Am Mikrofon, vor der Kamera und im Netz

Studenten als Medienmacher. Neue und alte Medien und Projekte an den Hochschulen.

Alte Rollfilmkamera - old roll film camera
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Alte Rollfilmkamera - old roll film camera
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An Österreichs Hochschulen wird gedreht, gesendet, geschnitten und gebloggt: Auf den Campus der Republik finden sich Ton- und Fernsehstudios, entstehen Onlinemedien und natürlich unzählige Beiträge in den sozialen Netzwerken. Das jüngste Projekt studentischen Fernsehens hat gerade in dieser Woche sein Debüt gefeiert: Mit Lautstark-TV bekommt die gleichnamige Studentenzeitschrift an der Klagenfurter Alpen-Adria-Universität einen Fernsehableger, der zweimal pro Semester eine Sendung produziert und über die Webseite und YouTube verbreitet. „Wir sind eine Gruppe von rund 20 Leuten, die sich auf diese Art selbst praktische Erfahrungen in den Bereichen Redaktion, Produktion und Social-Media-Marketing aneignen wollen“, erklärt Florian Semmler, Student der Medien- und Kommunikationswissenschaften und nebenberuflicher Kameramann, der das Projekt gemeinsam mit „Lautstark“-Print-Chefredakteurin Desiree Leitner ins Leben gerufen hat. Mit den Beiträgen wendet sich das Campus-TV an die Studierenden der Uni Klagenfurt, aber auch an Maturanten und angehende Studenten. „Unsere Themen drehen sich ums Uni-Leben“, so Semmler, „in der ersten Sendung geht es um einen Poetry Slam, die Kletterwand der Sportuni und Bewerbungstipps von der Berufsinfo-Messe – es soll eine Mischung aus Information, Unterhaltung und kritischen Beiträgen sein“.

Die Gelegenheit, praktische Erfahrungen vor und hinter der Kamera zu sammeln, haben die Studierenden an der FH St. Pölten schon seit fast zehn Jahren. Hier startete 2006 das Campusfernsehen C-TV als Ausbildungsfernsehen, heute finden sich die Sendungen der Studierenden auf Okto-TV, außerdem gibt es Sendeplätze im Österreichfenster von Br Alpha und ORF III. Produziert werden diese überwiegend von einem Kernteam aus Studierenden, das regelmäßig neu zusammengesetzt wird. „Diese Plätze werden jedes Jahr ausgeschrieben, und wir haben mittlerweile deutlich mehr Bewerber als Plätze“, erklärt Georg Kuntner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter von C-TV, „daher können wir jedes Jahr ein wirklich gutes Team zusammenstellen.“ Das auch unter wirklich guten Bedingungen arbeiten kann: „Wir sind medientechnisch toll equipped“, freut sich Kuntner, „haben ein großes Studio mit Greenbox, moderne Kameras, professionelle Schnittplätze und starke Rechner.“ Produziert wird mit diesen Mitteln ein Programm, das sich nicht nur an Studierende, sondern grundsätzlich an die Zielgruppe der 14- bis 30-Jährigen richtet, und an „alle darüber, die sich für Experimente mit dem Medium Fernsehen interessieren“, so Kuntner. Ganz nebenbei ermöglicht es den Studierenden, sich Referenzen zu schaffen, die bei potenziellen Arbeitgebern gut ankommen.

 

On air in NÖ und Vorarlberg

An diesen arbeiten auf dem gleichen Campus auch die Kollegen vom Radio, die auf der UKW-Frequenz 94.4 das Campus und City Radio 94.4 (CR 94.4) senden. „Seit über zehn Jahren schon gibt es das Studentenradio, vor fünf Jahren ist der freie Radiobereich dazugekommen“, erklärt Programmintendantin Anna Michalski, „daraus ist dann eines der 14 freien Radios Österreichs geworden“. An der FH engagieren sich die Studierenden im Rahmen eines Freifachs, in dem derzeit rund 50 Teilnehmer eingeschrieben sind. „Rund 20 von diesen Studenten pro Semester bleiben auch danach und gehen in ihrer Freizeit on air“, weiß Michalski. Und sie vertiefen dabei nicht nur ihre praktischen Fähigkeiten, sondern knüpfen auch Kontakte zu Labels und gewinnen hin und wieder sogar Preise für ihre Sendungen. Diese richten sich bei CR94.4 nicht nur an die Studenten-Community, drehen sich um Themen wie Soziales, Politik, Kultur, Kunst, Gesundheit und natürlich Musik. In Kooperation mit Studiengängen wie der Diätologie entstehen hier Sendungen wie die „Nutri-Lounge“, die kürzlich mit einem Preis im Gesundheitsbereich ausgezeichnet wurde.

Auch an der FH Vorarlberg sind die Studenten aller Fachrichtungen eingeladen, beim Radio Achwelle mitzumachen. Schon seit 1997 sind die Beiträge der Studierenden auf Radio Proton zu hören, zehn Studierende engagieren sich aktuell für das Programm, das auch in eine Lehrveranstaltung pro Jahr integriert ist. „Wir würden uns freuen, wenn es mehr wären“, gibt die Verantwortliche, Nina Hofer vom Department für Gestaltung und mediale Kommunikation, zu. Denn derzeit finden sich zu wenig Studierende, um wöchentlich eine Sendung zu machen. „Aber diejenigen, die mitmachen, sind super engagiert“, so die Vorarlbergerin, „und produzieren drei bis vier richtig gute Sendungen pro Semester.“ Der Anspruch sei hier, keine „Quatschsendungen“ mit Liveübertragungen von Festen im Studentenheim zu machen, sondern sich anspruchsvollen Themen zu widmen. Wie in der jüngsten Sendung, in der Österreichs ältestes Studentenradio das Thema Kinderarbeit auf den Baumwollfeldern beleuchtete. Dabei gingen die Studenten auch der Frage nach, wo sich ethisch einwandfreie Kleidung kaufen lässt, und haben gleich einen Flohmarkt organisiert, dessen Erlös einem Flüchtlingsheim zur Verfügung gestellt wird.

 

Englisch und online in Wien

Das jüngste Medium wird seit gut zwei Jahren an der Webster-Universität genutzt, seit mit „The Loop“ die einstige Print-Studentenzeitung durch eine Onlinevariante abgelöst wurde, im Rahmen derer 20 bis 25 Studierende unter der Federführung von Senior Research Professor Michael Freund zu Themen vom Uni-Leben über Kulinarisches bis zu Meinung und Politik publizieren. Das Besondere an „Loop“: Hier wird auf Englisch geschrieben, für die internationalen Mitstudenten, aber auch für die junge englischsprachige Community in Wien. „Wir haben zwar Kurse wie ,Introduction to Media Writing‘, ,Online Journalism‘ oder ,Writing for interactive digital Media‘“, so Freund, „aber das Engagement für ,The Loop‘ ist freiwillig – und es ist gar nicht immer leicht, Studierende zu finden, denn die haben ein großes Pensum zu bewältigen“, so der Chefredakteur. Diejenigen, die sich bei der Onlinezeitung engagieren, schätzen vor allem die Gelegenheit, den eigenen Lebenslauf mit Publikationen zu bereichern oder einfach die ersten eigenen Schritte im modernen, westlichen Journalismus zu gehen. Was vor allem für Studierende aus manchen Ländern Osteuropas oder dem Nahen Osten eine wichtige Erfahrung sei, so Freund. (sma)

ON AIR UND ONLINE

Fernsehen:

Ganz neu: Lautstark-TV, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt http://oehlautstark.wordpress.com/lautstark-tv Campusfernsehen der FH St. Pölten, www.campusfernsehen.at

Radio:

Campusradio der FH St. Pölten, www.campusradio.at

Radio Achwelle der FH Vorarlberg, www.radioachwelle.at

Online:

„The Loop“, Webster University http://theloop.vienna2.com/online/

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2014)

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