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"Nachdenken statt Nachbeten": Plattform will Ethik für alle Schüler

19.09.2012 | 13:58 |   (DiePresse.com)

Ein neues Fach soll Themen wie Philosophie, Menschenrechte und Wissen über Religionen vereinen.

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In der Debatte um eine Neugestaltung des Ethikunterrichts an Schulen wollen sich künftig die Laizisten stärker zu Wort melden. Die Hauptforderungen der am Mittwoch erstmals präsentierten überparteilichen Plattform "Ethik für alle": Ethikunterricht muss für alle Schüler verpflichtend, gegenüber allen Religionen äquidistant sein, und das Fach muss durch eigens in Ethik ausgebildete Pädagogen und nicht durch Religionslehrer unterrichtet werden. "Ich bin für Nachdenken statt Nachbeten", so Heinz Oberhummer, Astrophysiker und Obmann der "Initiative Religion ist Privatsache", bei einer Pressekonferenz.

Hintergrund der Aktivitäten der Plattform: Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat angekündigt, bis Ende des Jahres ein Konzept für Ethikunterricht für alle Schüler zu entwickeln. Die Plattform will in dieser Sache künftig Druck machen und erwartet einen "recht heißen Herbst". Anliegen der Plattform ist die Einführung eines Fachs Ethik, "das diesen Namen auch verdient", wie Oberhummer betont.

Er wehrt sich vor allem gegen die Darstellung von ÖVP-Vorfeldorganisationen, wonach im Religionsunterricht ohnehin bereits ethische Fragen behandelt würden und Ethik für alle daher nicht notwendig sei. Religiöse Ethik könne allerdings kein Ersatz für ein Fach Ethik sein, wie es der Plattform vorschwebt. Diese sei völlig überholt, meinte Oberhummer und verwies etwa auf die Diskriminierung von Frauen oder Homosexuellen.

Ethik darf keine Strafe sein

Der Besuch von Ethikunterricht dürfe keine "Strafe" für jene Schüler sein, die sich vom Religionsunterricht abmelden, sondern müsse für alle ein Pflichtfach werden - und zwar auch an konfessionellen Privatschulen, die immerhin vom Bund mitfinanziert würden, so Oberhummer. Gleichzeitig müsse Religion an den Schulen als Pflichtfach abgeschafft und nur noch als Freifach angeboten werden, forderte Tatjana Gabrielli von der SP-nahen Aktion Kritischer Schüler (AKS).

"Wir leben in einer Gesellschaft der zunehmenden Entsolidarisierung", meinte Jürgen Wutzlhofer von den Kinderfreunden. Umso wichtiger sei es, dass an den Schulen im Fach Ethik Werte wie Solidarität oder Zivilcourage vermittelt werden. Auch für Nikolaus Scherak, den Bundesvorsitzenden der Jungen Liberalen (JuLis), geht es bei Ethik um andere und mehr Fragen als im Religionsunterricht. Aus seiner Sicht müsse ein Fach Ethik philosophische Themen ebenso behandeln wie Menschenrechte. Religionen sollen im Fach Ethik ebenfalls vorkommen, sind sich die Proponenten der Plattform einig - allerdings "weltanschaulich neutral" und, wie Oberhummer ergänzt, aus wissenschaftlicher Perspektive.

JuLis, AKS, Religion ist Privatsache

Der Plattform gehören neben der "Initiative Religion ist Privatsache", AKS, Kinderfreunden und den JuLis auch Grünen-Bildungssprecher Harald Walser, der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ), die Bildungssprecherin der Tiroler SPÖ, Elisabeth Blanik, und die "Homosexuellen Initiative (HOSI) Wien" an. Unterstützung gibt es auch vom ehemaligen Grazer Philosophieprofessor Gerhard Streminger.

(APA)

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41 Kommentare
 
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Indoktrinierung

Ich frage mich, wer die Inhalte dieses Ethikunterrichts festlegt. Bei den konfessionellen Religionsstunden ist mir das klar. Kann ich dann wollen, oder nicht. Wenn aber ein linker Fundamentalsozi (das ist halt mein Feindbild, wer mag hat ein anderes) meine Buben unterichtet im Auftrag der Partei und der Genossin Unterrichtsminister, steht das im argen Widerspruch zu den Wertvorstellungen, die ich zuhause meinen Kindern weitergebe. Das Recht, meine Kinder zu erziehen, werde ich nicht freiwillig dem Staat, der Partei oder der Genossin Unterrichtsminister überlassen. PS: wer nicht will, muss sine Kinder ja auch nicht dem Pfaffen überlassen

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Religionsfreiheit

Im Sozialismus war Religion auch Privatsache. Die Religionsfreiheit ist mir da lieber. Immerhin führt diese dazu, dass man eine Antireligionshaltung (-religion?) pflegen kann die das Credo verbreitet, jeder Religiöse wäre blöd, weil er nich nach denkt nur nach betet.

Wer bestimmt den Lehrinhalt?

Ethik (Sittenlehre) ist ebenso sehr Weltanschauungssache wie die Religion, zugespitzt ein Kannibale beachtet andere ethische Regeln als ein Vegetarier. Das Extrem Kannibale existiert "Gott sei Dank!?" nicht, die Weltanschauungsunterschiede zwischen rechten, linken und liberalen Parteien sind groß. Welche Partei ihre Anschauung in den Lehrinhalten des Ethikunterrichtes besser plazieren kann erzieht die Jugend in ihrem Sinn. Daher besser kein Ethikunterricht.

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Ethikunterricht

jedenfalls!
Menschenrecht zuerst, Philosophie und alle Weltreligionen, Empathie Training etc
würde ich mir für meine Kinder sehr wünschen!


Gast: biersauer
20.09.2012 18:59
3 5

Erwachsene sind gerade frei entscheidbar,..

vorher striktes Religionsverbot.
Rauschgift verblödet!

Warum

kommt niemand auf die Idee, Philosophie als Pflichtfach einzuführen?
Kann man das unserer Jugend etwa nicht zumuten und muss man um den Begriff Ethik herumtanzen?
Philosophie und Literatur!
Und wer weiss, vielleicht werden wir bei der nächsten Pisastudie nicht auf dem letzten Platz landen.

PS: Meine Grammatik- und Rechtschreibfehler sind der Beweis für unser schlechtes Schulwesen!

Re: Warum

Bildung ist eine Holschuld! Es ist immer leicht, anderen die Schuld für das eigene Versagen zu geben!

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Ethik aus wissenschaftlicher Sicht?

Wissenschaft soll wertfrei sein, Ethik will ebendiese Werte vermitteln. Ethik kann daher keine Wissenschaft sein. Will man die Inhalte des Ethikunterrichts wissenschaftlich vermitteln, ist die Ethik einmal draußen, ebenso unwissenschaftliche Breiwörter wie "Solidarität".
Aber die Argumentation ist ohnehin schon viel zu hochgestochen für eine Initiative, die lediglich Schulkinder mit rot-grün-schwul-Gender-Blablabla indoktrinieren will.

Re: Ethik aus wissenschaftlicher Sicht?

Irrtum - Ethik wird als teildisziplin der Studienrichtung Philosophie gehandhabt, wobei an der Ausbildung auch andere Institute beteiligt sind (katholische Theologie, evangelische Theologie, Biologie, juridicum etc.) und als Teilrichtung der Philosophie bedeutet Ethik nicht Dogmen zu vermitteln, sondern es soll ein kritischer Zugang zu vorhandenen Themen gefunden werden, das heißt das eigenständige denken der Schüler/innen würde in dem Fach gefördert werden

Re: Re: Ethik aus wissenschaftlicher Sicht?

Und wie soll das wertfrei - also ohne Lastigkeit in die eine oder andere Richtung- gehen Ethikunterricht ist Elternsache!

Re: Ethik aus wissenschaftlicher Sicht?

Richtig erkannt, Dankeschön!
MfG

Gast: pfff....
20.09.2012 16:33
3 2

...

Religionen sollen im Fach Ethik ebenfalls vorkommen, sind sich die Proponenten der Plattform einig - allerdings "weltanschaulich NEUTRAL" und, wie Oberhummer ergänzt, aus WISSENSCHAFTLICHER Perspektive.

die wissenschaft erläutert neutral die religion
bin gspannt wie ein keilriemen

Eigenes Fach

Ich würde Ehtik als eigenes Fach NEBEN dem Religionsunterricht sehen.

Erst wenn ich meine Wurzeln kenne, kann ich mich objektiv mit anderen Religionen beschäftigen.

Leider ist das durch die zeitliche Belastung der Kinder und der finanziellen Belastung der Haushalte nicht machbar.

Re: Eigenes Fach

das sehe ich nicht so - erst wenn ich eine Auswahl gesehen habe kann ich mich für meine Religion entschieden sonst bin ich ja schon voreingenommen

Gast: ldsfkgj
20.09.2012 11:14
3 0

Geld

Unabhängig von religiösen und ethischen Fragen:
Schmied sagt, dass Ethikunterricht für alle 100 Mio kostet. Die Religionslehrer in Ö werden damit arbeitslos (10.000 für rk in ganz Ö); da niemand Samstag vormittag in den Unterricht kommt, haben wir also mind. 150 Mio für Arbeitslose. Im Jahr 2015 ist die Pensionierungswelle in den Schulen angekommen, Reli-Lehrer dürfen Ethik nicht unterrichten, da sie laut Plattform befangen sind, wer wird diesen Job übernehmen? Das kostet also geschätzte 250 Mio und man braucht über 10.000 neue Lehrer in einer Phase, in der es in allen Fächern Lehrermangel gibt. Für das Fach Ethik gibt es nur nebenbei bemerkt noch kein Lehramtsstudium, daher auch keine Absolventen in absehbarer Zeit.

Re: Geld

es gibt zwar kein eigenes lehramtsstudium aber einen unversitatslehrgang und der befähigt zum unterrichten

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Re: Geld

derzeit gibt es einen universitären Ethiklehrgang, der als Ausbildung gilt--wenn jemand zwei Lehramtsfächer studiert hat

ethik in der schule

ethik war ein sehr interessantes fach, hab dieses jahr maturiert und bin auch in ethik angetreten. an meiner schule ist ethik seit fast 20 jahren ein schulversuch. alle leute, die sich eben vom religionsunterricht abgemeldet haben, mussten den unterricht besuchen. haben sehr interessante dinge besprochen, die ganz sicher im religionsunterricht nicht drankommen. schüler konnten auch selber themen, die ihnen am herzen liegen, oder sie nteressieren, vorschlagen und mein lehrer (h, geo, info) hat uns dokumentationen gebracht und uns durch diskussionen zum nachdenken über themen gebracht, die oft in anderes fächern viel zu kurz kommen , oder gar nicht angeprochen werden.
alles in allem bin ich für die einführung von ethikunterricht an allen schulen ab der 5ten schulstufe, nicht erst ab der oberstufe!

Gast: Tornado
20.09.2012 10:00
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zu kurz gedacht, V2.0

wieder einmal kennt Fr. Minister die Hintergründe nicht.

ReligionslehrerInnen werden vom Stadtschulrat bezahlt, Ethik-LehrerInnen (die es nicht gibt) aus dem Schulbudget.
Das Schulbudget reicht aber nicht mal für WC Papier, Reparaturen, Heizung, ...
Daher will kein mir bekannter Direktor Ethikunterricht.

Also lautet die primäre Frage: Woher kommt das Geld?

Re: zu kurz gedacht, V2.0

ich dachte die Religionslehrer werden von der Diözese finanziert aber bitte

Re: zu kurz gedacht, V2.0

Ganz einfach! Auch wenn es nicht so sein soll, werden es die Rel.-Lehrer sein, die Ethik unterrichten, um Werteinheiten zu sichern!

Re: Re: zu kurz gedacht, V2.0

pp Studenten wohl auch die haben ohnehin nicht genügend Möglichkeiten ihr fach auszuüben

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Bei all den Religionen, die es heute gibt ...

Ich habe an meiner Schule Klassen, da sind 5-6 verschiedene Religionen + 2-3 Schüler ohne Bekenntnis in einer einzigen Klasse vertreten.

Es wäre doch tatsächlich gescheiter, ein Pflichtfach "Ethik" einzuführen (von dem sich nicht die halbe Klasse abmeldet, bzw. abmelden kann), von dem die Schüler aller Konfessionen etwas haben, auch die Schüler ohne Bekenntnis.

Und wer dann unbedingt auf einem puren Religionsunterricht besteht, der kann diese Fach ja Samstag vormittag in der Schule besuchen, das steht das Haus sowieso leer - und dann kann auch jede Konfession Lehrer vorbeischicken, wenn ihr daran etwas liegt.

Ich halte aber wenig davon, Religion UND dazu noch Ethik parallel laufen zu lassen, das ist weder stundenplanmäßig zu schaffen noch pädagogisch sehr sinnvoll, weil sich bei einem (zusätzlichen) Fach "Ethik" noch mehr Leute in Religion abmelden würden als es ohnehin schon der Fall ist.

Hitler und Stalin waren Atheisten - na sowas!


Re: Hitler und Stalin waren Atheisten - na sowas!

osama und bush dafür sehr religiös!

Gast: selberlehrer
19.09.2012 20:57
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an der Realität vorbei

Da viele Schülerinnen udn Schüler ihre Religion ja in die Schule mitbringen und sie auch dort leben/ bezeugen, ist ein verdrängen wollen der Religionen aus der Schule ein Negieren der Realität und Lebenswelt der Schüler. Wenn Schule unsere Gesellschaft abbilden soll und Toleranz gelehrt werden soll, dann darf und soll Religion auch Platz haben. Glaube ist Privatsache, aber nicht Religion, Religionen sind Gesellschaftssache.

 
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