Fusionsdebatte: „Med-Unis brauchen Beweglichkeit“

12.08.2012 | 18:32 |   (Die Presse)

Med-Uni Graz. Uni-Rat-Chefin Cattina Leitner verteidigt Doppelgleisigkeiten im Hochschulsystem und lobt die Fachexpertise der Medizin-Universitäten. Sie spricht sich gegen die geforderte vierte Medizin-Uni in Linz aus.

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Die Presse: Ex-Uni-Rat Richard Soyer meint, viele würden „verkennen, dass die allgemeinen Sitten und Gesetze auch an Med-Unis gelten“. Muss man sich Sorgen um die Sitten an der Med-Uni Graz machen?

Cattina Leitner: Nein. Ich weiß auch gar nicht, was Soyer damit meint. Das ist eine sehr pauschale Äußerung, die ich nicht kommentieren will. Fest steht, dass das UG, das zur Ausgliederung der Med-Universitäten geführt hat, den Unis viele neue Aufgaben übertragen hat. Die Med-Unis benötigen eine hohe Fachexpertise. Und die besitzen sie.

Kritiker wenden ein, dass durch die Ausgliederung in erster Linie Doppelgleisigkeiten entstanden seien.

Natürlich sind auch Doppelgleisigkeiten entstanden. Aber ich halte das für eine sehr isolierte Betrachtung. Es darf nicht vergessen werden, dass vieles skalenabhängig ist. Bestimmte Kapazitäten etwa in der Lohnverrechnung oder der Buchhaltung sind einfach nötig, unabhängig davon, ob Unis zusammengeführt sind oder isoliert arbeiten. An der Med-Uni Graz liegt der Anteil der zentralen Verwaltung am Gesamtpersonal übrigens bei weniger als zehn Prozent.

Seit einiger Zeit diskutieren wir – vor allem in Innsbruck – die Rückführung der Med-Unis in ihre Stamminstitutionen. Halten Sie Fusionen für machbar?

Zu Innsbruck konkret äußere ich mich nicht. Ich kann nur sagen, dass wir den Weg, den die Medizin-Unis zurückgelegt haben, betrachten müssen. Da sprechen die Fakten für sich. Die Schaffung beweglicher, autonomer Medizin-Unis war richtig. Diese Beweglichkeit ist unsere Stärke. Ebenso wie die Fachexpertise, die in den Leitungsgremien besteht. Ein Nebenher der Medizin in einem Gesamt-Rektorat, einem Gesamt-Senat und einem Gesamt-Uni-Rat ist zu wenig. Wir müssen eingestehen, dass der primäre Partner einer Medizin-Uni nicht die Schwesteruniversität ist, sondern der Krankenanstaltenträger.

An welchen Fakten wollen Sie denn den Erfolg der Med-Unis ablesen?

Hier in Graz haben wir es etwa geschafft, beim klinischen Mehraufwand eine Lösung mit dem Krankenanstaltenträger herbeizuführen. Das ist in den vorangegangenen 50 Jahren, als die Med-Uni noch eine Fakultät war, nicht gelungen. Die Zahl der Publikationen hat sich seit der Ausgliederung verdreifacht. An Drittmitteln haben wir alleine im Jahr 2011 rund 39,7 Millionen Euro eingeworben.

Die Ärztebedarfsstudie prognostiziert einen Medizinermangel. Sollte die Zahl der Studienplätze erhöht werden?

Sollte es den Ärztemangel geben – und da bin ich mir nicht sicher –, werden wir gemeinsam mit dem Ministerium nachdenken, wie wir die Platzzahlen erhöhen können. Graz hätte grundsätzlich genügend Kapazitäten dafür, es ist eine Finanzierungsfrage. Plätze an den bestehenden Medizin-Unis auszubauen, halte ich jedenfalls für besser, als in Linz eine medizinische Fakultät zu gründen. Bei uns sind die Mittel effizienter eingesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2012)

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