IT-Lerntools: Wir lernen immer und überall

11.01.2013 | 15:44 |  Von Christian Lenoble (Die Presse)

Was früher schlicht E-Learning genannt wurde, trägt nun Namen wie Game-based, Mobile oder Social Learning sowie Web 2.0 Applications. Was verbirgt sich dahinter? Wie werden die Anwendungen genutzt?

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Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers prophezeit digitalen Lernmedien in den nächsten fünf Jahren ein weltweites, jährliches Wachstum von 12,1 Prozent. Treiber der Entwicklung ist die zunehmende Einbindung IT-basierter Lernszenarien bei der Weiterbildung, die für den beruflichen Erfolg heute nicht mehr wegzudenken ist.

Wie man die Zugangsschwellen für digitales Lernen niedrig hält, zeigt die Entwicklung der gerade auf den Markt gekommenen App E-POP (elektronisches persönlichkeitsorientiertes Portfolio, im Auftrag des Österreichischen Zentrums für Persönlichkeitsbildung und soziales Lernen, ÖZEPS). Die erforderliche Infrastruktur für die Anwender erschöpft sich dabei in einem Smartphone und einem Moodle-Server zur Datenspeicherung.

„E-POP kombiniert selbstangeleitetes Lernen mit unterschiedlichen Bildungsstandards. Die Bearbeitung erfolgt über eine Smartphone-App“, erläutert Andreas Riepl, CEO von Global Training Network, GTN, der als Leiter des E-Learning Clusters OÖ federführend an der E-POP-Entwicklung beteiligt war. Aufgaben und Übungsbeispiele werden von einem Moodle-Server in die App geschickt und können selbstständig gelöst werden. Durch die Bearbeitung einzelner Aufgaben färben sich Kompetenzfelder ein und dokumentieren somit den Lernfortschritt. Um die Kompetenzlandkarte um individuelle Interessensbereiche des Nutzers zu erweitern, werden von den Anwendern neue Themenbereiche selbst angelegt. „Ausarbeitungen von eigenen Beispielen, Leistungsnachweise zu verschiedenen Fachgegenständen und Themengebieten oder Dokumente kreativen Gestaltens werden über die E-POP-App erfasst und mit Kompetenzbeschreibungen versehen. Leistungsnachweise, die auf diese Art durch den Lernenden erfolgen, werden in der Moodle-Installation abgelegt“, erklärt Riepl. Durch so genannte „Views“, dabei handelt es sich um Freigaben für bestimmte Personen, können zudem Zusammenstellungen von Inhalten für unterschiedliche Zielgruppen erfolgen.

Weiterbildung für Lehrer


IT-basierte Lernanwendungen wurden auch beim Projekt des Landesschulrates für Oberösterreich „FLiP – Future Learning Perspectives“ verwendet, das im Dezember letzten Jahres den Lifelong Learning Award 2012 für das beste Projekt im Bereich des Bildungsprogramms Comenius Regio der Europäischen Union bekam. Dieses hatte sich zum Ziel gesetzt, die Personalentwicklung von Lehrern in beiden Regionen voranzutreiben und durch ein „Teacher Placement“ zu vertiefen. „Getragen war das gesamte Projekt von einer bereits seit 2005 gelebten Partnerschaft, in der wir die Stärken und Erfahrungen unserer beiden Regionen vor allem im Bereich E-Learning zusammenführen, um aus der Kooperation Kraft, Ideen und Motivation für innovative Entwicklungen in unseren Ländern zu schöpfen“, erklärt Wilfried Nagl, Landesschulinspektor technische und gewerbliche Lehranstalten, zur Zielsetzung, Lehrer im Umgang mit neuartigen IT-Lehrmethoden zu schulen. „Dabei ging es um die Entwicklung von E-Learning-Materialien, die Online-Arbeitsgruppen in Oberösterreich und Nordirland die Arbeit an gemeinsamen Projekten ermöglichen.“ Die Ergebnisse wurden in die weitere Arbeit im Bereich E-Learning integriert.

Die Vision der Zukunft lautet mit Sicherheit: lernen, wo man will, was man will und wann man will. Dafür Sorge trägt die Entwicklung bei den mobilen Kommunikationsgeräten, deren Zahl laut Cisco Global Mobile Data Traffic 2013 jene der Menschen bereits übertreffen wird. Der E-Learning-Sektor hat die Zeichen der Zeit erkannt. Ob auf den E-Learning-Fachmessen Learntec in Karlsruhe, Learning Technologies in London oder den Kongressen in Zürich und Australien – Mobile Learning war zuletzt stets Thema Nummer eins. „Um E-Learning in die individuellen Lernkonzepte zu integrieren, empfiehlt es sich, ,blended Learning‘- Programme zu schaffen. ,Blended‘ steht dabei zum einen für eine Verlinkung zwischen Face-to-Face-Events und mobilen Lehrprogrammen und zum anderen für eine Kombination von E-Learning und M-Learning, dem Lernen über mobile Kommunikationsgeräte“, sagt Christina Meiers von der imc information multimedia communication Gesellschaft. Mögliche Beispiele: Add-on-Module für Smartphones oder Tablets, die klassische E-Learning-Programme unterstützen, Zusammenfassungen von E-Learning-Sessions oder Face-to-Face-Events in Form von Checklists oder die mobile Integration von Teilnehmern mittels Lern-Chats und -Communitys.
Ob IT-basiertes Lernen der einzig denkbare Weg in der Zukunft ist, bezweifeln Experten dennoch. „Trotz der Euphorie rund um technische Innovationen ist es entscheidend, das Lernen und nicht die Technologie in den Vordergrund zu stellen“, betont Nagl. Technologie könne immer nur als ein Werkzeug verstanden werden und dürfe den Lernprozess nicht dominieren, sondern müsse ihn verbessern.

Auf einen Blick
E-Learning: Lernen mithilfe elektronischer Medien, Internet, E-Mails
Blended Learning: E-Learning im Mix mit technologiefreiem Lernen, etwa Vorlesungen
M-Learning: Mobile Learning

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.epop.at; www.gtn-solutions.com;
www.oezeps.at; http://flip.eduhi.at;
www.learntec.de

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1 Kommentare

alter Hut,

auf neuem Kopf. Schon vor 20 Jahren, in den Anfängen der schulischen PC Überschwemmung, haben bemühte Lehrer einfache Übungsprogramme geschrieben - heute natürlich Learning-Apps. Es geht aber darum, was beim ganzen App.-Hype letztlich sinnvolles herauskommt.

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