Vorurteile beeinflussen Testleistungen negativ

Vor allem Frauen befürchten, auf Basis von negativen Stereotypen beurteilt zu werden, sagt der Linzer Psychologe Markus Appel.

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(c) Antonia Schneider

Vorurteile können die Leistungsfähigkeit bei Tests in Schule oder Uni negativ beeinflussen. Die Annahme etwa, dass Mathematik Männersache ist, kann ein in diesem Fach talentiertes und interessiertes Mädchen bei einem Test dermaßen unter Druck setzen, dass seine Leistung schlechter ausfällt, als sie sein könnte. "Zu einer Gruppe zu gehören, die laut negativem Vorurteil weniger begabt ist, während man sich selbst als kompetent einschätzt, bedeutet Stress", erklärte Markus Appel vom Institut für Pädagogik und Psychologie der Universität Linz die "Stereotype-Threat-Theorie".

"Stereotype Threat" beschreibt demnach das Gefühl der Bedrohung durch negative Stereotype, also durch Zuschreibungen von Eigenschaften und Verhaltensweisen gegenüber einer Gruppe, beispielsweise Frauen oder Personen mit Migrationshintergrund. Das tritt in Situationen auf, in der eine Person befürchtet, auf Basis von negativen Vorurteilen beurteilt zu werden bzw. durch ihr eigenes Verhalten diese Stereotype zu bestätigen. "Man darf nicht unterschätzen, dass die Zuschreibung von Fähigkeiten zu Gruppen eine Eigendynamik entwickelt, die oft auch den Betroffenen selbst gar nicht bewusst ist", so Appel. "Es gibt zahlreiche Studien, die aufzeigen, dass Frauen besser abschneiden, wenn der Druck des negativen Stereotyps reduziert ist."

"Unangenehmer Widerspruch"

Besonders gefährdet sind laut dem Psychologen jene, denen ein Fach sehr wichtig ist und die darin dementsprechend gut abschneiden wollen. "Wenn in einem Bereich das Selbstkonzept und das vermutete Urteil anderer über die eigene Gruppe nicht übereinstimmen, dann ist das oft gedanklich schwer vereinbar, man spricht von kognitiver Dissonanz", so Appel. Das gehe auch über Testsituationen hinaus und kann sich sowohl auf den Wissenserwerb und Lernprozess als auch auf akademische und berufliche Entscheidungen auswirken. "Sich zu sagen, dass einem der Bereich doch nicht so wichtig ist, ist eine Möglichkeit, dem unangenehmen Widerspruch zu entfliehen."

Erforscht wird "Stereotype Threat" mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Experimente, bei denen beispielsweise zwei Gruppen an demselben Leistungstest arbeiten, dabei aber unterschiedliche Vorinformationen erhalten. In jener Gruppe, der im Vorfeld gesagt wird, dass in dem Test Mädchen typischerweise schlechter abschneiden als Buben, zeigen sich danach deutlichere Geschlechterunterschiede zugunsten der Buben. Bei Gruppen, denen etwa gesagt wird, dass es beim Test um Problemlösung und nicht um etwa mathematische oder naturwissenschaftliche Leistungsfähigkeit geht. "Das minimiert den Druck, den Mädchen haben", erklärt Appel.

Geschlecht und Herkunft verschweigen

Führende Wissenschafter in den USA fordern laut Appel, die Angabe des Geschlechts oder des ethnischen Hintergrunds bei Tests hintanzustellen, "weil dadurch möglicherweise größere Chancengleichheit geschaffen wird". Vorurteile zu bekämpfen sei zwar naturgemäß schwierig. Man müsse aber bei jeder Form von spontaner Spezialbehandlung, auch wenn sie freundlich gemeint ist, "vorsichtig sein", etwa wenn eine von drei Studentinnen in einer Klasse mit 80 Physikstudenten vom Professor bei Zuspätkommen besondere Aufmerksamkeit erhält.

In Initiativen der vergangenen Jahre, die verstärkt Frauen für Naturwissenschaften interessieren wollen, sieht Appel "viel Gutes". "Ich glaube, dass wir im Hinblick auf Bildungsungleichheiten sensibler geworden sind", so der Psychologe, der eine verstärkte Anstrengung bemerkt. "Ich bin da relativ zuversichtlich, nicht zuletzt weil mittlerweile auch die ökonomischen Konsequenzen gesehen werden. Die Wirtschaft kann heute auf Jugendliche mit Migrationshintergrund als studierte Fachkräfte oder auf Frauen in Naturwissenschaften nicht verzichten."

(APA)

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