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If you want to have a free society you have to have Rock 'n' Roll

12.07.2011 00:40 |  Teresa Reiter

Was ihre Musik angeht, haben die Serben zu Unrecht einen schlechten Ruf in der Welt. Die internationale Wahrnehmung serbischer Musik beschränkt sich auf einige wenige Künstler und dann meistens auf den Soundtrack des serbischen Nationalismus - Turbofolk. Dass Serbien vor Milosevic eine florierende Musikszene verfügte, die an Bedeutsamkeit Städten wie London und Paris nicht viel nachstand, wissen die wenigsten.

(c) Teresa Reiter CK13

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Was ihre Musik angeht, haben die Serben zu Unrecht einen schlechten Ruf in der Welt. Die internationale Wahrnehmung serbischer Musik beschränkt sich auf einige wenige Künstler und dann meistens auf den Soundtrack des serbischen Nationalismus - Turbofolk. Dass Serbien vor Milosevic eine florierende Musikszene verfügte, die an Bedeutsamkeit Städten wie London und Paris nicht viel nachstand, wissen die wenigsten. Über die Jahre in Isolation und geistiger Einengung durch die sozialistische Partei und Milošević sind die goldenen Zeiten der serbischen Musikszene mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Seit sich die Wirtschaft langsam erholt, gibt es mehr Möglichkeiten für Bands. Sie haben mehr Geld für Equipment. Die enorme Bandbreite an Software, mit der man zu Hause richtig gute Aufnahmen machen kann, hilft natürlich auch. Diese Entwicklungen tragen dazu bei, dass das musikalische Potential des Landes langsam wieder spürbar wird. Eine wirtschaftliche Verbesserung allein ist jedoch nicht alles. Die wiedergeborene Szene ist auf Vernetzung angewiesen. Social Media hat seinen Beitrag dazu geleistet, doch es existieren landesweit so einige linke Initiativen Jugendlicher, die sich für lokale Künstler einsetzen. 

(c) diePresse (Wieland Schneider) Jelena Tipsin und Ozren Lazic

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Ein solches Projekt ist das CK13-Jugendzentrum in Novi Sad. In einem legogrün-gelb bemalten einstöckigen Haus mitten in der Stadt bemüht sich eine Gruppe Jugendlicher ehrenamtlich, um die intellektuelle Beschaffenheit ihrer Generation. Das Zentrum verfügt über eine Art Foyer, das gleichzeitig Infostore und Bibliothek für antifaschistische Literatur ist. Die Idee ist, dass junge Leute sich hier treffen und über ihre Bands und Projekte reden, dabei ein zwei Bier trinken und sich wohlfühlen, erklärt uns Koordinatorin Jelena Tipsin. Gemeinsam mit einigen anderen organisiert sie die Aktivitäten des Zentrums. Hier kennt sich eine aus, spürt man sofort, wenn sie zu erzählen beginnt. Man muss unterscheiden zwischen der Musik während des Sozialismus, den 90ern und allem was nach 2000 passiert ist, sagt sie. Es gibt Bands, die bereits zur Milosevic-Zeiten kritisch Stimmung gemacht haben, wie die Partibrejkers etwa. Dann gibt es natürlich eine Menge unpolitischer Bands, die nur Spaß verbreiten wollen. Das ist nicht schlecht, meint Booker Ozren Lazic, aber Musik sollte doch auf positive Weise beeinflussen. CK13 begreift sich selbst als eine Institution, die die musikalische Verbreitung einer verantwortungsvollen politischen Haltung unterstützt. Bevor eine Band im CK13 spielen darf, wird sie genau auf ihre Texte und ihren Background gecheckt. „Wir wollen eine offene und tolerante Gesellschaft hier in Serbien“, sagt Jelena. „And if you want to have a free society you have to have Rock 'n' Roll“ fügt sie mit ernster Mine hinzu. Gerade für junge Leute funktioniert Musik gut als Link zur Politik, sagt sie. Die Entstehung des Exit Festivals ist nur ein Beweis dafür. 

(c) diePresse (Wieland Schneider) Jelena Tipsin

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Globalist

Über die Autoren

  • Thomas Seifert bereiste als Reporter u.a. Tschetschenien, Sudan, Irak, Kosovo oder Nordkorea. Für "Die Presse" berichtet Seifert seit Jänner 06 aus aller Welt.
    Wieland Schneider ist stellvertretender Außenpolitikchef und Südosteuropaexperte der "Presse".
    Hannah Stadlober, ist Gewinnerin von Reporter'12 und wird mit Thomas Seifert aus Thailand und Malaysia zum Thema "Kein Recht auf Sprache - Die Identitätskrise der pattani-malaisischen Minderheit in Südthailand" für "Die Presse" berichten.

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