Lehre

Lehrlinge: Mindestzahl an Stunden in der Berufsschule

Angehende Wachszieher mussten bisher nur 800 Stunden an der Berufsschule lernen, Gießereitechniker 1620. Künftig soll ein Mindestmaß von 1260 Stunden gelten.

Auch bei den Friseuren gibt es in Zukunft mehr Stunden.
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Auch bei den Friseuren gibt es in Zukunft mehr Stunden.
Auch bei den Friseuren gibt es in Zukunft mehr Stunden. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wie viel Zeit Lehrlinge in der Berufsschule verbringen, ist derzeit je nach Sparte unterschiedlich: Im Tourismus sind es 1080 Stunden, im Handel 1080 bis 1260, bei Friseuren, Floristen, Bäckern etc. 1200 und bei KFZ-Technikern 1440 Stunden. Künftig sollen alle Lehrlinge mindestens 1260 Stunden Berufsschulbildung erhalten, sieht ein in Begutachtung geschicktes Gesetz vor.

Sowohl Jugendliche mit Lehrvertrag als auch diejenigen, die keinen regulären Lehrplatz gefunden haben und eine überbetriebliche Lehrausbildung machen, müssen neben der praktischen Ausbildung eine Berufsschule besuchen. Ab Herbst soll nun in jeder Sparte eine Mindestanzahl von 1260 Stunden gelten. Für manche Branchen bedeutet das eine deutliche Anhebung der Ausbildungsstunden: Angehende Lebzelter und Wachszieher oder Obst- und Gemüsekonservierer etwa mussten die Berufsschule bisher nur 800 Stunden, Rauwarenzurichter 840 Stunden lang besuchen. In anderen Sparten ist hingegen schon jetzt deutlich mehr Theorie Usus, etwa in der Binnenschifffahrt (1500 Stunden) oder bei der Ausbildung zum Konstrukteur oder in Gießereitechnik (1620 Stunden).

200 Lehrpläne überarbeitet

Betroffen von der Neuerung sind 110.000 Lehrlinge an den 149 Berufsschulen, insgesamt wurden dafür 200 Lehrpläne überarbeitet bzw. neu erstellt. Laut Bildungsministerium wird die Neuregelung nach Umstellung aller Jahrgänge auf das neue System 8,5 Mio. Euro zusätzlich pro Jahr kosten, die Bund und Länder zu gleichen Teilen übernehmen.

"Mit mehr Stunden in der Berufsschule werten wir die Lehre auf und verbessern die Qualität", betonte Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) beim Besuch einer Berufsschule am Dienstagnachmittag anlässlich der geplanten Gesetzesänderung. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) sah durch die Reform sichergestellt, dass die Lehrlinge "nicht nur handwerklich top ausgebildet werden, sondern auch genug Zeit haben, ohne Stress den Stoff in der Schule lernen zu können".

Zahl der Lehrlinge seit Jahren rückläufig

Die Ausweitung der Mindeststundenzahl an den Berufsschulen ist nach Einführung des Modells Lehre mit Matura und der Ausbildungspflicht bis 18 ein weiterer Versuch, die Lehre aufzuwerten. Derzeit beginnen laut Bildungsministerium 40 Prozent der Jugendlichen nach der Pflichtschule (Neue Mittelschule, AHS-Unterstufe) eine Lehre. Allerdings ist in allen Bundesländern abseits von Wien die Zahl der Lehrlinge seit Jahren rückläufig, in den vergangenen zehn Jahren gab es einen Rückgang um zehn Prozent.

 

(APA)

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