Studiengebühren: Studium an TU Wien bleibt gratis

07.05.2012 | 16:35 |   (DiePresse.com)

Der Senat der Technischen Universität Wien hat sich mit großer Mehrheit gegen die autonome Einführung von Studiengebühren entschieden.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

An der Technischen Uni Wien wird auch im kommenden Wintersemester das Studium für alle Studenten kostenlos sein: Der Senat der Uni hat am Montagnachmittag in seiner Sitzung den Antrag des Rektorats, künftig in Eigenregie Studiengebühren einzuheben, mit einer großen Mehrheit abgelehnt. Das hat die Uni in einer Aussendung mitgeteilt. 19 Senatsmitglieder sprachen sich dagegen aus, nur sieben befürworteten den Antrag der Unileitung.

Das Uni-Rektorat hatte um eine Wiedereinführung von Studiengebühren in jener Form angesucht, wie sie vor der Aufhebung von Teilen der Studiengebührenregelung durch den Verfassungsgerichtshof (VfGH) eingehoben wurden. Bis zum Wintersemester 2011/12 mussten nur Nicht-EU-Bürger sowie Studenten, die die Mindeststudiendauer um mehr als zwei Semester überschritten haben, bezahlen. Durch umfangreiche Ausnahmeregelungen waren zuletzt rund 15 Prozent der Studenten beitragspflichtig. Das Sommersemester war mangels Einigung zwischen den Koalitionspartnern bereits für alle Uni-Studenten kostenlos.

Rektorin regiert enttäuscht

Die Rektorin der TU Wien, Sabine Seidler, rechnet nach der Abfuhr durch den Senat mit einer erneuten Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation ihrer Uni. "Aus finanzieller Sicht ist dieser Beschluss für die TU Wien außerordentlich schwierig", kommentierte sie die Abstimmung in der Aussendung. Die TU Wien hat Schulden und sich selbst einen rigiden Sparkurs verordnet, zuletzt wurde ein Aufnahmestopp in den vier Lehramtsstudien Mathematik, Chemie, Physik und Informatik ab dem Wintersemester 2012/13 angekündigt.

Seidler erklärte, dass die Uni ihr Jahresergebnis zwar von einem Minus von 18,6 Mio. Euro (Jahresabschluss 2010) auf minus 3,3 Mio. Euro (2011) verbessern konnte. Für 2012 müsse man nun wieder von einer Verschlechterung ausgehen, da der Wegfall von ca. 3,8 Mio. Euro jährlich an Studiengebühren nicht durch weitere kurzfristige Sparmaßnahmen kompensiert werden könne. Sie appellierte an die Politik, in der Frage von Studiengebühren für Rechtssicherheit zu sorgen.

ÖH zeigt sich erfreut

Naturgemäß positiv reagierte die HochschülerInnenschaft (ÖH) an der TU. "Wir sind sehr erfreut, dass der Versuch des Bundesministerium einen Keil in die Gemeinschaft der Universitätsangehörigen zu treiben, missglückt ist", so der Vorsitzende Martin Olesch (Fachschaftslisten, FLÖ) in einer Aussendung. Der Senat habe mit seiner Entscheidung Verantwortungsbewusstsein bewiesen, so die Studentenvertreter. Durch die Ablehnung des Antrags aus dem Rektorat sei finanzieller Schaden von der Uni abgewendet worden, da diese wegen des hohen Risikos auf Klagen ein Vielfaches der eingehobenen Studiengebühren zurückstellen hätte müssen und die finanziell angespannte Situation der TU Wien sich dadurch weiter zugespitzt hätte.

An der TU Graz wird der Senat sich heute Nachmittag mit der Frage autonomer Studiengebühren befassen, in den nächsten Tagen und Wochen stehen an acht weiteren Unis Entscheidungen über Anträge der Rektorate an. Bereits am Mittwoch (9.5.) wird an der Wirtschaftsuni und an der Uni Klagenfurt abgestimmt, am 15. Mai an der Uni Salzburg, am 16. Mai an der Uni Graz und am 30. Mai an der Veterinärmedizinischen Uni in Wien. Noch nicht fix ist, wann an der Uni Innsbruck, der Medizin-Uni Wien und der Kunstuni Graz entschieden wird. An der größten Hochschule des Landes, der Uni Wien, wurde bereits Ende April vom Senat die Einhebung von Studiengebühren in Eigenregie fix gemacht.

Neben der TU Wien wird auch an der Akademie für Bildende Kunst, der Uni für Angewandte Kunst, der Wiener Musik-Uni, der Medizin-Uni Innsbruck und an der Montanuniversität in Leoben das Studium im Wintersemester kostenlos sein.

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

34 Kommentare
 
12
Gast: Wupiu
09.05.2012 16:10
0

Der Hochschulsektor in Österreich

... macht nur 1,3% des BIP´s aus, der OECD Schnitt liegt bei 1,9%!

Die TU Wien hat im Gegensatz zu anderen technischen UNIs im deutschsprachigen Raum ein weitaus geringeres Budget pro Student zur Verfügung.

Es geht nicht um 3,8 Mill. Euro sondern um eine ordentliche und rechtlich gesicherte Ausfinanzierung der TU Wien die man mit anderen internationalen Unis vergleichen kann, mit oder ohne Studiengebühren

PS: es heißt Studienbeitrag, den für einen Beitrag kann man keine Leistung erwarten, für eine Gebühr jedoch sehr wohl .. nur mal als kleinen Denkanstoß (;

...

...und wird somit weiter vom Steuerzahler finanziert!


Antworten Gast: no_name
09.05.2012 16:33
0

Re: ...

So wie künftige Absolventen der Unis (egal ob mit Beitrag oder ohne) die nachfolgenden Generationen finanzieren werden. Abgesehen davon, dass die Steuerzahler auch mit eingehobenen Studienbeiträgen einen gewissen Teil weiter finanzieren werden/würden, denn es ist unmöglich, dass eine Universität sich alleine von Drittmitteln und 350€/Student und Semester finanziert!
Und nein, ich bin nicht gegen Studiengebühren. Nur wie an anderer Stelle schon gesagt wurde: verwendet könnte das Geld nicht werden, da das Risiko einer möglichen Rückzahlung zu groß wäre.

ur geil oida

die 350 mehr die mir da bleiben im halbjahr werd ich ur leiwand investiern da sind pi*daumen sicher so 100 grosse bier.

Antworten Gast: (_̅_̅_̅(̲̲(̅_̅_̲̅м̲̅a̲̅я̲̅i̲̅j­­­­­­­­̲̅u̲̅a̲̅n̲̅a̲̅_̅_̅_̅()ڪ­ے­~
08.05.2012 23:34
1

Re: ur geil oida

+1

Antworten Gast: TUmor
08.05.2012 23:18
1

Re: ur geil oida

+1

Gratis Studieren ist teurer!

mein erstes (Gratis) Studium an der TU kostete mich wegen unbeschränkten Zugangs und demzufolge überlasteter Strukturen fünf Jahre mehr als nötig:
5x 12x min1700= Euro 102.000

Mein zweites Master Studium an der TU war effizient, intensiv und auf höherem akademischem Niveau und kostete mich nur Euro 18.000,-

--> Gratis Studieren ist teurer für den betroffenen Studenten!!

Re: Gratis Studieren ist teurer!

Wer EUR 1.700,- zum Leben in Wien braucht ist entweder unfähig seinen Finanzen unter Kontrolle zu halten oder aber derjenige verwechselt sein Studium mit Urlaub.

In beiden Fällen liegt die Schuld weder bei den fhelenden Studiengebühren, noch bei den überrannten Unis und auch nicht an der Qualität des Unterrichts.

Für mich klingt es so, als würden Sie Ihr Studium bereuen. Stimmt das? Wenn ja, warum haben Sie diese Richtung gewählt?

Re: Re: Gratis Studieren ist teurer!

Die 1700,- sind der monatliche Mindestverdienst eines Absolventen, also die Opportunitätskosten wenn ich früher abschließen hätte können.

Ich bereue mein Studium nicht, ganz im Gegenteil, die TU hat auch Ihre Qualitäten, allerdings bot sie für ca. 1000 Erstsemestrige Hörsäle mit einem Fassungsvermögen bis max 300 inkl Stehplätze an. Weiters habe ich 3 Jahre gewartet um einen Prüfungsplatz für eine Grundlagenprüfung zu bekommen. Die Korrektur dieser Prüfung dauerte 8 Monate, womit ich ein weiteres Semester die Nachfolgeprüfung nicht machen konnte usw.

Rückblickend hätte ich besser in Graz oder im Ausland studieren sollen, was ich Studienbeginnern ohnehin empfehlen würde. Edinburgh zB

Re: Gratis Studieren ist teurer!

So ein Schwachsinn.

Re: Re: Gratis Studieren ist teurer!

Schwachen Sinns ist Ihre nicht vorhandene Argumentation

Re: Re: Re: Gratis Studieren ist teurer!

Na t'schuldigung - Sie schieben ihre Unfähigkeit auf die UNI - es gibt genug Studenten, die in Mindestzeit abschließen, manche brauchen halt 2 Semester länger.

Ok, es gibt welche, bei denen dauert es viel länger - aber das sind jene, die neben dem Studium schon ganz normal arbeiten gehen bzw. richtig gesagt neben dem arbeiten fertig studieren.

Wenn jemand wie Sie also 5 Jahre länger braucht (also kurz gesagt doppelt so lange wie die Mindestzeit) ist daran sicher nicht die TU schuld!

Re: Re: Re: Re: Gratis Studieren ist teurer!

Als ich absolvierte, war die Durchschnittsstudiendauer aller (unfähigen und fähigen) Studenten 22,5 Semster (Mindest 10Sem.). Ich kannte nur einen einzigen Studenten, der das Studium in 11-12 Semstern absolviert hat. Die lange Studienzeit liegt nicht nur daran, dass Architekturstudenten nebenbei arbeiten, sondern dass vor allem in der 1.Hälfte die Strukturen heillos überlastet waren.
Dass ich die zweite Studienhälfte unter der Mindestzeit absolvierte konnte den großen Zeitverlust am Anfang nicht mehr wettmachen, daher ist mir wie oben dargestellt ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden durch das "Gratisstudium" entstanden. In Ö zahlt man mit Zeit und mangelnder Qualität und somit in Summe deutlich mehr!

Von wegen Studiengebühren:

Es sind nicht die 350€, die mich dermaßen auf die Palme bringen! Es ist die Art und Weise wie mit den jungen Leuten und deren Familien(!) umgegangen wird!

Einmal möchte ich erleben, dass die Regierung so von heute auf morgen sagt: "Ok Leute, ab morgen bekommt jeder 700€ weniger Pension im Jahr!".


Re: Von wegen Studiengebühren:

erst das alte aufbrauchen bevor man was neues anfangt.

Gast: nocheintechniker
07.05.2012 22:11
8

Propaganda


"Trotz der rechtlichen Möglichkeit, ab Herbst wieder Gebühren einzuheben, ..."

Hier luegt die Presse. Die Rechtslage ist ungeklaert, der Minister wischt sich an den Unis ab.

Immerhin

könnte das ein paar Maturanten mehr dazu bewegen, was Ordentliches zu studieren.
Traurig, dass sich die TU schon sehr bald aus schierer Geldnot umentscheiden wird müssen.

Re: Immerhin

Ich bin mir nicht so sicher, ob man sich darüber freuen sollte, wenn ein Studium aus diesem Grund begonnen wird. Abgesehen davon, dass es dann gerade an der TU in 90% der Fälle noch im ersten Semester wieder abgebrochen wird.

Gast: Bettelstudent
07.05.2012 21:25
0

Nun stellt sich die Frage

ob auch alle zum Studium zugelassen werden?
Zahlreiche "Formalfehler" könnten konstruiert werden. Bis über den zweiten Devolutionsantrag beim VwGH entschieden wird, können Jahre vergehen. Danach wäre man für das Studium ohnedies zu alt.

Gast: knecht
07.05.2012 21:22
2

interessant...

..., dass die unis, an denen keine Studiengebühren eingehoben werden, jene sind, an denen die öhs konstruktiv mit dem rektorat zusammenarbeiten...an den anderen "rotzer"-unis mit öhs unter rot-grün gibts studiengebühren wohl zum trotz gegen das besetzer-pack

Eine sozial verträgliche Entscheidung des Rektorats.

Bei der Bildung sollte man dennoch nicht sparen,
daher sollte der Staat/die Allgemeinheit für die nötigen Mittel aufkommen.

Wirtschaftstheorie

Rein theoretisch sind TechnikerInnen derzeit von der Wirtschaft sehr stark nachgefragt, und es winken sogar hohe Gehälter. Damit wäre so ein Technikstudium eigentlich - wieder rein theoretisch- ein geeigneter Kandidat für besonders hohe Studiengebühren - denn es bringt hohe Einkünfte und die AbsolventInnen könnten sich somit die Rückzahlung allfälliger Kredite wohl am ehesten leisten. Dennoch scheint man die Realität noch nicht aus den Augen verloren zu haben, die da heißt : Österreich ist nicht USA, und die Aussicht auf Gebühren würde InteressentInnen hierzulande eher abschrecken, so ein MINT-Studium überhaupt erst zu beginnen. Rechtzeitige Information über Studien-, Karriere- und Einkommensmöglichkeiten schon im frühen Schulalter sind angesagt. Eventuell könnte man die einschlägige Wirtschaft mehr zum Sponsoring einladen, wenn sie schon so scharf auf die AbsolventInnen ist. Marktregeln im Sinne von Angebot und Nachfrage, so sehr sie oft als Argument für Studiengebühren missbraucht werden, funktionieren hier jedenfalls nicht.

Re: Wirtschaftstheorie

Ein Technikstudium ist also ein geeigneter Kandidat für besonders hohe Studiengebühren. Aha. Ihrer Logik nach müssten dann Psychologie, Kommunikationswissenschaften und Gender Studies kostenlos sein, da von der Wirtschaft kaum nachgefragt und den armen Absolventen nur niedrige Gehälter in Aussicht stehen.

Re: Re: Wirtschaftstheorie

Das könnte man daraus ableiten. Ich habe allerdings auch ausgeführt, warum ich der Meinung bin, dass dies bei MINT nicht funktionieren kann. GebührenbefürworterInnen bringen hin und wieder gerne marktwirtschaftliche Argumente ins Spiel, die hier einem Schuss ins Knie gleichkommen. Da ich allerdings in der gegenwärtigen Situation die Studiengebührendebatte aus verschiedensten Gründen absurd finde, bin ich für andere Lösungen. Bei den hier genannten Richtungen z.B. drängt sich eine weitestgenende Multimedialisierung auf, denn teure Labors oder personalaufwendiger 4-Augen-Unterricht sind hier sicher nicht erforderlich. Autodidaktik ist angesagt, gepaart mit einem Grundkurs in Unternehmensgründung und Selbständigkeit, damit man nicht allein auf grindige Angebote des Stellenmarktes angewiesen ist . Letzteres befürworte ich für alle Studienrichtungen.

Antworten Gast: R3alist
07.05.2012 21:09
1

Re: Wirtschaftstheorie

Ein Technikstudium alleine mit den Karriere- und Einkommensmöglichkeiten zu bewerben ist eindeutig der falsche Weg, denn ein TU-Studium ist sehr aufwendig und ohne Interesse und Fleiß ist es nicht zu bewältigen.

Wenn die Gesellschaft und die Politik wirklich mehr Techniker und Naturwissenschaftler in Österreich haben will, dann muss man in der Schule das Interesse und die Begeisterung dafür wecken. Aber derzeit ist dieser Wille nicht erkennbar: Die Regierung kürzt den Unis das Budget und auch in der Bevölkerung ist jeder stolz darauf, wenn er in der Schule schlecht in Mathe und Physik war.

@Sponsoring: Große internationale Unternehmen haben kein wirkliches Interesse an österreichischen Absolventen, denn wenn es hier zu wenige gibt, siedeln sie sich eben woanders an. Wenn dann die Qualität der Ausbildung an den Unis aufgrund von Geldmangel auch noch sinkt, hält sie überhaupt nichts mehr in Österreich.

Re: Wirtschaftstheorie

Die Absolventen tragen ihren Teil
mit den von ihnen geleisteten Steuern dazu bei.

 
12
AnmeldenAnmelden