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Datenleck: 400.000 vertrauliche Schülertests im Internet aufgetaucht

THEMENBILD: BILDUNGSSTANDARD-TEST
Symbolbild Schülertest / Bild: APA/BARBARA GINDL 

"Die Presse" exklusiv: Geheime Testergebnisse österreichischer Schüler sowie die E-Mail-Adressen von 37.000 Lehrern liegen ungeschützt auf einem rumänischen Internetserver. Das zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung wusste es – und handelte nicht.

 (DiePresse.com)

Eigentlich waren die Tests für vier Augen bestimmt - jene des Lehrers und jene des Schülers. Jetzt sind mehr als 400.000 Testergebnisse und Daten von 37.000 Lehrern im Internet aufgetaucht. Sie liegen auf einem rumänischen Server - unverschlüsselt und ungeschützt. Und damit weltweit für jeden Internetbenutzer einsehbar.

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Es handelt sich um das womöglich größte Datenleck in der österreichischen Schulgeschichte. Insgesamt 1,8 Gigabyte an sensiblen Informationen liegen der „Presse" vor. Sind die Daten in eine Datenbank eingespeist, sind nicht nur die Testaufgaben ersichtlich, sondern auch die Ergebnisse der Schüler und die E-Mail-Adressen der Lehrer.

Mit diesen Informationen lässt sich genau feststellen, wie gut eine einzelne Schule und wie erfolgreich die Schüler eines bestimmten Lehrers abgeschnitten haben. Am Ende kann nicht nur ein Ranking der besten Schulen, sondern auch eine Rangliste der besten und schlechtesten Lehrer erstellt werden. Nur die Schülernamen sind verschlüsselt.
Wie diese sensiblen Daten auf dem Server landeten, ist bislang nicht klar. Fest steht, dass sie niemals dort hätten landen dürfen. Es sind geheime Informationen des Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE), das an das Unterrichtsministerium angedockt ist.

Bifie: Pannen, Streitereien, Skandale

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Die Daten wurden vom BIFIE bei der sogenannten Informellen Kompetenzmessung (IKM) in den Jahren 2011 und 2012 gesammelt. Der Test wird in der dritten Klasse Volksschule in Deutsch und Mathematik sowie in der Hauptschule, Neuen Mittelschule und im Gymnasium in der zweiten und dritten Klasse zusätzlich im Fach Englisch eingesetzt. Die Schulen können den Test zur Selbstevaluierung und Vorbereitung auf die Bildungsstandards durchführen. In Wien ist die IKM-Überprüfung sogar verpflichtend.
Österreichweit haben sich 3227 Schulen, fast jede zweite Schule, für die IKM registriert. Von der Volksschule Bludenz in Vorarlberg über die Hauptschule Schörfling in Oberösterreich bis hin zum Schottengymnasium in Wien.

Das Leistungsspektrum ist breit. Ein Beispiel: Die Englischlehrerin Monika B. (Name von der Redaktion geändert) von einer Hauptschule in Oberösterreich nahm mit acht Schülern am Test teil. Der schlechteste ihrer Schüler hat nur sieben von 30 Aufgaben richtig gelöst. Der beste schaffte 14. Damit sind alle Schüler von Frau B. schlechter als jene von Sonja M., die an einer AHS im selben Bundesland unterrichtet.

Auch das Ministerium wusste davon

Dabei suggeriert der Test Sicherheit: „Welcome, zu deiner ganz persönlichen Leseverständigungsübung" ist in der Angabe zu lesen. Dass die Sache nicht mehr „ganz persönlich" ist, wissen BIFIE und Ministerium schon seit Längerem. Am 18. Dezember hat die Firma Zoe Solutions GmbH, die mit dem BIFIE für den Test zusammengearbeitet hat, darauf hingewiesen, dass ungesicherte Daten im Internet aufgetaucht seien (siehe Faksimile).

 

Geantwortet hat nur das BIFIE: Das Schreiben habe „ein gewisses Staunen ausgelöst", schrieben die Direktoren. Sollte es der Firma aber nicht möglich sein, die „Verstöße zu präzisieren", werde das BIFIE gerichtlich gegen Zoe Solutions vorgehen. Noch eine harsche Bemerkung fand sich im Brief: „Im Übrigen ersuchen wir, zukünftig das unnötige Versenden von Kopien Ihrer Schreiben an die Frau Bundesminister [. . .] zu unterlassen."

BIFIE-Chef Martin Netzer bestätigte der „Presse" den Briefverkehr. Dass es das Datenleck tatsächlich gibt, sei ihm aber „nicht bewusst" gewesen. Man dachte, es handle sich nur um „die Drohgebärde eines in Unfrieden geschiedenen Vertragspartners". Nun wolle man das Leck so schnell wie möglich finden.
Das Ganze ist auch rechtlich interessant: „Das BIFIE hat eine Informationspflicht, wenn durch das Datenleck jemandem Schaden droht", sagt Datenschutzexperte Rainer Knyrim. Sollten die Daten von einem (Ex-)Mitarbeiter des BIFIE auf den Server gelegt worden sein, dann drohe dieser Person eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. „Das ist kein Kavaliersdelik", so Knyrim.

Update: Am Dienstagabend zitierte die Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek die beiden BIFIE-Direktoren ins Ministerium. Nach dieser Krisensitzung forderte die Ministerin eine "lückenlose Aufklärung". Wenn Konsequenzen gezogen werde müssten, würden diese auch gezogen.

 
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156 Kommentare
 
12 3 4
duftbaum
26.02.2014 17:03
0

Auch die GIStapo -

eine gewinnorientierte GesmbH - hat Zugriff auf personenbezogene Daten und behauptet diese wären bei ihr sicher. Na klar...

scifi_
26.02.2014 12:50
12

Rechtsmittel für Betroffene?

Ich finde es eigentlich denkbar uninteressant, ob das Bifie Aufklärung will, oder Anzeige erstattet, oder sonstwas. Denn die haben davon vor 2 Monaten von dem Problem erfahren, und es nicht überprüft, sondern aggressiv denen geantwortet, die auf das Problem hingedeutet haben.

Die wichtigere Frage ist: Welche Rechtsmittel haben die Schüler und Lehrer, deren Daten nicht mit der nötigen Sorgfalt behandelt wurden. Haben Schüler & Lehrer Mittel um gegen das Bifie oder das Ministerium vorzugehen?

Und wenn nein, warum schafft man dafür nicht die Rechtsgrundlage?

Antworten erkg
26.02.2014 18:42
0

Re: Rechtsmittel für Betroffene?

Ich plane, ein Auskunftsbegehren an die Frau Minister zu stellen. http://www.argedaten.at/php/cms_monitor.php?q=PUB-TEXT-ARGEDATEN&s=60609vpj

Antworten Antworten scifi_
26.02.2014 19:49
0

Re: Re: Rechtsmittel für Betroffene?

Ja eh, das DSG räumt Ihnen das Recht ein. Aber ich spreche von einem Gerichtsverfahren.

W.Müller
26.02.2014 12:29
7

"Die Daten sind sicher .."

ELGA, Vorratsdaten, ...

"Niemand hat die Absicht, Eine Mauer ..."


Servus Franz
26.02.2014 12:05
8

Und da glaubt jemand,

dass die ELGA Daten sicher sind ?

Antworten diabolo
26.02.2014 12:55
5

Re: Und da glaubt jemand,

Da bin ich am überlegen mich abzumelden!

Antworten jepeto
26.02.2014 12:40
3

Re: Und da glaubt jemand,

ja

der Herr Stöger ( aber nicht der Fußballtrainer )

OttotheBusdriver
26.02.2014 11:56
13

Aber ich bin ja beruhigt

denn bei der ELGA kann sowas niemals passieren.

Sarkasmus! (sag ich zur Sicherheit dazu)

Antworten Itler
26.02.2014 12:42
2

Re: Aber ich bin ja beruhigt

Völlig bei Ihnen!

Nehmen wir einmal an, es gelingt jemanden ELGA zu cracken.

Na und? Ich glaube nicht, dass dann deshalb irgendetwas bewegt wird

Der_Mixer
26.02.2014 11:48
2

Jetzt zittern die Lehrer, ...

... da man aus den Daten klar herausfiltern kann, wer Leistung erbrachte und wer nicht. Wobei Leistung u. Lehrer sowieso ein Pleonasmus ist.

Antworten christoph2727
26.02.2014 13:05
7

Fremdwörter...

Was Sie wahrscheinlich meinen, ist ein Oxymoron. Aber vermutlich sind Ihre Lehrer schuld, dass Sie das nicht wissen...

Antworten andy66
26.02.2014 12:48
4

Re: Jetzt zittern die Lehrer, ...

Wissen Sie eigentlich, was ein Pleonasmus ist?

Ed2345
26.02.2014 11:42
4

Hurra - Maturafragen im Netz

Bei der Ignoranz für Datenschutz werden sich auch die Maturafragen auf fremden Servern finden.

Mediendienst
26.02.2014 11:30
12

Ein weiterer Schlamassel, den uns die Frau Schmidt hinterlassen hat. Gott halte sie für immer politisch und öffentlich-wirtschaftlich für selig. Sie zog eine Schneise der Verwüstung durch alle Bereiche, in denen sie öffentlich tätig wurde. Das heißt aber nicht, dass die jetzige Unterrichtsministerin aus dem Schneider ist. Nichts von den Datenlecks wissen zu wollen und den Boten abzukanzeln, wie im Brief vom 18. Dezember nachzulesen, anstatt etwas zu unternehmen - ist auch ein Skandal. Das Alles gehört schnellstens aufgearbeitet. Und die richtigen Schlüsse müssen gezogen werden. Denen sofort Taten zu folgen haben. Geschieht dies nicht, ist die Nachfolgerin der Frau Schmidt genau so fehl am Platz.



Und überhaupt müssen Politiker endlich lernen: DATEN SCHUTZ IST BÜRGERPFLICHT.

Gerade persönliche Daten gehören in einer globalisierten Welt besser geschützt. Durch Gesetze der Politiker. Die strengere Strafen für die Verantwortlichen jener Firmen und Institutionen vorsehen, die glauben persönliche Daten des Einzelnen sei ihr Privateigentum. Und sie hätten diese nicht wie ihren Augapfel zu hüten.

Das beginnt, wie weiter unten gelesen, mit Schuldirektoren die dem Irrtum erliegen, Homepages der Schulen wurden dafür erfunden, um die Weiten des Internets mit den Daten von ihnen Schutzbefohlene auszutesten. In dem sie die Grauzonen des Datenschutzgesetzes ausnutzen, um noch mehr Bits und Bits ihrer Schüler auf eine unendliche Reise zu schicken.

Und endet bei Systemen, ebenfalls mehrmals bei den Kommentaren gelesen, die wie ELGA eigentlich erfunden werden, um der Bevölkerung zu helfen. Bei denen man sich aber nicht sicher ist, ob die zuständigen Politiker überhaupt genügendes - technisches - Fachwissen haben, um die Sicherheit ihres Systems wirklich allen garantieren zu können.

Also Politiker, versteht es endlich: in einer durchdigitalisierten Welt wird DATENSCHUTZ zum MENSCHENRECHT. Und handelt endlich danach. Denn wie sagte schon Gorbatschov: wer zu spät kommt, den straft das Leben.

Und die Strafe sind dann wir. Die euch bei der nächsten Wahl die rote Karte zeigen. Für eure Ignoranz und euer Unvermögen mit neuen Techniken und ihren Gefahren umzugehen.

Antworten Die Stimme
26.02.2014 13:15
2

Sie haben recht.


Seit wir, dieses Jahr, einen neuen, jungen Direktor haben, werden an unserer Schule immer mehr Infos über das, was die Kinder machen, veröffentlicht. Obwohl das eigentlich niemanden etwas angeht. Mein Kind hat es nicht mehr lange zur Matura und hat zu kämpfen. Also protestieren wir nicht, um unser Kind nicht zu gefährden. Ärgern tun wir uns trotzdem.

Antworten Das Goldene Herz
26.02.2014 12:36
3

Seins net so garstig zu Direktoren. Speziell die Jungen haben wenig zu lachen.



Um jung etwas in den Bereichen zu werden, wo die Politik mitredet, muss du hart dafür arbeiten.

Ein ganzer Haufen Schleimarbeit ist nötig. Bei den Zuständigen.

Und die Menge (Achtung: Physik!) der Schleimarbeit im Schuluniversum bleibt immer konstant. Egal ob man jung oder älter etwas wird. So muss ein zukünftiger junger Direktor die ganzen Buckelarbeiten in kürzerer, also komprimierter!, Form absolvieren.

Also ist es doch nur verständlich, dass man danach, als frischgebackener Direktor, Dampf ablassen muss. Und so manch erschöpfter Geist sich plötzlich für den Herrscher eines Königreiches hält. In dem er nach belieben Herrschen will.

Und dies nur als den gerechten Lohn für die ganzen Demütigungen sieht, die er auf seinem Weg zum Direktorat erleiden musste. ;- )

Antworten Das Goldene Herz
26.02.2014 12:10
0

Seins net so garstig, zu jungen Direktoren.


Um jung etwas in den Bereichen zu werden, wo die Politik mitredet, musst du hart dafür arbeiten.

Ein ganzer Haufen Schleimarbeit ist nötig. Bei den Zuständigen.

Und die Menge (Achtung: Physik!) der Schleimarbeit im Schuluniversum bleibt immer konstant. Egal ob man jung oder älter etwas wird. So muss ein zukünftiger junger Direktor die ganzen Buckelarbeiten in kürzerer, also komprimierter!, Form absolvieren.

So ist es doch nur verständlich, dass man danach, als frischgebackener Direktor, Dampf ablassen muss. Und so manch erschöpfter Geist sich plötzlich für den Herrscher eines Königreiches hält. In dem er nach belieben Herrschen will.

Und dies nur als den gerechten Lohn für die ganzen Demütigungen sieht, die er auf seinem Weg zum Direktorat erleiden musste. ;-)

craven
26.02.2014 11:16
3

Alles Unfähige.........


vegetation
26.02.2014 10:42
11

BIFIE

Dass dieser "Verein" nicht funktioniert und zu den wohl unnötigsten Einrichtungen dieses Landes gehört ist FAST allen, die mit Bildungsfragen täglich befasst sind, völlig klar. Man kann Frau BM HaHo in vielen Bereichen kritisieren, aber in diesem Fall hab ich mehr Vertrauen zu ihr als zu ihrer Vorgängerin. Eine Anzeige durch die Lehrergewerkschaften ist in diesem Fall eine absolute Notwendigkeit - mir geht es hier mal ausschliesslich um die Kollegen, die an den medialen Pranger gestellt werden, wenn sich wer die Arbeit macht und die Daten regional, schultypbezogen usw. auswertet. Denn der Verdacht, dass hier Absicht im Hintergrund war, diese Daten zu veröffentlichen, drängt sich jedem Wissenden auf.

Rennblogger
26.02.2014 10:39
3

Datenlecks können tödlich sein

Richtig gefährlich wird es bei Autos mit elektronischem Gaspedal, wenn es zu Datenlecks kommt und die gibt es leider immer, denn irgendwie muss man die Daten ja abrufen können und genau dort ist immer ein Leck.

Aber was mich hier interessiert, warum stellte man Daten auf rumänische Server? Ich lasse mir einreden, dass man die Daten in Rechenzentren in München lagert, aber doch nicht in Rumänien, da kann man gleich billige Server im Iran nehmen, wo man sich wenigstens nie wegen dem Urheberrecht rumschlagen muss, da es das dort gar nicht gibt.

senfdazugeber72
26.02.2014 09:49
5

Eigentlich wäre es wünschenswert, dass diese Daten veröffentlicht werden

Warum läuft das eigentlich unter Datenschutz, wenn uns das Bildungsministerium bewusst Informationen vorenthält mit dem die Qualität von Schulen objektiv verglichen werden kann?

Ok. Die Email-Adressen der Lehrer gehen keinen was an. Aber es ist ein unannehmbarer Grundsatz österreichischer Obrigkeit die "Untertanen" nicht mit Informationen zu "belästigen"...

Antworten scifi_
26.02.2014 13:05
2

Re: Eigentlich wäre es wünschenswert, dass diese Daten veröffentlicht werden

Öffentliche Daten sollen öffentlich verfrügbar gemacht werden, personenbezogene Daten nicht. Durchschnittsleistungen einer Schule wären z.B. nicht personenbezogen.

cuniculus
26.02.2014 09:45
3

Exklusiv

Weil die Geschichte exklusiv ist, muss man aus ihr was Großes machen. Da kommen dann so lächerliche Formulierungen heraus wie:
"Dabei suggeriert der Test Sicherheit: „Welcome, zu deiner ganz persönlichen Leseverständigungsübung" ist in der Angabe zu lesen."

Die Frage ist eher: waurm sind die Schülernamen verschlüsselt, aber der Rest nicht?

Onkelerich
26.02.2014 09:21
19

Am 18. Dezember hat die Firma Zoe Solutions GmbH, die mit dem BIFIE für den Test zusammengearbeitet hat, darauf hingewiesen, dass ungesicherte Daten im Internet aufgetaucht seien

Aber geschehen ist bis jetzt nichts. Bravo liebes BIFE Team, Bravo, liebes Unterrichtsministerium! Das zeigt Engagmenet und Kompetenz!

Antworten scifi_
26.02.2014 13:06
2

Re: Am 18. Dezember hat die Firma Zoe Solutions GmbH, die mit dem BIFIE für den Test zusammengearbeitet hat, darauf hingewiesen, dass ungesicherte Daten im Internet aufgetaucht seien

Na, mehr noch! Das BIFIE hat aggressiv geantwortet und mit rechtlichen Schritten gedroht. Welche rechtlichen Schritte drohen jetzt dem BIFIE?

 
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