Bloggen: Wenig Glamour, sehr viel Arbeit

Die viel gehypten Internettagebücher sind alles andere als Selbstläufer. Um erfolgreich zu sein, braucht es einen USP, viel Fleiß und auch eine Menge Fachkenntnis.

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Symbolbild. – (c) imago/Levine-Roberts (Richard B. Levine)

Blogs, also tagebuchartig geführte Webseiten (das Wort entstand aus der Zusammensetzung von „web“ und „logbook“), erleben noch immer eine mediale Blüte. Dementsprechend hoch gesteckt sind oft die Erwartungen. Ist doch immer wieder von Bloggern zu hören, die dadurch reich geworden sind, sich täglich ihrer Fan-Community mitzuteilen. Vor allem in der Mode- und Lifestyle-Branche können sich professionelle Blogger durch die auf ihren Seiten geschalteten Bannerwerbungen, durch Verlinkung mit von ihnen empfohlenen Bestellprodukten und vor allem durch Werbekooperationen mit Firmen angeblich goldene Nasen verdienen.

 

Präsenz in Social Media

Nüchterner hört sich dies bei Österreichs erfolgreichster Familienbloggerin, Christina Tropper, an. Aufgrund der enorm angestiegenen Zahl von Bloggern sei es heute keineswegs einfach, eine große Leserschaft aufzubauen, sagt Tropper. Die Journalistin und Mutter von Zwillingen brachte es im letzten Monat mit ihrem Blog „Einer schreit immer“ auf 200.000 Leser. Rund 21.000 Menschen folgen ihm in den sozialen Medien. Diskussionen auf Facebook etwa seien wesentlich für den Erfolg, sagt Tropper. Weiters die Nische (Probleme von Zwillingseltern und Eltern altersmäßig nahe beieinander liegender Kinder), aber auch die Ehrlichkeit ihres Blogs. „Es gibt hier Glossen aus dem Mama-Alltag ebenso wie Experteninterviews und Do-it-yourself-Tutorials – das kann ein klassisches Printprodukt nicht leisten.“ Mittlerweile sei der Blog zu einem richtigen Job geworden. Sie habe mehrere Gastautoren sowie eine fixe Koautorin.

Tropper unterrichtete an der Donau-Universtität Krems Bloggen für Start-ups und plant derzeit ein Kursformat am Kuratorium für Journalistenausbildung. In allen Ausbildungen versucht sie zu vermitteln, dass sehr viel Arbeit nötig ist, um vom Bloggen leben zu können. „Das Bloggerleben ist nicht so glamourös und lukrativ, wie viele denken.“ Der ideale Blogbeitrag müsse Content mit Mehrwert bieten, suchmaschinenoptimiert sein – also so gestaltet, dass er bei Google & Co. weit oben aufscheint – und ein sehr gutes Foto enthalten. Damit fange jedoch die eigentliche Arbeit erst an. „Beim Blog gibt es kein Medienunternehmen im Hintergrund. Daher muss der Blogpost in den sozialen Medien gestreut werden: Pinterest verlangt eine Grafik, Instagram ein cooles Bild, Twitter ein intelligentes Zitat und Facebook eine spannende Frage für die Community. Die Zukunft lautet aber YouTube. Bis 2019 werden 80 Prozent aller im Internet konsumierten Inhalte aus Videos bestehen. Und wer YouTube machen will, muss sich gut mit Schneideprogrammen auskennen, Wortwitz haben und telegen sein.“

Wer zunächst das ABC des Bloggens erlernen will, kann das in kompakten Kursen tun, demnächst zum Beispiel ab 28. Juni am BFI Wien. Dort wird in zwei Tagen vermittelt, wie man mithilfe des für seine einfache Handhabung bekannten Content-Management-Systems Wordpress die eigene Website gestaltet und bloggt.

 

Website ohne Programmieren

Zielgruppe sind Selbstständige, Jungunternehmer, PR-Agenturen, Online- und Social-Media-Manager, Marketing- und Internetverantwortliche sowie alle Interessierten, die ohne Programmierkosten einen professionellen Webauftritt anstreben. Kursleiter ist der Online-Marketing-Berater Ritchie Pettauer. Er möchte den Kursteilnehmern einen Überblick über Technologien und Möglichkeiten geben und andererseits die wichtigsten Techniken gemeinsam ausprobieren. „Bloggen hat im Wesentlichen drei Facetten: die technische Komponente, die inhaltliche Ebene und die Marketingkomponente“, sagt Pettauer. Im Kurs würden alle drei Aspekte überblicksmäßig behandelt. Der wichtigste Tipp des Fachmanns für künftige und bereits aktive Blogger: „Egal, wie viel Zeit man insgesamt investiert: Ein Drittel sollte für die Recherche der richtigen Themen, ein Drittel fürs Schreiben und ein Drittel fürs Verbreiten der Beiträge verwendet werden.“

Beim Wifi Wien findet mehrmals im Jahr ein eintägiger Kurs für Bloggen mit Wordpress statt, der sich vor allem mit IT- und grafischen Aspekten auseinandersetzt. Auch hier sind die Zielgruppe Personen, die privat oder beruflich Inhalte mit einem eigenen Blog im Internet veröffentlichen wollen. „Im Kurs werden zuerst die wichtigsten Fachbegriffe und technischen Grundlagen behandelt. Anschließend richten die Teilnehmer einen Wordpress-Blog ein und passen diesen an ihre Bedürfnisse an“, sagt Trainer Sepp Wiesbauer. Wesentliche Bestandteile des Kurses seien das web- und usergerechte Aufbereiten von Inhalten sowie auch die Analyse und das Lernen anhand von Best-Practice-Beispielen. Um mit Blogs erfolgreich zu sein, braucht man laut Wiesbauer neben einer guten Idee ein durchdachtes Konzept. „Blogs müssen gut mit den anderen Kommunikationskanälen eines Unternehmens oder einer Person vernetzt sein, dazu zählen vor allem die sozialen Medien. Eine wichtige Rolle bei Blogs spielt das Content Design, also die webgerechte Aufbereitung von Text, Bild und Video. Das ist vor allem hinsichtlich der Optimierung für Suchmaschinen wichtig.“

AUF EINE BLICK

Bloggen als Beruf ist harte Arbeit. Zuallererst braucht es ein Konzept, möglichst mit thematischem Alleinstellungsmerkmal. Danach müssen die Beiträge professionell gestaltet und auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder Youtube verbreitet werden. Die Beherrschung von CMS-Programmen wie Wordpress ist ebenso Pflicht wie gute Fotos und gegebenenfalls Videobearbeitung für Youtube. Infos zur heimischen Szene: www.blogheim.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2017)

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