Migranten: Rot-Weiß-Rot-Card auch für Bachelor

19.08.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) will Akademikerflucht bekämpfen. Im Studienjahr 2010/11 waren an heimischen Hochschulen 77.827 ausländische Studierende inskribiert.

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Wien/APA/J.N./Red. Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) will mehr ausländischen Akademikern nach ihrem Studium eine Arbeit in Österreich ermöglichen. Er fordert deshalb Erleichterungen bei der „Rot-Weiß-Rot-Card“. Dieses der amerikanischen „Green Card“ nachempfundene Dokument, das Migranten eine Arbeitsbewilligung in Österreich zusichert, sollen künftig auch Akademiker, die in Österreich einen Bachelor-Abschluss gemacht haben, bekommen.
Derzeit erhalten ausländische Absolventen nämlich nur dann die Rot-Weiß-Rot-Card, wenn sie einen Job auf „akademischem Niveau“ gefunden haben und mehr als 1903 Euro verdienen. Außerdem müssen sie mindestens einen Abschluss eines Master- oder Diplomstudiums nachweisen.

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„Bei uns Steuern zahlen“

Letzteres will Kurz nun ändern und in Zukunft auch schon einen Bachelor-Abschluss anerkennen. „Wir bilden junge Menschen mit Steuergeld bei uns in Österreich aus – aber arbeiten und Steuern zahlen tun sie dann woanders. Das ist nicht o. k.“, erklärt der Staatssekretär seinen Vorstoß in einer Stellungnahme gegenüber der Austria Presse Agentur (APA).

Aus Angst davor, dass zu viele Studierende nach ihrem Abschluss in Österreich bleiben würden, habe man 2010 die Beschränkung auf den Master beschlossen. „Jetzt wissen wir, wir haben durchaus Bedarf an gut ausgebildeten jungen Menschen, die dann auch in Österreich bleiben und hier Steuern zahlen“, erklärte der Staatssekretär gegenüber der „Zeit im Bild“ am Samstag.

Derzeit bleiben, wie „Die Presse“ vergangene Woche exklusiv berichtet hat, nur rund 16 Prozent der nicht-EU-ausländischen Studierenden nach ihrem Hochschulabschluss in Österreich. Womit das Land im internationalen Vergleich schlecht dasteht: Deutschland kann immerhin 25 Prozent seiner ausländischen Absolventen halten, in Kanada sind es sogar 33 Prozent.
Im ersten Jahr seit Einführung der Rot-Weiß-Rot-Card im Juli 2011 haben bisher nur 222 Studienabsolventen einen Antrag darauf gestellt. Im Vorjahr haben allerdings 1284 Nicht-EU-Bürger in Österreich ein Studium abgeschlossen – für sie könnte die von Kurz vorgeschlagene Änderung eine Erleichterung bedeuten.

Ein Fünftel ausländische Studierende

Im Studienjahr 2010/11 waren insgesamt 77.827 ausländische Studierende an den heimischen Hochschulen inskribiert – mehr als ein Fünftel der insgesamt 350.000 Studierenden, die Österreich in diesem Jahr verzeichnete.
Mit seiner Ankündigung, auch Bachelorabsolventen Zugriff auf die Rot-Weiß-Rot-Card gewähren zu wollen, kommt Kurz einer aktuellen Forderung der Fachhochschulkonferenz und der Hochschülerschaft nach. Diese hatten sich am Wochenende der Forderung der Wirtschaftskammer angeschlossen, die Rot-Weiß-Rot-Card solle anders als bisher nicht nur an Diplom- und Masterabsolventen erteilt werden, sondern auch an Absolventen eines Bachelorstudiums.

Die Fachhochschulabsolventen seien bereits nach Abschluss eines Bachelorstudiums „Job-ready“, sagt etwa Helmut Holzinger, der Präsident der Fachhochschulkonferenz.

Jährlich 20.000 Auswanderer

Sorgen sollte der Politik aber nicht nur die Frage bereiten, wie ausländische Absolventen in Österreich gehalten werden können – auch der „Brain Drain“, also die Abwanderung heimischer Akademiker ins Ausland, kostet den Staat jedes Jahr Ressourcen. An die 20.000 Österreicher sind es, die jährlich auswandern – dem Migrationsforscher und Vizerektor der Universität Wien Heinz Fassmann zufolge, handelt es sich bei den Abwanderern hauptsächlich um „überwiegend junge und hoch qualifizierte“ Arbeitskräfte.
Mehr als zwei Drittel der Auswanderer verfügen demnach mindestens über die Matura – wobei genaue Zahlen fehlen würden, sagt der Experte. Weswegen sich auch keine genaue Statistik des „Brain Drain“ erstellen lässt – in der die 20.000 Abwanderer jenen 15.000 Österreichern gegenübergestellt werden, die jedes Jahr wieder in ihre Heimat zurückkehren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2012)

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47 Kommentare
 
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Gast: KurzSchluß
21.08.2012 18:18
0

Und schon wieder manifestiert das aufreizende Kurzsche Geplapper: null Ahnung von seinem Metier!!

Die Wahldebakel der ÖVP sind mit solchen Kapazundern vorprogrammiert...

Gast: gast45
20.08.2012 12:48
0

was ist daran so neu ?

das ausländische studenten, die teilweise sogar mit stipendien ihrer heimatländer in wien studieren, nach dem abschluss in ihr heimatland zurückkehren, um das im ausland gelernte in ihrer
heimat anzuwenden ?

. man muss sich halt überlegen wieviel man eben bereit ist als entwicklungshilfe dafür auszugeben.

Gast: Nährer K
20.08.2012 11:27
7

Wenn Herr Kurz Migrant wäre

Würde er überhaupt keine Rot Weiss Rot Card bekommen, sondern als Erntehelfer ansuchen müssen.

Gast: Hermann vom Gipfel
20.08.2012 11:16
0

Die besten Köpfe nach Österreich holen

In einem so korrupten Land wie Österreich ist es dringend notwendig die besten Köpfe nach Österreich zu holen. Beispiel Bauarbeiter: Rumänische Bauarbeiter leisten auf ihr Gehalt bezogen wesentlich mehr und haben als Draufgabe oft noch eine akademische Ausbildung vorzuweisen. Aber genauso wichtig sind die besten Köpfe in allen Fachrichtungen.

Grundsätzlich gilt: Jeder Akademiker, der aus dem Ausland kommt, schafft eine neue Basis im österreichischen Korruptionssumpf. Daher darf hier nicht gespart werden.

Was?! 20.000 Auswanderer jedes jahr?

Oh Gott und ich dacht unser Problem wären die vielen Einwanderer. Was ist es denn nun? Und wieso wandern die ab? Weil sie keine Rot-Weiß-Rot Card haben? Muss man mit der weniger Steuern zahlen? Schützt die denn vor Neid und Missgunst? Oder machen sich die lieben Absolventen darüber keine Gedanken?

Bekämpft doch lieber die flächendeckende Hirnflucht, nicht die Akademikerflucht...

Ich bin ja so dankbar von derart realitätsfremden Gestalten regiert zu werden.

Gast: friedhofsgärtner
20.08.2012 10:18
2

dass der weggeht , brauchen

wir nicht zu befürchten,leider.

Antworten Gast: General Schnitzelsemmel
20.08.2012 13:26
0

Re: dass der weggeht , brauchen

Ist ja auch weder Akademiker noch hochqualifiziert

Wir brauchen nicht 10000 BWL-Studenten...

Was die Absolventen davon abhalten würde auszuwandern, wären niedrigere Steuern und ein Ende dieser Neiddebatte, dass Reiche zur Kasse gebeten werden - wer will sich schließlich in einem Land etwas aufbauen, wenn es ihm madig gemacht wird und er sein Vermögen womöglich auch noch abgeben darf. Außerdem haben die meisten hier das Gefühl, dass Bildung ohnehin nichts mehr wert sei, denn je fleißiger man ist, desto mehr wird man bestraft. Und Unternehmer sind sowieso immer die bösen, also wundert es wirklich jemanden, wieso jeder gut ausgebildete das Land verlassen will.

Werte - oder Punktesystem

Wenn ich als nicht EU Bürger nach bestimmten Punkten oder Ausbildungsqualität beurteilt werden würde, wie es zBsp. in Neuseeland, Australien oder Kanada der Fall ist. Wohin zieht es mich dann?

Gast: Ja sicher
20.08.2012 07:48
5

und wer braucht?????????

noch mehr Bacherlors (Patscherte), die können mit Masse sowieso nix, da wird nix gefordert, alles was einmal geprüft wird wird eh vorgetragen (dazu reicht ein Papagei), am Schluss reicht eine Abschlußarbeit deren Umfang und Inhalt nicht einmal an eine Proseminararbeit herankommt, und dann glaubens sie sind Akademiker und können was, fordern gleich Unmengen Gehalt

Auch wenn jetzt alle über mich herfallen, ich habe da genug Beispiele im Verwanten- und Bekanntenkreis.......

Antworten Gast: Bachelor
22.08.2012 12:40
1

Re: und wer braucht?????????

Also im Ausland sind Bachelor sehr anerkannt und werden als Akademischer Grad angesehen und generell als Einstieg in den Beruf ausreichend.
Insb. große Firmen wissen und schätzen dies auch, es ist ein österreichisches Eigentum das es nicht der Fall ist.
Auch bekommt man im Ausland (US, UK..) zumindest im Tech Sektor nicht mehr Entlohnung weil man endlos studiert, was zählt ist letztendlich die Erfahrung im Beruf und die muss ein BSc genauso aufbauen wie ein MSc oder Phd.

Gast: um halb acht
20.08.2012 07:22
9

Bitte zuerst einmal Jobs für die Inländer schaffen, danke!


Re: Bitte zuerst einmal Jobs für die Inländer schaffen, danke!

Die Mehrheit der Arbeitslosen befinden sich wohl eher im unteren Spektrum des Bildungssystems.

Wenn ausländische Akademiker einfacher eine Arbeitsbewilligung erhalten würden, wäre dies wohl eher gut für Österreich. Insb. junge, innovative Leute mit guten Ideen für Unternehmensgründungen... aber leicht wird es einem hier ja nicht gemacht.

Re: Bitte zuerst einmal Jobs für die Inländer schaffen, danke!

warum sollen DIE dir einen job schaffen???

Weil DIE dafür gewählt und bezahlt werden!

DIE = Regierung

Antworten Antworten Antworten Gast: gast45
20.08.2012 12:57
0

Re: Weil DIE dafür gewählt und bezahlt werden!

ja, ja ganz österreich im staatsdienst als beamte :-) ... blöd ist halt nur, dass einer die steuern auch verdienen musz, und sie nicht nur als beamtengehalt, förderung oder transferleistung einkassieren kann ..

Gast: Berufstätige Studentin
20.08.2012 06:22
10

I think I spider!

Was soll das denn jetzt? Es gibt nicht einmal für österreichische Bachelors genügend adäquate Jobangebote, weil die Wirtschaft den Bachelor nicht als akademischen Grad anerkennt. Und da will der Kurz noch mehr Bachelors ins Land holen? Wozu soll das denn bitte gut sein?

Wenn Kurz will, dass die Bachelors in Österreich bleiben, anstatt auszuwandern, dann möge er bitte anständige Jobs mit ordentlicher Bezahlung für sie schaffen (wie auch immer er das anstellen will).

Das, was er vorhat, verschlimmert die Situation nur, anstatt sie zu verbessern. Und wäre er nicht Politiker mit einem sicheren Job und ausreichend Gehalt, würde er das auch wissen.

Re: I think I spider!

"adäquate Jobangebote" muss man sich erarbeiten, die werden nicht "geschaffen"

Re: Re: I think I spider!

Aber wo nichts da ist, kann man sich auch nichts erarbeiten!

Üblicherweise ist es ja so, dass man sich auf ein Jobangebot bewirbt und bei der Einladung auf ein Vorstellungsgespräch dann das Gehalt verhandelt. Wenn es aber nicht einmal etwas gibt, worauf man sich bewerben könnte, dann wird das schwierig mit der Gehaltsverhandlung.

Re: Re: Re: I think I spider!

Wenn ich mich nach dem Studium als Geschäftsführer bewerbe wird es in der Tat schwierig mit dem ADÄQUATEN Jobangeboten.

Kein Staat kann Jobs schaffen - er kann nur die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern: konkurrenzfähige KöSt, gut ausgebildete Arbeitskräfte, allgemeine Sicherheit.

Re: Re: Re: Re: I think I spider!

Ein Punkt ist sicher auch, dass Erwartung und Wirklichkeit oft meilenweit auseinanderliegen. In so ziemlich jedem Curriculum stehen ja die Ausbildungsziele und die Berufsfelder, in denen dann nach Abschluss des jeweiligen Studiums arbeiten können soll.

Das Blöde ist aber, dass es diese Berufsfelder oft in Wirklichkeit gar nicht gibt oder dass man da nicht so einfach Jobs bekommt. In meinem Curriculum steht da zum Beispiel:

• Forschung 
(Uni
 oder 
private
 Einrichtungen)

• Berufe
 der 
Industrie

• Landwirtschaft

• Umweltbiologie

• Pharmazeutische 
Industrie

• Lebensmittelindustrie

• Chemische
 Industrie

• Gesundheitswesen

• Botanische
 und
 zoologische
 Gärten
 und
 Naturparks

• Biotechnologie

• Umweltschutz
 und
 ‐analytik

• Hygiene

• Wasserwesen

• Mess‐
 und 
Labortechnik

• Patentanwalt

• Marketing

• Produktvertrieb

• Unternehmensberatung

• Öffentliche
 Verwaltung

• Journalismus


Das klingt ja alles recht interessant, die Wahrheit sieht aber anders aus und in Wirklichkeit muss man dann mit einem weitaus weniger interessant klingenden Brotjob vorlieb nehmen.


Re: I think I spider!

Die "Situation" ist doch diesen Herrschaften ziemlich wurscht. Deren Job ist, zu gewährleisten, dass jeder Arbeitnehmer an der Burnoutgrenze 1000 Prozent geben muss und ja kein Arbeitgeber jemals wieder in die Verlegenheit kommen kann, auch nur einen Cent mehr als den Kollektivvertragslohn zu bezahlen... ;-)

Negative Zuwanderung ist des Rätsels Lösung!

Es muss über Repatriierung nachgedacht werden statt mit weiteren Zuwanderern das Lohnniveau weiter zu drücken.

Wie will man qualifizierte im Land halten wenn man Ihnen 50% ihrer Gehälter nimmt und an Minderleister im In- und Ausland verteil?

...

schon wieder der duemmste und faulste jungpolitiker, den die alten nazis vorschieben um ihre verbrechen zu decken...

Gast: bakkarbeit
19.08.2012 23:36
2

gut so

Nur so geht es. Bravo Kurz.

Gast: Antichauvinist
19.08.2012 23:25
10

...und Österreicher werdenb vertrieben

Der Herr Kurz soll einmal doch ganz privatim mit Managern großer, gut zahlender Firmen in Österreich sich darüber unterhalten. Vor allem, warum aus Österreich schon wieder gerade gut ausgebildete, leistungswillige und leistungsstarke Österreicher/Innen, speziell mit technischen Studienabschlüssen und solchen Berufen sich aus Österecih vertschüssen!
Er soll, z. B. auch einmal sich etwa an der Montanuni erkundigen, warum dort nicht nur die Ausländer, sondern auch die besten inländischen Absolventen in der Mehrzahl ins Ausland abhauen.
Vielleicht hülfe das dem Studienabbrecher eines mundwerklichen Modestudiums zu ungeahnten Erkenntnissen.
Übrigens: Die lächertliche 1930 Euro MIndestgrenze auf "ausländische Schlüsselkräfte" wurde doch nur eingeführt, um so gut wie jeden eine Rotweißrot-Karte zu verschaffen. "Schlüsselkräfte" verdienen bei uns kaum weniger als 3000 Euro - weil da bleiben denen eh nach Lohnsteuerabzug und SV kaum mehr 1800 Euro "zum Leben"...

 
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