OECD-Studie: Hohe Lehrergehälter, teures Schulsystem

Die OECD stellt Österreich im Schul- und Uni-Bereich ein durchwachsenes Zeugnis aus. Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen.

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OECD Studie Hohe Lehrergehaelter teures – (c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Wien. Studien können zumeist sehr unterschiedlich interpretiert werden. Und so sah Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) in der umfangreichen OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2013“, die gestern präsentiert wurde, vor allem eines: eine Unterstützung für ihre Pläne zum neuen Lehrerdienstrecht. Denn die Studie zeigt: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als ihre Kollegen in anderen Industrienationen. Doch nicht in allen Ergebnissen konnten sich Schmied und ihr Kollege, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), mit dem sie die Studie präsentierte, bestätigt fühlen. Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen.


• Lehrerarbeitszeit, Gehalt: Im Vergleich zu Lehrern in anderen Ländern unterrichten Österreichs Pädagogen wenig. In der Volksschule ist der Unterschied mit elf Stunden pro Jahr noch verhältnismäßig gering (Österreich: 779 Stunden, OECD: 790 Stunden). In der Sekundarstufe I sieht es schon anders aus: Hier beträgt der Unterschied 102 Stunden pro Jahr (Österreich: 607 Stunden, OECD: 709 Stunden). Ähnlich groß ist der Unterschied mit 75 Stunden in der Sekundarstufe II. Was auf den ersten Blick klar gegen die Lehrer spricht und damit der Regierung in den Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht den Rücken stärkt, ist jedoch viel komplexer. Sieht man sich nämlich die Jahresarbeitszeit der Pädagogen an (diese wird in Österreich lediglich für Pflichtschullehrer definiert), dann zeigt sich ein völlig anderes Bild. Demnach arbeiten heimische Pädagogen nämlich mehr als ihre Kollegen im Ausland. In Österreich sind es jährlich 1776 Stunden, der OECD-Schnitt liegt in Volksschulen bei 1671 und in der Sekundarstufe I bei 1667 Stunden.

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OECD Studie Hohe Lehrergehaelter teures – (c) DiePresse

Auch was das Lehrergehalt (siehe Grafik) betrifft, spürt die Regierung Rückenwind für die Verhandlungen mit der Gewerkschaft. Die heimischen Pädagogen verdienen nämlich zu jedem Zeitpunkt mehr als Lehrer in anderen OECD-Ländern (Zahlen sind kaufkraftbereinigt). Besonders die Endgehälter sind hoch: 47.419 Euro verdienen österreichische Lehrer, 34.805 sind es im OECD-Schnitt.

• Bildungsausgaben: Einen Vorwurf kann sich Österreich nur bedingt gefallen lassen: wenig Geld in den Bildungsbereich zu investieren. Von der Volksschule bis zur Universität hat Österreich im Jahr 2010 nämlich pro Kopf durchschnittlich 9558 Euro ausgegeben (siehe Grafik unten). Damit lagen die Ausgaben in diesem Bereich weit über dem OECD-Schnitt von rund 7100 Euro. Was die Studie nicht beantwortet, ist, ob das Geld auch effektiv eingesetzt wird. Außerdem zeigt „Bildung auf einen Blick 2013“, dass die Bildungsausgaben in Österreich zwar gestiegen sind, aber nicht im gleichen Ausmaß, wie das in zahlreichen anderen Ländern der Fall gewesen ist. Konkret sind Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung im Zehn-Jahres-Vergleich von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2000 auf 5,8 Prozent im Jahr 2010 gestiegen. Allerdings konnten die anderen OECD-Länder diesen Anteil wesentlich stärker steigern – im Schnitt von 5,4 Prozent im Jahr 2000 auf 6,3 Prozent im Jahr 2010.

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OECD Bildungsausgaben – (C) DiePresse

Arbeitslosigkeit: Lob gab es für Österreich von OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger, die extra nach Wien reiste, für das hohe Ausbildungsniveau der Bevölkerung. Die Zahl der Personen, die mindestens die Sekundarstufe II abgeschlossen haben, ist in Österreich mit 82 Prozent überdurchschnittlich hoch. Im Vergleich: In der OECD trifft das nur auf drei von vier Personen zu, innerhalb der EU-21 sind es 76 Prozent. Das verhältnismäßig hohe Ausbildungsniveau der Österreicher habe sich auch merklich auf die Arbeitslosigkeit in Österreich ausgewirkt, so Ischinger. Beachtlich sei, dass der Anteil der Nichtbeschäftigten in Österreich im Jahr 2011 auf 9,8 Prozent gesunken ist, während im OECD-Schnitt 15,8 Prozent ohne Beschäftigung waren, so Ischinger. Vor allem die gute berufsbildende Ausbildung in Österreich sei für den Erfolg verantwortlich.

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OECD Arbeitslosigkeit
OECD Arbeitslosigkeit – (C) DiePresse

• Studierendenzahlen: Auch Uni-Minister Töchterle interpretierte die Zahlen der OECD positiv. Besonders die steigenden Studierendenzahlen seien erfreulich, so der Minister. Im Jahr 2011 begannen in Österreich 68 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium (OECD-Schnitt: 79 Prozent). Schlechter fällt die Abschlussquote aus. Die liegt in Österreich nämlich lediglich bei 35 Prozent, im EU-Schnitt sind es 40.

•Private Bildungsausgaben: In seinen politischen Agenden fühlt sich Töchterle auch durch die Zahlen zu den öffentlichen Bildungsausgaben in Österreich unterstützt. Er betonte in der Vergangenheit stets, dass der private Anteil der Ausgaben im Hochschulbereich gesteigert werden müsse. Sowohl durch etwaige Studiengebühren als auch durch die Unterstützung von Mäzenen und Unternehmen. Die Zahlen zeigen: Im Jahr 2010 lagen die Ausgaben der Privathaushalte (etwa Studiengebühren) bei nur 2,6 Prozent, im OECD-Schnitt waren es 24,9 Prozent. Der staatliche Anteil ist in Österreich mit 87,8 Prozent hingegen deutlich höher als jener in den übrigen OECD-Ländern. Dort machen die staatlichen Ausgaben nur 68,4 Prozent aus.

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OECD Private Bildungsausgaben – (C) DiePresse

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2013)

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