OECD-Studie: Hohe Lehrergehälter, teures Schulsystem

25.06.2013 | 18:23 |  JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Die OECD stellt Österreich im Schul- und Uni-Bereich ein durchwachsenes Zeugnis aus. Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen.

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Wien. Studien können zumeist sehr unterschiedlich interpretiert werden. Und so sah Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) in der umfangreichen OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2013“, die gestern präsentiert wurde, vor allem eines: eine Unterstützung für ihre Pläne zum neuen Lehrerdienstrecht. Denn die Studie zeigt: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als ihre Kollegen in anderen Industrienationen. Doch nicht in allen Ergebnissen konnten sich Schmied und ihr Kollege, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), mit dem sie die Studie präsentierte, bestätigt fühlen. Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen.


• Lehrerarbeitszeit, Gehalt: Im Vergleich zu Lehrern in anderen Ländern unterrichten Österreichs Pädagogen wenig. In der Volksschule ist der Unterschied mit elf Stunden pro Jahr noch verhältnismäßig gering (Österreich: 779 Stunden, OECD: 790 Stunden). In der Sekundarstufe I sieht es schon anders aus: Hier beträgt der Unterschied 102 Stunden pro Jahr (Österreich: 607 Stunden, OECD: 709 Stunden). Ähnlich groß ist der Unterschied mit 75 Stunden in der Sekundarstufe II. Was auf den ersten Blick klar gegen die Lehrer spricht und damit der Regierung in den Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht den Rücken stärkt, ist jedoch viel komplexer. Sieht man sich nämlich die Jahresarbeitszeit der Pädagogen an (diese wird in Österreich lediglich für Pflichtschullehrer definiert), dann zeigt sich ein völlig anderes Bild. Demnach arbeiten heimische Pädagogen nämlich mehr als ihre Kollegen im Ausland. In Österreich sind es jährlich 1776 Stunden, der OECD-Schnitt liegt in Volksschulen bei 1671 und in der Sekundarstufe I bei 1667 Stunden.

(c) DiePresse OECD Studie Hohe Lehrergehaelter teures

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Auch was das Lehrergehalt (siehe Grafik) betrifft, spürt die Regierung Rückenwind für die Verhandlungen mit der Gewerkschaft. Die heimischen Pädagogen verdienen nämlich zu jedem Zeitpunkt mehr als Lehrer in anderen OECD-Ländern (Zahlen sind kaufkraftbereinigt). Besonders die Endgehälter sind hoch: 47.419 Euro verdienen österreichische Lehrer, 34.805 sind es im OECD-Schnitt.

• Bildungsausgaben: Einen Vorwurf kann sich Österreich nur bedingt gefallen lassen: wenig Geld in den Bildungsbereich zu investieren. Von der Volksschule bis zur Universität hat Österreich im Jahr 2010 nämlich pro Kopf durchschnittlich 9558 Euro ausgegeben (siehe Grafik unten). Damit lagen die Ausgaben in diesem Bereich weit über dem OECD-Schnitt von rund 7100 Euro. Was die Studie nicht beantwortet, ist, ob das Geld auch effektiv eingesetzt wird. Außerdem zeigt „Bildung auf einen Blick 2013“, dass die Bildungsausgaben in Österreich zwar gestiegen sind, aber nicht im gleichen Ausmaß, wie das in zahlreichen anderen Ländern der Fall gewesen ist. Konkret sind Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung im Zehn-Jahres-Vergleich von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2000 auf 5,8 Prozent im Jahr 2010 gestiegen. Allerdings konnten die anderen OECD-Länder diesen Anteil wesentlich stärker steigern – im Schnitt von 5,4 Prozent im Jahr 2000 auf 6,3 Prozent im Jahr 2010.

(C) DiePresse OECD Bildungsausgaben

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Arbeitslosigkeit: Lob gab es für Österreich von OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger, die extra nach Wien reiste, für das hohe Ausbildungsniveau der Bevölkerung. Die Zahl der Personen, die mindestens die Sekundarstufe II abgeschlossen haben, ist in Österreich mit 82 Prozent überdurchschnittlich hoch. Im Vergleich: In der OECD trifft das nur auf drei von vier Personen zu, innerhalb der EU-21 sind es 76 Prozent. Das verhältnismäßig hohe Ausbildungsniveau der Österreicher habe sich auch merklich auf die Arbeitslosigkeit in Österreich ausgewirkt, so Ischinger. Beachtlich sei, dass der Anteil der Nichtbeschäftigten in Österreich im Jahr 2011 auf 9,8 Prozent gesunken ist, während im OECD-Schnitt 15,8 Prozent ohne Beschäftigung waren, so Ischinger. Vor allem die gute berufsbildende Ausbildung in Österreich sei für den Erfolg verantwortlich.

(C) DiePresse OECD Arbeitslosigkeit

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• Studierendenzahlen: Auch Uni-Minister Töchterle interpretierte die Zahlen der OECD positiv. Besonders die steigenden Studierendenzahlen seien erfreulich, so der Minister. Im Jahr 2011 begannen in Österreich 68 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium (OECD-Schnitt: 79 Prozent). Schlechter fällt die Abschlussquote aus. Die liegt in Österreich nämlich lediglich bei 35 Prozent, im EU-Schnitt sind es 40.

•Private Bildungsausgaben: In seinen politischen Agenden fühlt sich Töchterle auch durch die Zahlen zu den öffentlichen Bildungsausgaben in Österreich unterstützt. Er betonte in der Vergangenheit stets, dass der private Anteil der Ausgaben im Hochschulbereich gesteigert werden müsse. Sowohl durch etwaige Studiengebühren als auch durch die Unterstützung von Mäzenen und Unternehmen. Die Zahlen zeigen: Im Jahr 2010 lagen die Ausgaben der Privathaushalte (etwa Studiengebühren) bei nur 2,6 Prozent, im OECD-Schnitt waren es 24,9 Prozent. Der staatliche Anteil ist in Österreich mit 87,8 Prozent hingegen deutlich höher als jener in den übrigen OECD-Ländern. Dort machen die staatlichen Ausgaben nur 68,4 Prozent aus.

(C) DiePresse OECD Private Bildungsausgaben

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2013)

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171 Kommentare
 
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man sollte sich auch mal die Herkunft der Zahlen ansehen....

siehe dazu etwa eine kritische Durchsicht hier >>>
http://quinecke.wordpress.com/2012/09/13/ein-statistischer-hasenbraten/

hahaha

Statistik zum Lachen! Unterrichtszeit ist gleich Arbeitszeit!? Beim Statistiker wirds wohl so sein, dass er nicht weiterarbeitet wenn et aus Excel aussteigt! Sogar in Pleiteländern verdienen Lehrer mehr.

Re: hahaha

Armin Wolf arbeitet ja auch nur 2 Stunden pro Woche. Ich hab mitgestoppt.

Das tut mir jetzt echt leid,

dass ich mit meinem Gehalt den Standards der ehemaligen Ostblockstaaten nicht erfülle.

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Wie viel verdient ein Minister

im Vergleich zum OECD Durchschnitt?

Wie hoch ist der Durchschnittlohn im Vergleich zum OECD Durchschnitt?

Wie hoch sich die Lebenshaltungskosten im Vergleich zum OECD Durchschnitt?

die relation der studien und die divergente beziehung zu einander

http://diepresse.com/home/bildung/schule/1422848/Schmied-sagt-Lehrerstudie-ab_Fuerchtet-sie-Ergebnisse?_vl_backlink=/home/bildung/schule/index.do

warum tut schmied das wohl hmmmm? man befreie sich dich bitte aus der unmündigkeit und benutze seinen verstand...

Re: die relation der studien und die divergente beziehung zu einander

Nun ja, weil sich seit der letzten TALIS-Studie nichts verändert hat. Österreich ist OECD-Schlusslicht (!!!) beim Nicht-Lehrerpersonal in den Schulen, die Lehrkräfte müssen in Österreich also überproportional viele Tätigkeiten übernehmen, die im Grunde nichts mit Unterricht, Bildung und Ausbildung zu tun haben. Das erklärt auch recht logisch die geringere Unterrichtsverpflichtung im Vergleich zu anderen Ländern - obwohl: SChlusslicht sind wir da lange nicht.

Lehrergehalt in Deutschland!

So viel verdient ein Gymnasiallehrer in Deutschland:

Berufseinsteiger, 27 Jahre, ledig, keine Kinder
Brutto: 3206€, Netto: 2196 €
als Beamter Brutto: 3314 €, Netto: 2620 €

Nach zehn Berufsjahren, 41 Jahre, verheiratet, zwei Kinder
Brutto: 4599 €, Netto: 3330 €
als Beamter Brutto: 4469 €, Netto: 3775 €

Zum Vergleich in Österreich verdient ein Vertragslehrer L1:

Einstieg Brutto 2.222 €, Netto 1.525 €

nach zehn Berufsjahren Brutto 2.614 €, Netto 1.726 €

Re: Lehrergehalt in Deutschland!

Und wenn Sie aufmerksam gelesen hätten, wüssten Sie, dass die Gehälter kaufkraftbereinigt angegeben sind. Die Lebenshaltungskosten sind in D höher.

Re: Re: Lehrergehalt in Deutschland!

Großer Schwachsinn - sie waren wohl noch nie in Deutschland - übrigens es grenzt an Österreich!

Re: Re: Re: Lehrergehalt in Deutschland!

Das tut die Slowakei auch. Und? Ist z.B. Benzin und Diesel in D deshalb nicht teurer?

und wieder der beliebte fehler

die lehrerarbeitszeit mit der unterrichtszeit gleichzusetzen.

OECD-Studie hin oder her, das Problem ist....


....dass gute und engagiert Lehrer genausoviel verdienen, als schlechte.

Und jeder seriöse, gute Lehrer weiß, wieviele Pfeifen den Lehrberuf ausüben, die eine Zumutung für die Schüler und das Bildungswesen sind.

Und es muß im Interesse der Lehrerschaft sein, diese Pfeifen auszusondieren, da nicht nur das Bildungsniveau, sondern auch das Image der Lehrer den Bach hinunter gehen.

Re: OECD-Studie hin oder her, das Problem ist....


Genau deshalb halten wir uns einen extrem teuren Wasserschädel einer Ressortleitung samt Experten, deren Aufgabe darin bestehen könnte, genau das zu verbessern, sprich: Leistungsanreize zu schaffen.
Mit ihren Dienstrechtsideen tut sie aber das Gegenteil: Man behandelt alle gleich, und zwar als Putzfetzen der Nation.

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Gerade Bildungspolitiker glauben den OECD-Vollschwachsinn gerne.


Re: Gerade Bildungspolitiker glauben den OECD-Vollschwachsinn gerne.

nur in der Kirche glaubt man, sonst weiss man es.

Bildungspolitiker scheinen nie in die Schule gegangen zu sein oder sind geistiges Opfer der Bildungspolitiker vor ihnen.

Es scheint ein bestimmtes System dahinterzustecken bei dieser OECD.

Die Politiker fallen drauf rein oder sie wollen das und sind nichts anderes als Erfüllungsgehilfen dieses Systems.

Man fördert das Analphatentum bei einer Bevölkerungsgruppe und sucht sich nur einen bestimmten Prozentsatz heraus den man benötigt. Der Rest bleibt dumm.

Vor einer Woche

hat die OECD festgestellt, dass alle Migranten Vollzahler sind.
Ergo: Studien der OECD total wertlos.

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Re: Vor einer Woche

Welche Studie besagt etwas anderes?

Post, Bahn, Universität, Schulwesen, Beamtenschaft...

Alles die gleichen Brutstätten und Steuergeldlöcher....

Wirtshausgespräche

Ich bin vor 5 Jahren in den Lehrerberuf gewechselt. Ich habe 10 Jahre als Arbeiter in der Privatwirtschaft gearbeitet.
Ich bin jeden Tag von 7:30 - 16:30 in die Arbeit gegangen, damit ich mir nach der Arbeit (abends) meinen Meister und die Berufsreifeprüfung finanziell leisten konnte.

Zur gleichen Zeit sind viele meiner Bekannten Abends im Gastgarten oder im Wirtshaus versumpft.

Jetzt kann ich mir sagen lassen was für ein faules Ding ich bin, dass ich reich bin und von Urlaub zu Urlaub lebe.

Jo mei, 7 Tage noch, schöne Ferien.

Re: Wirtshausgespräche

alles was man über Ferien von Lehrern erzählt ist eigentlich totaler Humbug .

Ein Lehrer zu unserer Zeit hatte weniger Urlaub wie ein anderer Arbeitnehmer.
Direktoren hatten nicht mehr als eine -maximal 2 zwei Wochen in denen sie sich ausspannen konnten.

14 Tage nach Schulschluß hat die Arbeit aufgehört und 14 Tage vor Schulbeginn hat meistens die Arbeit schon wieder angefangen.
Da sind alle anderen noch am Strand gelegen.


Re: Wirtshausgespräche

Misthaufen locken die Fliegen an.
Dies ist nicht neu.

Re: Ich bin vor 5 Jahren in den Lehrerberuf gewechselt. Ich habe 10 Jahre als Arbeiter in der Privatwirtschaft gearbeitet.

mit sehr mässigem Erfolg wohl; oder lockt das einfach "verdiente" Geld doch eher ?!

Diese grossartigen Ferien samt (zu) guter Entlohnung, produzieren nur halt viele Lehrkräfte, welchen die Schüler völlig egal sind und letztendlich dafür verantwortich gemacht werden müssten, dass heute sogar noch Schulabgänger Analphabeten sein können, welche nach der Schule nirgendwo einen Lehrberuf bekommen !!!

Re: Re: Ich bin vor 5 Jahren in den Lehrerberuf gewechselt. Ich habe 10 Jahre als Arbeiter in der Privatwirtschaft gearbeitet.

Warum sind Sie nicht auch schon im Lehrberuf? Versuchen Sie sich mit unerzogenen Schülern. Davon gibt es heutzutage leider viel zu viel. Schaffen Sie auf Anhieb das Klima, in dem auch die schlimmsten Störenfriede vor Achtung und Interesse ruhig sind und begeistert mitarbeiten. Ahnungslose stellen sich die Schule immer als Paradies des Nichtstuns vor. Also auf in den Lehrberuf! Dann haben Sie auch schöne, lange Ferien. Wenn es Ihnen nicht zu langweilig wird, zum Faulenzen.

Re: Re: Ich bin vor 5 Jahren in den Lehrerberuf gewechselt. Ich habe 10 Jahre als Arbeiter in der Privatwirtschaft gearbeitet.

Ja wo sind sie denn, die "vielen Lehrkräfte"? Warum finden wir keine Physik-, Mathemartik- und Informatiklehrkräfte, TechnikerInnen und Wirtschaftspädagogen, so dass teilweise StudentInnen in unteren Semestern Lehraufträge bekommen?

Re: Re: Ich bin vor 5 Jahren in den Lehrerberuf gewechselt. Ich habe 10 Jahre als Arbeiter in der Privatwirtschaft gearbeitet.

ihre argumentationskette hat nur einen haken, dafür ist der aber ein brocken.

wenn es so verlockend wäre, lehrer zu werden, da man ja nichts arbeiten würde und viel freizeit hätte sowie ein topgehalt jedes monat am konto vorfinden würde, dann müssten doch immens viele personen lehrer sein.

1. frage:

warum haben wir dann in Ö einen akuten lehrermangel?

2. frage: (diese gefällt mir persönlich einfach besser ;) )

sind dann alle anderen menschen dumm, wenn sie sich so einen einfachen job durch die lappen gehen lassen?

 
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