Uni Wien: Studiengebühren werden wieder eingeführt

26.04.2012 | 20:03 |   (DiePresse.com)

Der Senat der Uni Wien hat beschlossen, ab Herbst wieder Gebühren von einem Teil der Studenten einzuheben. Die Sitzung wurde von Protesten begleitet.

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Die Universität Wien wird ab Herbst wieder Studiengebühren von einem Teil der Studenten einheben. Das hat der Senat in seiner Sitzung am Donnerstag Nachmittag nach einem entsprechenden Vorschlag des Rektorats beschlossen. Damit wird die von SPÖ, FPÖ und Grünen 2008 getroffene Studiengebühren-Regelung autonom von der Uni Wien wieder eingeführt, die mit 1. März dieses Jahres vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurde. Die Senatssitzung wurde nach Angaben von Senatsvorsitzenden Helmut Fuchs erheblich durch protestierende Studenten gestört.

Diese hätten versucht, die Türe zum Senatssitzungssaal während des Treffens aufzubrechen. Fuchs sprach gegenüber der Austria Presse Agentur von "massiver Bedrohung", Mitarbeiter hätten sich von Innen gegen die Türe stemmen müssen. Das Rektorat habe daraufhin die Polizei gerufen, die Senatsmitglieder hätten unter "massivem Schutz der privaten Sicherheitskräfte" die Uni verlassen, so Fuchs. Nach erfolgtem Beschluss wurde weiter demonstriert: Rund 200 Studenten blockierten zuerst den Ring vor dem Uni-Hauptgebäude und zogen dann weiter vor das Parlament.

Mit dem Beschluss zahlen ab dem Wintersemester 2012/13 wieder jene Studenten 363,36 Euro pro Semester, die aus einem Nicht-EU-Land kommen oder die Mindeststudiendauer um mehr als zwei Semester überschritten haben. Uni Wien-Rektor Heinz Engl hatte mehrfach betont, dass der Uni durch das Wegfallen dieser Studienbeiträge von 15 Prozent der Studenten jährlich neun Mio. Euro entgehen würden. Studierende protestieren nach der Entscheidung des Senats in Wien

 Studierende protestieren nach der Entscheidung des Senats in Wien

Töchterle erfreut, ÖH kündigt Widerstand an

Von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) wurde das Abstimmungsergebnis des Senats - zwölf Pro- und fünf Gegenstimmen - erfreut aufgenommen. Die derzeitige Gesetzeslage räume den Unis Möglichkeiten zur autonomen Einhebung von Studienbeiträgen ein. Töchterle wollte genau dies - verbunden mit einem Bündel sozialer Maßnahmen - mit seiner im Herbst vorgeschlagenen, aber von der SPÖ abgelehnten Neuregelung des Gesetzes erreichen. "Ich begrüße daher den demokratischen Senatsbeschluss der Uni Wien, der mit großer Mehrheit erfolgt ist", so Töchterle. Studierende protestieren nach der Entscheidung des Senats in Wien

 Studierende protestieren nach der Entscheidung des Senats in Wien

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) der Uni Wien kritisierte indes den Senat: "Der vorauseilende Gehorsam, mit dem der Senat sich für unrechtmäßige Studiengebühren entschieden hat, ist für die ÖH Uni Wien inakzeptabel." Die Empörung der Studenten "ist verständlich", betonte die ÖH und kündigte an, sie werde "Studierende, die gegen die unrechtmäßigen Studiengebühren Klagen erheben, selbstverständlich unterstützen und weiterhin politischen Widerstand leisten".

 

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208 Kommentare
 
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... was ...

... für ein falsches signal .. .gerade in der heutigen zeit wo die unsicherheit tendenziell scheinbar zunimmt ist lebenslanges lernen die einzige möglichkeit, alle zukünftigen situation meisten zu können ...

"Der Preis ist lebenslanges Lernen und persönliche Weiterentwicklung durch hinaus schieben der eigenen Grenzen. Dieser Weg ist ein einziges Abenteuer. Auch wenn es manchmal rumpelt, der persönliche Gewinn ist sagenhaft groß. Und jetzt spreche ich absolut nicht von Geld sondern von Erfahrungen, Erkenntnissen, Fähigkeiten und Stärken. Und das Vertrauen in sich selbst, jede Unwägbarkeit meistern zu können. "

Quelle: http://diary-of-a-future-millionaire.blogspot.com/2012/04/tagebuch-eines-zukunftigen-millionars.html

Politik agiert verantwortungslos!

Regt sich denn hier niemand darüber auf, dass hier die Politik komplett VERSAGT!

Die Aufgabe der Politik ist es sinnvolle Gesetze zu schaffen.
Soll heißen, egal ob Studiengebühren oder keine Studiengebühren, die Politik ist VERPFLICHTET hier eine Entscheidung zu treffen.

Die Unimitglieder gegeneinander auszuspielen, eine rechtsunklare Situation einfach nicht zu beseitigen, ist einfach verantwortungslos.

Um die Rechtsunsicherheit zu beseitigen muss ja geklagt werden.
Und egal ob Universität oder ÖH gewinnt, die riesigen Prozesskosten gehen dem Hochschulsektor sinnlos verloren.

Warum hier die Menschen bzw. die Medien die Regierung nicht and den Pranger stellen ist mir ein Rätsel.

Antworten Gast: mrx
27.04.2012 13:05
1

Re: Politik agiert verantwortungslos!

die menschen tun es ja...verbal
die medien (sollte jetzt mittlerweile schon jeder wissen) stehen hinter der politik

3 Hinweise

1) Die Studentenvertreter sollten sich von Pöbel und Randalierern distanzieren, sonst verlieren sie auch noch die letzte Glaubwürdigkeit.
2) Ein geringer Beitrag ist nicht nur legitim und nützlich sondern fördert auch das Verantwortungsbewusstsein.
3) Warum bitte zahlen EU-Ausländer nur so wenig??

Antworten Gast: Blenheim J
27.04.2012 14:43
0

...

1) die haben sich schon von der FP distanziert, keine Sorge; 2) geringer Beitrag? Sie haben wohl eine Luxusbeamtenpension .... 3) alle EU-Bürger zahlen gleich viel - siehe Diskriminierungsverbot. Oder meinten Sie mit EU-Ausländer fälschlicherweise Nicht-EU-Bürger?

Warum nicht jeder einen Beitrag pro Semester leisten soll, ist fragwürdig,

die Höhe des Beitrages für Nicht-EU Studenten und Langzeitstudenten kann ja erhöht werden!

Eine Absetztbarkeit der erhöhten (EUR 1000?) Studiengebühr von der ESt wäre zu diskutieren!

Das macht einen schlanken Fuss und hilft jenen, die in Ö Steuern zahlen!

Österreichische Lösung

ja auf solche Lösungen sind wir stolz, wir machen schlampige Gesetze und schon braucht man keine politische Meinungsbildung mehr, es regelt sich von selbst.

Gast: stud erm. 223
27.04.2012 11:49
6

Die ÖH? Die Ahnungslose Partie?


Wieviel die ÖH vom Geld versteht, hat sie eindringlich bei der Affäre "Café Rosa" bewiesen. Die sollen besser den Mund halten.

Gast: Durchschnittsbürger
27.04.2012 10:54
2

Tropfen auf den heißen Stein

Große Unternehmen und Politiker wie Grasser können ohne Probleme Milliarden EUR am Staat vorbeischleusen - von armen Studenten will man über 300 EUR Gebühren herauspressen - das ist für das Budget ein Tropen auf den heißen Stein - bringt genau nichts!

Holt euch das Geld lieber von jenen, die dem Staat wirklich schaden und Steuern schulden: Großunternehmer und Banken. Und auf der Ausgabenseite kann man auch sparen: Ein Fahrradbeauftragter der 4000 EUR verdient, ein Staatssekretär ohne Ausbildungsabschluss der über 10.000 EUR im Monat verdient, muß das sein? Gehalt auf 1200 EUR runter - soviel bekommt der Durchnittsösterreicher!

300 EUR auch von den Arbeitenden Menschen verlangen, die berufsbegleitend studieren und die Uni sowieso mit ihren Steuern finanzieren ist die nächste Frechheit!
Keine Studiengebühren für Arbeitnehmer!

Antworten Gast: sares
27.04.2012 11:33
0

Re: Tropfen auf den heißen Stein

Bitte informieren vor dem posten.

Arbeitnehmer sind befreit von den Gebühren.

Antworten Antworten Gast: Wissensdurst
27.04.2012 13:02
0

Re: Re: Tropfen auf den heißen Stein

also ich finde es gerechtfertigt, dass Arbeitnehmer befreit sind, aber sind Sie sich da sicher?

wenn ja könnten Sie bitte einen Link oÄ posten, würde mich sehr interessieren.

Danke!

Re: Re: Re: Tropfen auf den heißen Stein

da ich im letzten studienjahr gearbeitet habe, kann ich aus erster Hand bestätigen, dass ab so ca. 5000 e/Anno keine gebühr zu bezahlen war

Antworten Antworten Antworten Gast: sares
27.04.2012 14:36
0

Re: Re: Re: Tropfen auf den heißen Stein

Tut mir leid ich habe den Link nicht sondern es gestern über diverse Medien aufgenommen.
Bin mir aber sicher,dass der endgülige Zustand mit allen Ausnahmen bald auf univie abrufbar sein wird.

lg

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Wissensdurst
27.04.2012 16:27
0

Re: Re: Re: Re: Tropfen auf den heißen Stein

Habe mittlerweile selbst recherchiert und es stimmt wirklich, man muss nur über die Geringfügigkeitsgrenze (natürlich 14 mal im Jahr) hinauskommen, dann ist man sowieso befreit. Dann hat sich ja die ganze Diskussion erledigt, da man das mit geringfügiger Beschäftigung während des Studienjahres und einem Ferialjob in die Ferien ja relativ leicht schafft.

Und entgegen der Meinung einiger Poster hier, man kann natürlich neben einem technischen Studium auch einer Beschäftigung nachgehen. Ich studiere selbst ein technisches Fach und es ist ja nicht so, dass man das ganze Semester durchlernt. Wenn man sich das durchplant und halt zur Not einmal 2 Wochen nicht fortgeht, ist es definitiv möglich. (ich spreche aus eigener Erfahrung)

Oh mein Gott

363,36 € pro Semester ist ja wirklich unerträglich :)

ich verstehe die Aufregung nicht viele Menschen bzw. Studenten geben alleine im Monat oft mehr Geld für irgend welchen Ramsch oder Partys aus aber 363,36 pro Semester will man sich nicht leisten können vorallem handelt es sich nicht mal um alle Studenten sonder um EU Bürger anderer Staaten oder Langzeit(-ich-will-nicht-arbeiten-gehen-hier-ist-es-warm-und-gemütlich-)studenten.

Re: Oh mein Gott

ich hab zeit meines Studiums Gebühren bezahlt.

bei einem sinnvollem Studium wie Medizin oder technik ist es nicht möglich, nebenher zu arbeiten. D.h. im Sommer 2-3 Monate arbeiten, dann geht sich das durchaus aus. Angenehm ist es nicht, aber man lebt als Student schon ohnehin WEIT unter der Armutsgrenze...

als Student muss man entweder ärmere Eltern oder Bauern als Eltern (zig Beihilfen)haben, oder wirklich reiche Eltern, ansonsten ist man ein armes SCHW..N
Leistungsstipendien schnappen einen POWI und andere sinnlossrudenten weg, ne 1 in Medizin oder Technik gibts nicht geschenkt.

Der dank für jahrelanges leben weit unter jeder Mindestsicherung: 3 Jahre nach Arbeitsbeginn Spitzensteuersatz bezahlen.

Theaterwissenschaft geht Taxi fahren und kriegt schon wieder zig Beihilfen...

Antworten Antworten Gast: pro-tipper
27.04.2012 18:11
0

pro-tip

studierende anderer disziplinen als "sinnlosstudenten" zu bezeichnen, ist weder besonders freundlich, noch besonders geistreich.


Antworten Antworten Gast: KgT
27.04.2012 14:45
0

re "ne 1 in Medizin"

Haben Sie daheim Deutschland oder bei uns studiert?

Re: re "ne 1 in Medizin"

bloß eine Freundin aus D :-)

Re: Re: Oh mein Gott

Sie haben die Lösung!!! Die Weisheit mit dem Löffel gefressen!! Studieren wir ALLE Medizin

Re: Oh mein Gott

"...nicht mal um alle Studenten sonder um EU Bürger anderer Staaten"

"...jene Studenten 363,36 Euro pro Semester, die aus einem Nicht-EU-Land kommen"

Antworten Gast: dragoner
27.04.2012 11:04
0

Re: Oh mein Gott

Daran kann man ja erkennen,es geht mMn gar nicht darum,dass es sich um eine Summe handelt welche alle Studenten zahlen müssen und welche nicht zu stemmen ist.

Nein,es geht um ein Weltbild,fern jeglicher Realität,in welcher alles gratis sein muss,auch wenn man nichts leistet.

Es geht nur um Klassenkampfmentalität,gegen das böse Geld,gegen das System,gegen die bösen Kapitalisten gegen alles und jeden und für gratis und Hängematte.

Träumer ohne Zukunft welche aber die Allwissenheit und Problemlösungskompetenz in ihrer unendlichen Weisheit für sich beanspruchen.

Re: Re: Oh mein Gott

Und was, wenn auch die zum Handkuss kommen, die sehr wohl etwas leisten?

Kein Student hier will diejenige fördern, die auf Kosten anderer faul sind und nichts leisten. Aber oftmals (nicht selten - das ist ja das Problem) kommen eben auch die zum Handkuss, die sehr wohl etwas leisten. Denn die Systeme sind nicht ausreichend ausgeklügelt.

Hin und Her

Zu den Studiengebühren kann man ja stehen, wie man will, aber dieses Ewige Hin und Her ist lächerlich. Jedes Jahr die Diskussion darüber, kaum ist die Gebühr eingeführt, wird sie wieder abgeschafft, um sie anschließend wieder einzuführen...

Das hat nicht viel mit sinnvoller finanzieller Planung oder Regierungsfähigkeit zu tun. Lächerlich und traurig, dass unsere Regierung nicht zu mehr Führung fähig ist.

Re: Hin und Her

wenn einzelne unis darueber selbst bestimmen koennen, gibts kein hin-und her. lokale selbstbestimmung ist jederzeit und ung'schaut zentraler fremdbestimmung vorzuziehen.

Re: Re: Hin und Her

ja, da könnte man wieder darüber diskutieren, ob so "Klassenunis" gefördert werden. Jemand, der sich den Unterhalt selbst zahlt, wird sparen, wo es geht und daher auf jene Unis gehen, die keine Gebühren verlangen. Dementsprechend ist dort die Ausbildung schlechter und man hat im Anschluss Schwierigkeiten bei der Jobsuche.

Meinen Sie nicht?

Am Ende muss man sich die Frage stellen, ob man dieses Klassensystem, das einfach zwangsweise entstehen wird, fördern möchte.

 
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