Kern, Mahrer, Strolz: Die ÖH ist wieder Polit-Sprungbrett

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) hat sich inzwischen wieder als das etabliert, was es lange Jahre war: als Polit-Kaderschmiede. Der prominenteste Vertreter: Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). Er engagierte sich als Student beim roten VSStÖ. Im Bild: Kern auf einem Cover des VSStÖ-Magazins Rotpress aus dem Jahr 1989.

(c) ÖNB

In den Vorzimmern der Macht gibt es nun ebenfalls wieder viele ehemalige  rote Studentenpolitiker. Unter anderem Susannika Glötzl, die nun Kabinettschefin im Gesundheitsministeirium ist oder Kerns Kabinettschef Christopher Berka. Mit Maria Maltschnig (im Bild) hat eine einstige VSStÖ-Vorsitzende die SPÖ-Parteiakademie übernommen.  

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wirtschaftsstaatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) war für die ÖVP-nahe Aktionsgemeinschaft Chef der Hochschülerschaft an der Wirtschaftsuniversität.

(c) APA

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) war in seiner Studentenzeit bei der Aktionsgemeinschaft an der Universität für Bodenkultur aktiv. Ob er schon damals mit markigen Sprüchen auffiel, ist nicht überliefert.

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) war für die Aktionsgemeinschaft Chef der Hochschülerschaft an der Uni Innsbruck.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das hat der Vorarlberger Landeschef mit seinem Landsmann Neos-Chef Matthias Strolz gemeinsam: Der war nämlich ebenfalls für die Aktionsgemeinschaft ÖH-Vorsitzender in Innsbruck.

(c) APA

Zwei von Strolz' Abgeordneten im Nationalrat kommen ebenfalls aus der Studentenpolitik: Neos-Asylsprecher Nikolaus Scherak engagierte sich früher bei den pinken Studenten.

(c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)

Und Claudia Gamon war zweifache Spitzenkandidatin der JuLis (heute Junos), bevor sie ins Parlament einzog, wo sie heute Wissenschaftssprecherin ist.

(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Bei Sigrid Maurer (GRAS) klappte der Sprung in die Spitzenpolitik ebenfalls. Die Tirolerin sitzt mittlerweile im Nationalrat, ebenfalls als Wissenschaftssprecherin.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Übrigens nicht die einzige Grüne, die Studentenvertreterin war: Die Grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou war Mitte der 90er Jahre Generalsekretärin des ÖH-Zentralausschusses.

(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Die nicht unumstrittene ehemalige ÖH-Chefin Janine Wulz hat ebenfalls einen ersten kleinen Schritt von der Studentenpolitik weg in die klassische Politik gemacht. Sie ist seit 2015 grüne Bezirksrätin in Wien-Wieden. 

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Bei der SPÖ war die Studentenpolitik lange Jahre das ultimative Sprungbrett - bis in die höchsten Positionen. So war etwa Bundespräsident Heinz Fischer (SPÖ) Mandatar des Verbands Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ).

(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)

Auch Karl Blecha, ehemaliger roter Innenminister und heute als Pensionistenverbands-Chef meist im Zweigespann mit Seniorenbund-Chef Andreas Khol unterwegs, war Chef des VSStÖ (1954-56).

(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)

Der Industrielle und Ex-SP-Vizekanzler Hannes Androsch startete seine Polit-Karriere auch an der Spitze der roten Studierenden (1962/63).

(c) REUTERS (LISI NIESNER)

Und der Wiener Langzeit-Bürgermeister Michael Häupl (hier zu sehen beim Maiaufmarsch) war von 1975-77 Chef des VSStÖ.

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Gleich nach Häupl führte der ehemalige Grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger die SPÖ-Studenten an (1977-79). Er wechselte dann allerdings die Seiten.

(c) FABRY Clemens

Den umgekehrten Weg ging Ulli Sima, Spitzenkandidatin der Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) bei der ÖH-Wahl 1993. Sie wechselte zur SPÖ und ist heute Umweltstadträtin in Wien.

(c) Clemens Fabry

Auf der konservativen Seite war Ex-Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) in den 70er Jahren Funktionär der Österreichischen Studenten Union (ÖSU), einer Vorläuferin der heutigen AktionsGemeinschaft (AG), sowie ÖH-Vorsitzender an der Uni Linz.

(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Der spätere Innenminister und VP-Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Ernst Strasser, dem eine Korruptionsaffäre das politische Rückgrat brach, brachte es sogar zum ÖSU-Vorsitzenden und Fraktionsführer im Zentralausschuss, dem Vorläufer der heutigen Bundesvertretung.

(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)

Ähnlich beim Ring Freiheitlicher Studenten (RFS): So führte etwa der spätere Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager in den 1960er Jahren die Agenden des RFS.

(c) Clemens Fabry

Auch Ex-FPÖ-Klubobmann Norbert Gugerbauer hatte diese Funktion inne; er war außerdem in den 1970ern stellvertretender Vorsitzender der ÖH.

(c) APA (Rubra)

Helmut Krünes, später Verteidigungsminister im Kabinett Vranitzky, war Mandatar des RFS an der Technischen Universität Wien.

(c) FABRY Clemens

Der spätere FPÖ-Chef, Vizekanzler und Handelsminister Norbert Steger, war stellvertretender Vorsitzender des Rings Freiheitlicher Studenten.

(c) Clemens Fabry

Der ehemalige Landesgeschäftsführer der Wiener Grünen, Martin Margulies (im Bild links), wiederum war zu seiner Studienzeit ÖH-Chef an der Technischen Universität Wien - damals allerdings für die Fachschaftslisten.

Die ehemalige ÖH-Chefin Barbara Blaha (VSStÖ, rechts im Bild) sagte der Mutterpartei gar Adieu: Aus Protest an der Beibehaltung der Studiengebühren in einer SPÖ-geführten Regierung trat Barbara Blaha gemeinsam mit der VSStÖ-Vorsitzenden Sylvia Kuba im Jänner 2007 aus der SPÖ aus.

(c) FABRY Clemens
Kommentar zu Artikel:

Kern, Mahrer, Strolz: Die ÖH ist wieder Polit-Sprungbrett

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.