Der kleinste Kindergarten der City

Das Erzbischöfliche Palais wird von 20 Kindern belebt. Eine familiäre Betreuungseinrichtung – mit prominenten Besuchern. Kardinal Schönborn selbst schaut regelmäßig bei „seinen“ Kindern vorbei.

Palaiskindergarten
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Palaiskindergarten
Palaiskindergarten – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Emil ist beim Frühstück in die Marmelade gefallen und hängt jetzt zum Trocknen im Badezimmer. Kathi ist besorgt um Emil, ihre Fingerpuppe. Wird er bis zum Mittagsschlaf trocken sein?

Kathi, bald zwei Jahre alt, besucht einen der kleinsten Kindergärten Wiens, der noch dazu an einem sehr ungewöhnlichen Ort untergebracht ist: Nur wenige, die am Erzbischöflichen Palais in der Wollzeile vorbeikommen, wissen, dass sich in dem altehrwürdigen Gebäude ein Kindergarten befindet: Zwei Pädagoginnen und eine Assistentin betreuen hier eine Familiengruppe mit nur 20 Kindern.

Den Wunsch nach einem Betriebskindergarten (der auch „externe“ Kinder aufnimmt) gab es unter den Mitarbeitern der Erzdiözese schon länger, vor zwei Jahren hat es geklappt. Der kindergerechte Umbau war aufgrund der Denkmalschutzauflagen nicht einfach, sagt Karin Lehner, eine der beiden Pädagoginnen und Leiterin des „Palaiskindergarten“. Geblieben sind die großen Glastüren der früheren Portiersloge, durch die die Kinder einen großartigen Blick in den Hof haben.

Der macht sich bezahlt, wenn Kardinal Christoph Schönborn hohen Besuch bekommt. „Dann stehen sie alle da und drücken ihre Nasen gegen die Glasscheibe.“ Oft mit Erfolg: Als kürzlich der tschechische Präsident mit Polizeieskorte vorfuhr, fielen die Kindern auf – und durften sich auf die Polizei-Motorräder setzen.

Episoden wie diese kann Lehner viele erzählen, kein anderer Kindergarten bekommt so viel prominenten Besuch. Schönborn selbst schaut regelmäßig bei „seinen“ Kindern vorbei, zum ersten Geburtstag des Palaiskindergartens brachte er auch gleich den Bundespräsidenten mit. Der Kardinal hat den Kindern auch einen Spielplatz im Hof geschenkt – die Parkplätze mussten weichen, was dem Vernehmen nach nicht alle in der Erzdiözese begeistert hat. Seither beleben die Kinder das Palais: Im Sommer setzen sie den Hof mit Gartenschläuchen unter Wasser, sind auf Rutschautos unterwegs. Outdoor-Spielplatz, einmal anders.

Begonnen hat man 2010 mit nur zwei Anmeldungen (Lehner: „Ein Idealfall, wir hatten für jedes Kind sehr viel Zeit zur Eingewöhnung“), heute ist man ausgebucht. Chancen auf einen Platz gibt es im Palaiskindergarten – der zur St. Nikolaus-Kindertagesheimstiftung gehört– frühestens 2015. Innen haben die Kinder einen großen hellen Gruppenraum mit Malecke, Kasperltheater, Spielküche, großen Pölstern. Wie man es von anderen Einrichtungen kennt. Nur viel familiärer, intimer. Und enger: Wenn die Jüngsten ihren Mittagsschlaf halten, wird das Büro der Leiterin zum Matratzenlager umfunktioniert. Für die Kinder. Und für Emil.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2012)

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