Bildungsbericht spricht für verschränkte Ganztagsschule

15.01.2013 | 10:47 |   (DiePresse.com)

Laut Nationalem Bildungsbericht werden zumindest 30.000 zusätzliche Ganztagsplätze benötigt. Die beste Versorgung gibt es an den Gymnasien. Wenige Angebote gibt es in Niederösterreich.

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"Insgesamt sprechen die Forschungsbefunde deutlich für den Ausbau der verschränkten Form der Ganztagsschule..." Zu diesem Schluss kommt eine Analyse im Nationalen Bildungsbericht 2012. Derzeit dominiert bei den ganztägigen Schulformen die Nachmittagsbetreuung. Gleichzeitig wird in einer Bedarfsschätzung für 2015 unter Heranziehung eine Lücke berechnet: 30.000 bis 50.000 Ganztags-Plätze fehlen auch dann noch, wenn die Ausbaupläne berücksichtigt werden.

Derzeit gibt es an etwa 1500 Schulen in Österreich Ganztagsplätze - entweder in verschränkter Form mit einem ganztägigen Wechsel von Unterrichts-, Lern- und Freizeit oder als reine Nachmittagsbetreuung. Bei einer Online-Befragung der Schulleiter zeigte sich, dass 86 Prozent dieser Schulen nur die offene Form mit Nachmittagsbetreuung anbieten. Lediglich sieben Prozent haben ein voll verschränktes Ganztagsangebot, das von allen Schülern eines Jahrgangs verpflichtend besucht wird. Rund acht Prozent der Schulen sind Mischformen. Besonders wenige verschränkte Angebote gibt es in Niederösterreich und der Steiermark, die meisten in Wien und Vorarlberg.

Hindernisse für Ausbau

Als Haupt-Hindernisse für eine Einführung der verschränkten Form nennen die Direktoren mangelnde Zustimmung der Eltern, mangelnde Ressourcen, ungeeignete bauliche Strukturen und geringe Unterstützung durch den Schulerhalter. Die zuletzt heftig diskutierte Blockademöglichkeit der Lehrer spielte dagegen kaum eine Rolle. Trotzdem plädieren die Studienautoren für ein Überdenken der Erfordernis einer Zwei-Drittel-Mehrheit der Lehrer für die Einrichtung verschränkter Ganztags-Formen.

Derzeit werden rund 15 Prozent der Volksschüler ganztägig schulisch betreut (verschränkte Form: 3,6 Prozent; offene Form: 11,7 Prozent) und zwölf Prozent der Schüler an AHS-Unterstufen, Hauptschulen und Neuen Mittelschulen (verschränkt: 2,6 Prozent; offen: 9,7 Prozent). Die Betreuungsquote ist aber laut Studie deutlich im Steigen.

Die meisten ganztägigen Schulangebote sind erst in den vergangenen Jahren geschaffen worden - trotzdem gibt es nach wie vor eine "Betreuungslücke" zwischen Bedarf und Angebot. Diese wird durch den derzeitigen Ausbau zwar langsam geschlossen, liegt je nach Berechnungsmodell aber 2015 bei Beibehaltung der derzeitigen Pläne noch immer bei 30.000 bis 50.000 Plätzen für Kinder unter 14 Jahren.

Hoher Bedarf während der Ferienzeit

Von einem "wesentlich höheren Bedarf" an Betreuungsangeboten geht die Studie für die Ferienzeit aus. Selbst unter der "sehr optimistischen Annahme, dass die während der Schulzeit genutzten institutionellen Betreuungsangebote auch in den Ferien verfügbar sind bzw. für sie Ersatz gefunden wird, ergibt sich für die 6- bis 12-Jährigen eine Zahl von ca. 320.000, die in den Ferien zeitweise unbetreut sind".

Nach Schultypen betrachtet liegt die beste Versorgung mit ganztägigen Plätzen im AHS-Bereich vor: 84 Prozent der AHS verfügen über ein Ganztagsangebot, am schlechtesten ist die Situation im Bereich der Polytechnischen Schulen (vier Prozent), Hauptschulen (13 Prozent) und Volksschulen (25 Prozent). Mögliche Ursache dafür ist laut Bericht, dass im AHS-Bereich "der Bund Schulerhalter und damit für die Übernahme der Kosten verantwortlich ist, während bei allgemeinen Pflichtschulen die Gemeinden die Kosten für die Schulerhaltung tragen".

(APA)

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19 Kommentare
1 0

Frage eines Vaters beim Elternabend...

Warum haben die Kinder in der alten HS und NMS sooft nachmittags Unterricht? Ist dies nicht nur eine Stundenbeschaffung für die Lehrer? Na bumm!
Sind die Kinder nicht ganztägig in der Schule, regt sich die eine Reichshälfte - meist linke Hirnakrobaten - auf. Sind sie den ganzen Tag in der Schule, regt sich die Erzeugerliga auf. Was jetzt?
Ich lese immer die GÖD ist schuld. Wer ist diese ominöse GÖD?

Ich würde abstimmen lassen, zwar die Kinder. Die betrifft es ja.
Da würden aber manche Ohren Augen machen, was die wollen!

3 0

??"Bildungsbericht"??

Wer bzw. welche Forscher verbergen sich hinter dem nationalen Bildungsbericht? Da Jahr für Jahr dieselben Ergebnisse veröffentlicht werden, lässt es den Schluss zu, dass diese Leute ganz einfach „Schmied-hörige“ Experten sind. Die jahrzehntelange Immigration von bildungsresistenten Analphabeten zeigt Folgen, da hilft die „gesamteste“ Gesamtschule nichts und auch keine ganztägige Neue Mittelschule, sondern nur ein möglichst differenziertes Schulsystem mit vielen Wahlmöglichkeiten!

3 1

Die beschränkte Ganztagsschule wird alle Probleme lösen.


2 1

Auf welchen Forschungen basieren die Forschungsbefunde?

Haben die erforscht, wie man die Kinder am besten zu Mitläufern erzieht? Ich bin sicher, dass eine Ganztagsschule das besser kann.

und jetzt kommt die Ohnmacht

Haupt-Hindernisse für eine Einführung der verschränkten Form: mangelnde Zustimmung der Eltern, mangelnde Ressourcen, ungeeignete bauliche Strukturen und geringe Unterstützung durch den Schulerhalter. Zitatende. Und diese Elementarereigniss "nationaler Bildungs-bericht"hat alle im Bildungsbereich Verantwortlichen plötzlich wie ein Keulenschlag getroffen. Ratlosigkeit und fehlende Finanzen werden die politischen Entscheidungen wieder verhindern? Oder die nächsten Gremien und Expertenrunden für die kommenden Jahrzehnte beschäftigen? In Salzburg weiss auch niemand, wo was wirklich ist. Im Bildungsbereich scheint es ähnlich zu sein. Welche personellen Konsequenzen wird es geben?

Re: und jetzt kommt die Ohnmacht

kurz und bündig: KEINE!

Es gibt nur eine Ganztagesschule und das ist die "verschränkte Form"!


Österreich wäre nicht Österreich, wenn es auch für diese Umstellung sinnlose Wortkreationen braucht um ja jedem Klientel ein etwas bauchzupinseln.

Die Ganztagsschule ist in Ö also nur zu 3,6% in der VS und nur zu 2,6% (!) in den anderen Schultypen vertreten !!!

Im Vergleich zu PISA Siegern und Österreich rangiert hier in den untersten Rängen, ist das ein beschämend niedriger Anteil, wenn man bedenkt, dass der allergrößte Anteil der Bildungswissenschafter die Notwendigkeit der Ganztagesschule oberste Priorität in der Schulreform für die Zukunft geben.

GOTT GÖD wird das aber nicht jucken, denn die Halbtagsprivilegien und die Feriensucht sind nun einmal die motivierenden Kernelemente der meisten Lehrer in diesem Land!


6 1

Wieso glänzen Sie nicht mit Ihrem Talent in der Schule?

Es ist ja verantwortungslos,dass so gute Leute wie Sie nicht unterrichten.

2 0

Re: Es gibt nur eine Ganztagesschule und das ist die "verschränkte Form"!

Wie so oft haben Sia auch diesen Text nur sehr selektiv gelesen, wenn Sie schon wieder die "GOTT GÖD Keule schwingen. Hätten Sie obigen Artikel aufmerksam gelesen, so wüsste Sie, dass die Gründe hauptsächlich bei der mangelnden Zustimmung der Eltern, den mangelnden Ressourcen, der geringen Unterstützung durch den Bauerhalter (Bund bzw. Länder und den (vor allem im städtischen Bereich!) ungeeigneten baulichen Strukturen liegen und nicht bei einer Blockadehaltung der Lehrer.

danke für die blumen ;-))

Das mit der fehlenden Zustimmung ist natürlich verzapfter (von wem?) Blödsinn!

Der Bedarf an Ganztagesschulen übersteigt das Angebot in Österreich um ein Vielfaches!

4 0

Re: danke für die blumen ;-))

Bitte gerne!
Natürlich ist es unbestritten, dass es einen gestiegenen und noch immer steigenden Bedarf an ganztägigen Betreuungsformen gibt. Genauso ist es aber auch Tatsache, dass nicht alle Eltern diese "verschränkte Form" als das Gelbe vom Ei sehen. Dass Sie ein glühender Verfechter und Anhänger selbiger sind, wissen hier wahrscheinlich bereits alle. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Aber bitte lassen Sie doch auch anderen Leuten ihre Meinung und respektieren Sie diese.
Und noch eine Bitte: Beißen Sie nicht immer reflexartig, wenn das Wort "Schule", in welchem Zusammenhang auch immer, vorkommt, gleich auf "die Lehrer" hin - im Sinne einer zivilisieren Diskussion!

Ich beiße nicht,

nur wer steht dem Projekt der Ganztagesschule im Weg?

Es ist die ÖVP-GÖD und der allergrößte Anteil des Lehrpersonals.

Dem gegenüber stehen nationale und internationale Experten und jahrzehnte lange Erfahrung, die den Erfolg der Ganztagesschule belegen.

Das das Klima und die Kultur in Österreich dorthin manipuliert wurde, das wie auch hier zu lesen ist, ein Unterricht der von 8-16h dauert, zuhause aber keinen (!) Aufwand mehr macht als Kindesweglegung bezeichnet wird, spricht meines Erachtens für die Irrationalität der Debatte und für Rückständigkeit in diesem Land.

3 0

Sehen Sie,

genau der zweite Satz Ihres Postings bestätigt meine Annahme.
Zum nationalen und internationalen Erfolg der Ganztagsschule: Frankreich ist am massiven Zurückrudern, in England bedeutet Ganztagsschule 8.30 bis 15.00 (wie groß ist der Unterschied zu Österreich. Länder wie das ach so gepriesene Finnland haben, was die Infrastruktur betrifft, ganz andere Voraussetzungen). So what?? Außerdem habe ich nie von Kindesweglegung gesprochen, sondern Sie nur darum ersucht, andere Meinungen als die Ihrige auch gelten zu lassen und zu akzeptieren.
Sind Sie abseits der Anonymität eines Inernetforums auch so intolerant, was andere Meinungen betrifft? dann möchte ich Sie nicht als meinen Chef haben (mangelnde Führungsqualität und so...)

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Re: Es gibt nur eine Ganztagesschule und das ist die "verschränkte Form"!

Sie hätten Ihre Kinder offensichtlich gern den ganzen Tag irgendwo verstaut? Wenn möglich von 7.00-19.00? Dass im Großteil Österreichs kein Bedarf für Nachmittagsbetreuung besteht liegt daran, dass es doch noch viele Eltern gibt, die sich selbst um die Betreuung ihrer Kinder kümmern wollen! Warum soll man etwas erzwingen, was nicht gebraucht wird?
Oder haben Sie gar keine Kinder? Dann sollten Sie sich raushalten!

Die Angst vor Neuem ist in Österreich groß.

Wer redet von 7-19h?,

Wer will etwas erzwingen? - der Bedarf an Ganztagesschulen ist um ein Vielfaches höher als diese Schulform in Ö mit rund 3 % vorhanden ist!

In Österreich herrscht wohl eine große Angst vom bösen schwarzen Mann namens "Veränderung".

Leider hat sich der Österreicher einreden lassen, dass es besser ist, wenn Mami und Papi das zuhause mit ihren Kindern nach der Arbeit lernen dürfen, was unsere Lehrer wieder einmal nicht geschafft haben - ist das sinnvoll?

Von dem Stress von Familien die nur mit 2 Gehältern durchkommen, gar nicht zu reden.

Und natürlich habe ich Kinder, 2 sind in der AHS eine in der VS .


1 0

Re: Die Angst vor Neuem ist in Österreich groß.

Wenn Sie zu Hause mit Ihren Kindern so viel lernen müssen, sind sie vielleicht in der falschen Schule? (AHS?)

Re: Re: Die Angst vor Neuem ist in Österreich groß.

... mit einem Vorzug, bin ich nicht der Meinung, dass die NMS die besser Schule für meine Kinder wäre. Das Problem wird in der Tat mit dem größer werden der Kinder kleiner, was meine Kritik am hinterhinkenden Schulsystem aber nicht schmälert.


bitte wo sind all die kritischen postings hingekommen? wurden die alle gelöscht???

eine Frechheit , kein einziges unanständiges Wort kam vor

Ablenkungsmanöver

...es gab noch NIE eine Blockade seitens der Lehrer diesbezüglich. Wozu der Wirbel?
Als nächstes entzieht Frau Schmied den Eltern die Mitsprache und finanziert eine "Studie" dafür. Während Politiker ihre Kinder brav in die Privatschule geben, soll der Rest für rote Versäumnisse bezahlen.

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