die Österreichischen Kinder mehr darunter als die Migranten....den wenn in Hauptschulen mehr Türkisch gesprochen wird als Deutsch schafft sich nicht nur Deutschland ab!!!!!In zehn Jahren braucht man keinen Schüler über Peter Rosegger Erzherzog Johann oder von mir aus Helmut Qualtinger fragen!!!!Den letzteren bewusst genannt da ich kein FPÖ'ler bin !!!!!Aber das ist Fakt!!!!

Gast: Ludmilla
03.07.2011 13:03
0 0

a Jammer das system

Von wo sollns die, den wissen? In der Schule habens das nicht glernt. Viele nur kuschen und Gedicht aufsagen, den Rest des Lebens bleiben die blöd. Entscheidend ist was du aus dir mal machst. Zählen mußt können, rechen und schreiben. Zeig nie das, was du kannst, mach es einfach und sah nie wie du das geschafft hast, ansonsten bist dein leben lang für dei andern ein Doddel. Den trotz guter und Erfolgreicher Leistung, gibt nicht mehr Geld. zum Lehrplan: Ganztägig in allen Schulen, mit Privilegienabschaffung 14 Wochen urlaub etc.

Naturwissenschaften zusammenzulegen...

...ist ungefähr so sinnvoll wie Sprachen zusammenzulegen. Wer käme auf die Idee, Deutsch, Englisch und Französisch zusammenzulegen?

Widersinn

Ein Modulsystemüberfordert heute schon die älteren Schüler. Was an einer Universität für eine Altersklasse "20+" möglich ist, überfordert Jungere.

Und wenn alles in Kurse "zerflattert", brauchen und haben wir keine Jahrgangsklassen mehr - da gibt es erst recht keine Gemeinschaft mehr, die angeblich für die "Chancengleichheit" nötig ist.

Wo bleibt der Realitätssinn?

Eine Schule, die das kann, was laufend als neues Schul-Ideal propagiert wird (alle werden gemeinsam und doch individuell unterrichtet), kann es nicht geben und leisten können wir uns das auch nicht. Abgesehen vom Geld bräuchten wir dafür jede Menge exzellente Lehrer (mindestens dreimal so viele wie heute). Die kann es gar nicht geben - wir haben heute schon das Problem, dass wir zu viele Lehrer haben, die den Anforderungen (fachlich und/oder pädagogisch und/oder charakterlich) nicht entsprechen (ohne Chance, die los zu werden, weil: wer hält dann den Unterricht?)

Gast: Beamter
03.07.2011 10:42
0 0

Es ist zum Weinen

Als ich vor 40 Jahren noch Schüler war, hörte man diesen Unsinn schon. Zum Beispiel des 1. Weltkrieges der entsprechende Teil aus dem AHS-Lehrplan: "gestaltende Kräfte des 19. Jahrhunderts in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und ihre Folgen bis 1918 (Nationalismus; Liberalismus; Konservativismus, Sozialismus; industrielle Revolution; Frauenemanzipationsbewegungen; Ursachen und Folgen des Ersten Weltkrieges)
- wo stehen hier alle Kriegsschauplätze?

Gast: Beamter
03.07.2011 10:28
1 0

Ehrliche Diskussion gefragt

Mir wäre die Gesamtschule gleich viel sympatischer, wenn ihre Befürworter/innen nicht so verlogen argumentieren würden! Es ist einfach nicht war, dass mit 10 alles aus ist, wenn man nicht in die AHS kommt - mehr als die Hälfte der Matruranten kommt aus der Hauptschule - also bitte andere Argumente, dann kann man weiter reden.

Re: Ehrliche Diskussion gefragt

Ich finde, dass man mit der Trennung nach der Volksschule gut beraten ist. So lernt man auch mal neue Leute kennen.

8 thesen zur staatlichen planpolitik

hier wird versucht ein system zu reformieren & optimieren, dass weder reformierbar noch optimierbar ist - es muss durch ein grundsaetzlich anderes system ersetzt werden, das auf freiheit & selbstverantwortung basiert

es ist egal, welche "loesung" der staatsapparak versucht zu implementieren - es wird immer nur die "2. beste loesung" sein weil je mehr zentral entschieden wird, desto weniger kann auf die lokalen beduerfnisse & anforderungen ruecksicht genommen werden

der staat soll sich aus der bildungspolitik komplett heraushalten & die entscheidungen (sowie finanzierung) sollte auf lokaler ebene erfolgen, von der jeweiligen stadt bzw dem jeweiligen dorf

wenn das komplette schulsystem privatisiert waere, gaebe es genuegend angebot fuer JEDEN schueler, mit den jeweiligen begabungen


Gast: gute meinung
02.07.2011 22:21
0 0

Gesamtschule

Das Gespenst Gesamtschule sieht bei den Menschen die strickt dagegen sind immer so aus wie die Schule jetzt ist. Für 8 oder sogar länger eine Klasse. Am besten noch für diesen Zeitraum ein und der selbe Raum und Eine Lehrkraft pro Fach. Etwas mehr Fantasie meine Damen und Herrn und nicht immer das geht nicht das ist österreichische Mentalität. So wie es ist, ist es am schlechtesten also sollen wir mal was verändern. Modulsystem Ganztagesschule wenn das System gut gemacht ist kann es auch ohne Schularbeiten auskommen somit brauchen die Lehrer nicht verbessern und können somit 40 Stunden an der Schule verbringen mit ihrer ureigenen Aufgabe den Kindern etwas zu lehren Lehrplan radikal entrümpeln und Lehrer von der Behörde unterstützen und von Bürokratie freischaufeln.
Gehen wir s an. So wie es jetzt ist kann und soll es nicht bleiben.

Re: Gesamtschule

die verschiedensten talente, von strohdumm bis genie, von brav und lernwillig bis quertreibend, in einer klasse ist genauso ein reformsprung nach vorne wie der ganze multikultimumpitz. die, die das alles ausbaden müssen, gehen bald in pension und die anderen werden schon ausstiegsstrategien finden oder finden müssen, um nicht vor die hunde zu gehen.

Gast: bertius
02.07.2011 14:23
4 0

Dr. Schwejk/Gesamtschule

Nein, er kann sich in einem Raum mit bis zu 29 SchülerInnen, von denen 10 schwach bis extrem schwach sind, nicht auf die Besseren konzentrieren, weil die Schwachen zum zweihundertsten Mal erklärt haben wollen, warum das Wort "laufen" kein Hauptwort und "gehen" kein Eigenschaftswort ist. Die Besseren halten das zum Teil sowohl physisch als auch psychisch nicht mehr aus (körperliche Symptome, Kopfweh, Aggressionen) und erklären offen, dass ihnen die Lust auf's Lernen im Laufe des Jahres abhanden gekommen ist. So sieht's aus!

Gast: bertius
02.07.2011 14:16
3 0

Förderung heterogener Klassen

Von 28 SchülerInnen einer 1.Kl. AhS sind 7 leistungswillig und leistungsstark, zum Teil hochbegabt, 6 bis 8 bilden ein Mittelfeld, der
Rest ist mit geschenkten Zweiern aus der VS gekommen. Wie viele sehr schwache bis extrem schwache Schüler bleiben übrig? Sollten also im ersten Jahr 6-7 Schüler durchfallen (etwa in Deutsch oder Englisch)?
WIe sieht es mit ihren Sprachkenntnissen 2 Monate später aus?
DIe VS-Lehrer geben schon lange die Verantwortung einfach weiter - im Wissen, dass die AHS-Lehrer halt dann den "Scherm" aufhaben.
Gute Schüler langweilen sich grenzenlos, die schwachen sind mit dem normalen Stoff gnadenlos überfordert. Lösung?

Antworten Gast: gute meinung
02.07.2011 22:31
0 0

Re: Förderung heterogener Klassen

Klassenverband auflösen und nicht wie bisher weiterführen.

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konkret:

die Guten in eine Klasse, die Mittleren in eine Klasse, die Schwachen in eine Klasse und die Störenfriede auch in eine eigene Klasse.
Und jede Klasse nach ihrem Bedarf und ihrer Leistungsfähigkeit optimal unterrichten. Da brauchen wir nicht für jeden Schüler einen eigenen Lehrer.

Re: konkret:

Gymnasium - Hauptschule A-Zug (erste Leistungsgruppe) - Hauptschule B-Zug (zweite Leistungsgruppe) - Sonderschule für Schwererziehbare.

Gast: 1. Parteiloser
02.07.2011 12:51
0 1

Es braucht doch nur eine Korrektur für ein brauchbares Bildungssystem!

Den Idealfall werden wir doch niemals erreichen können, weil es diesen für über 1 Mio. Schüler niemals geben kann.

Weil aber das Österreichische Bildungssystem so schwach (und teuer) ist, so sollte es zuerst so in Funktion gesetzt werden, dass es der Gesellschaft auch dienen kann. Um das zu erreichen braucht es doch nur Lehrpersonen, welche sich auch um die Jugendlichen und Kinder kümmern und mit diesen auch wirklich arbeiten. Heute ist das nicht so, wie die Studie zu den Unterrichtszeiten, also der direkten Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen, deutlich aufzeigt.

http://diepresse.com/home/bildung/schule/507125/So-werden-die-Unterrichtsstunden-berechnet?from=suche.intern.portal

Die lächerlichen 607 Stunden pro Jahr (Sekundarstufe I) können doch niemals ausreichen, um denn Kindern und Jugendlichen wirklich etwas zu vermitteln. Da muss der doch der menschliche Kontakt fehlen und es kann gar nicht brauchbar gearbeitet werden.

Es braucht nicht die 8 Thesen, es bräuchte nur eine Gesetzesänderung, um die Menschen, welche den Jugendlichen die Zukunft stehlen, endlich die Möglichkeit gibt ordentlich zu arbeiten.

Diese 8 Thesen, auch wenn gerne diskutiert, lenken doch nur vom Kernthema des superfaulen Lehrerkollektivs ab.

Re: Es braucht doch nur eine Korrektur für ein brauchbares Bildungssystem!

Ihre Angaben und die Angaben im Link unterscheiden sich um 27,5%

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
02.07.2011 16:08
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Re: Re: Es braucht doch nur eine Korrektur für ein brauchbares Bildungssystem!

Im Link steht:

"Laut dem aktuellen Bericht "Bildung auf einem Blick" beträgt die Zahl der "Netto-Unterrichtsstunden" in Österreich 774 in der Volksschule und 607 in der Sekundarstufe I (Hauptschule und AHS-Unterstufe) und 589 Stunden im Sekundarbereich II (AHS-Oberstufe, berufsbildende mittlere und höhere Schulen, Polytechnische Schulen und Berufsschulen)"

Ich habe geschrieben:
"Die lächerlichen 607 Stunden pro Jahr (Sekundarstufe I)"...

Wo bitte, ist da ein Unterschied betreffend den Daten?

Erbsenzählerei

Im Link steht "..in Österreich 774 in der Volksschule..."
Woher nehmen Sie die Zahl 607?

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
02.07.2011 16:13
0 0

Re: Erbsenzählerei

Wie genau beschrieben, weil ich die Unterrichtszeit für die Sekundarstufe angeführt habe und diese liegt eben bei 607 lächerlichen Unterrichtsstunden pro Jahr.

Re: Re: Erbsenzählerei

Gut, ich wollte eigentlich testen, ab wann Sie online sind.
Nun zu den Zahlen, die Sie hier verbreiten.
Es handelt sich dabei um reine Rechengrößen und diese Zahlen haben mit der Arbeitszeit nur bedingt zu tun.
Man kann aber auf Basis dieser Rechengrößen Vergleiche anstellen:
In Finnland beispielsweise beträgt die Rechengröße 592, liegt also unter der Zahl für Österreich.
Auch die Rechengrößen für Korea, Ungarn, Griechenland Japan und Italien liegen unter der Zahl 607.
Österreich liegt - zugegebenermaßen - nicht im Mittelfeld, ist aber auch nicht Schlusslicht.
Der EU-Schnitt liegt nicht einmal 10% höher.
So weit zu den Fakten.
P.S.:
Interessant an dieser Rechnung ist auch, dass das Ministerium 38 Wochen Unterricht (=52-2(Weihnachten)-1(Semester)-1(Ostern)-9(Sommer)-1(schulautonome Tage?))gemeldet hat und damit auf 180 Tage kommt.
Es sind also auch sämtliche Feiertage abgezogen worden. Wenn es vor 2 Jahren nach der Lehrergewerkschaft gegangen wäre(Abschaffung der schulautonome Tage), dann wären es 185 Tage und damit läge die Zahl bei 624 und damit 6% unter dem EU-Schnitt.
Dies haben die Eltern, die Schüler und die - von Ihnen immer wieder angesprochene - Privatwirtschaft (Tourismusindustrie) erfolgreich verhindert.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: 1. leser
02.07.2011 18:39
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Re: Re: Re: Erbsenzählerei

Danke sehr für diesen erfrischend kompetenten Beitrag! :)

 
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