Gold statt Sparbuch: Warum die Menschen in Asien auf zehntausenden Tonnen "Schmuck" sitzen

25.04.2013 09:40 |  von Nikolaus Jilch

Papiergold hin, Derivate her - die Menschen in Asien halten fast die Hälfte allen Goldes als "Schmuck". Und sie wollen mehr.

Lassen wir die hochtrabend philosophischen Betrachtungen zu Gold, Geld und Wert mal beiseite und sehen uns die harten Fakten an. Im 21. Jahrhundert nach Christus ist das glänzende (und in der Industrie kaum verbrauchte) Metall nämlich noch immer ein riesiger und wichtiger Markt.

Ein Markt mit Geschichte. Der lydische König Krösus war für seinen Wohlstand bekannt (daher der sprichwörtliche Name). Er prägte die ersten Goldmünzen. Das war rund 550 vor Christus. Und solte es damals schon penetrante Goldfans gegeben haben, die ständig auf der langen Geschichte des Metalls herumgeritten sind - es wäre nicht verwunderlich, denn die Prägung der ersten Münzen ist mitnichten der "Beginn" von Gold als "Asset" gewesen. Soweit man das heute beurteilen kann, fasziniert das Metall die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes "seit Anbeginn". Zigaretten, Muscheln, Papier, Bitcoins(?): fast alles kann "Geld" sein. Die Henne-Ei-Frage ist in diesem Fall aber leicht zu klären: zuerst kam das Gold, dann das Geld.

Die heutige Goldwelt würde Krösus freilich nicht verstehen. Nach den (konservativen) Schätzungen des World Gold Council werden an den "Märkten" heute etwa 2300 Tonnen Gold gehandelt - rund die weltweite Minenproduktion eines Jahres - und zwar täglich.

 

8,6 Billionen Dollar 

Vergessen wir aber auch diese Spielerei an den "Märkten" und konzentrieren uns auf das physische Gold. Weil es praktisch unzerstörbar ist und von den Menschen seit jeher als wertvoll betrachtet wird, passen wir auch ganz gut darauf auf. Die meisten seriösen Schätzungen gehen deshalb davon aus, dass fast alles in der Geschichte geförderte Gold noch da ist: 171.000 Tonnen. Gegenwert beim aktuellen "Goldkurs": rund 8,6 Billionen Dollar - also 8600 Milliarden - knapp mehr als die Hälfte der von den USA aufgehäuften Schulden.

Dieses Kapital liegt einfach so rum - und wird (relativ zu allen anderen Dingen) je wichtiger, desto höher der Preis steigt. Die Geschichte ist voll von "Neubewertungen" dieser rumliegenden Goldreserven. Das ist ein beliebter und praktischer Trick in Krisenzeiten, wenn das aktuelle Papiergeld ins Strudeln gerät. Es ist auch eine Form der "Enteignung der Sparer" - aber nur derjenigen, die nicht (auch) in Gold sondern (nur) in Papiergeld oder Papier-nominierten Anlageformen gespart haben. Das Sparbuch grüßt aus dem Zypern-Urlaub!

Aber wo liegen sie rum, diese "stillen Reserven"? Bei solchen Fragen ist eine Tortengrafik immer hilfreich.

 

 above ground gold

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Die Verteilung aller Goldbestände

(Quelle: Thompson Reuters GFMS)

 

Gold als Massenware

Jetzt wird es interessant: Das World Gold Council betrachtet generell die Official Holdings (also Zentralbanken plus IWF) und das Private Investment als den "Goldmarkt" im Sinne von "handelbaren Beständen". Zusammen 37 Prozent des Goldes.

Aber das ist eine sehr westliche Denkweise. Wenn wir Jewellery lesen, wir denken an sündhaft teure Schmuckstücke aus der Innenstadt - deren Kaufpreis den Materialwert des verwendeten Goldes meist weit übersteigt. Aber waren Sie schon mal auf einem Goldmarkt in Asien? Am Gold Souk in Dubai zum Beispiel?

Dort ist Gold Massenware und die Gestaltung der Stücke zweitrangig. Der "Schmuck" wird nah am Goldpreis verkauft - ähnlich wie Barren und Anlagemünzen - bei denen man auch nicht "viel" für die Prägung aufzahlen muss.

Was auf solchen Märkten als "Schmuck" gekauft wird, kann im Fall der Fälle "zu Barem" gemacht - oder sogar eingeschmolzen werden. Ok, vielleicht hindert der Schmuckstatus des Goldes vor dem allzu schnellen Verkauf - und hilft so beim langfristigen Sparen. But you get the picture. (Die Schmuckform hilft auch vor allzu gierigen Regierungen; Stichwort Goldverbot. Anders als Münzen und Barren sind Schmuckstücke von einer etwaigen Gold-Abgabepflicht meist entbunden gewesen.)

Gut. Die nächste Grafik sollte jetzt nicht mehr sehr überraschend sein.

 

 schmuckverteilung

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Wo der "Goldschmuck" liegt

(Quelle: World Gold Council)

 

Gute und schlechte Nachrichten

Die Hälfte allen weltweit vorhandenen Goldes ist als "Schmuck" zum Zwecke der Absicherung und des langfristigen Sparens gebunden. Mehr als ein Viertel in Indien und China alleine, die "dicken Brocken" Vietnam, Türkei, Thailand und die arabische Welt "verstecken" sich unter "Rest der Welt". Die Massen in Asien kaufen Gold, weil man eben Gold kauft, wenn man "zu viel" Geld hat. Und man verkauft erst, wenn man "zu wenig" Geld hat - ziemlich unabhängig vom Preis.

Die "schlechte" Nachricht für den Westen: Auch das Private Investment Gold geht in Form von Münzen und Barren inzwischen verstärkt in Richtung Osten. In Europa und den USA sitzen hingegen oft Anleger, die glauben, man könne "eine Position" in Gold "per Knopfdruck" eröffnen (Stichwort: ETF). Die werden sich noch wundern.

Die "gute" Nachricht für den Westen: In manchen Ländern (wie Österreich, Deutschland und der Schweiz) gehört physischer Goldbesitz sehr wohl zur "Tradition". Die verheerenden Inflations-Erfahrungen des 20. Jahrhunderts stecken vor allem den Deutschen noch immer in den Knochen. Sie halten laut mehr oder weniger verlässlichen Schätzungen rund 8000 Tonnen Gold in Privatbesitz. Das ist freilich nur ein Bruchteil des "Gesamtvermögens" und auch nur die Hälfte der privaten "Goldreserven" in Indien - aber es gibt auch zehnmal so viele Inder wie Deutsche. 

Und: Die "westlichen" Zentralbanken halten den größten Teil der Official Holdings. Dazu mehr beim nächsten mal.

26 Kommentare
 
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Weiter so!

Hallo Herr Jilch!

Guter Text wieder! Grundlagen legen!

Mit dieser Schritt-für-Schritt-Didaktik, denke ich, bauen Sie sich für später ein gutes Fundament – auch für die härteren Brocken ;) (( Seien es Themen oder Leser oder Trolls …))

Hoffentlich kriegen Sie noch alle wichtigen Gold-Aspekte "durch", bevor Gold seine Neubewertung erfährt. Denn danach haben’s eh alle "schon immer gewusst".

"Auro loquente omnis oratio inanis est."

"Wenn das Gold redet, dann schweigt die Welt."

Nicht einmal 1,5% des existierenden Goldes werden täglich gehandelt. Da sehe ich nichts Ungewöhnliches.
Wie viele Papier- Währungen werden täglich gehandelt?

Handelbar ist alles Gold dieser Welt, also 174.000 to. Ist nur eine Frage des Preises! Wenn die Bürger Asiens zu dem Schluss kommen, dass doch wieder der US$ die werthaltigste Währung ist, werden sie eventuell auch einen Teil des Goldschmuckes verkaufen. Doch ist das eine realistische Annahmen?

Der Trend weltweit geht dahin Gold als stabile Währung in sein Portfolio aufzunehmen, in welcher Form auch immer?

Re: "Auro loquente omnis oratio inanis est."

@iason
Ich suche noch nach einer Quelle im Web für diese "1,5%"-Angabe. Haben Sie da was schnell zur Hand?

Ahha .....

"Warum die Menschen in Asien auf zehntausenden Tonnen "Schmuck" sitzen"

Ich habe in Asien noch nie jemand auf "Schmuck" sitzen sehen .....

Sitzen die Europäer auf ihren Autos ,Kunstwerken ,Pensionen, Versicherungen und Sparbüchern ?

Aeltere Goldmuenzen

schuetzen als Antiquitaeten moeglicherweise ebenfalls vor Goldverbot und anderen Staatsraeuberein. Ich sammle auch Eheringe weil sie im Einzelverkauf eher auf Verzweiflungstat als auf Goldreichtum hinweisen.

Re: Aeltere Goldmuenzen

Die Geschichte von den "Russen mit den hundert Eheringen" wäre fast in diesem Eintrag gelandet... Eine beliebte und praktische Umgehung staatlicher Planungsphantasien und ihrer verheerenden Folgen. Oder anders gesagt: Das einzige, was im Kommunismus "funktioniert", ist der Schwarzmarkt.

Vor einem Goldverbot braucht man sich meiner Meinung nach in Europa aber nicht zu fürchten. Auch dazu werden wir im Goldjournal noch kommen.

Papiergold:)

Massenware ist Gold noch nicht. Es gibt nicht so viel.

Geld in welcher Form auch immer ist Zahlungsmittel Zweck ist der Tausch. Es ist einfach 'Konvention', dass Zahlungsmittel zum bewerten herangezogen werden. Ursprünglich Geldfunktion.

Was sie ansprechen ist klar. Wenn jemand Gold als Geld ansieht, dann macht ein Vergleich mit dem Zahlungsmittel das zur Bewertung herangezogen wird kein Sinn. Sie sind ja aus dem Papiergeldsystem mit einem gewissen Betrag ausgestiegen.

Das Römische Imperium hatte einen Silberstandard. Im Gegensatz zum Gold wird Silber vermutlich eher knapper. Es laufen aber auch Rückgewinnungsprozesse bei Metallen. Das wird ja nicht weggeschmissen ähnlich Plastik. Erdöl ist an sich homebrew auf der Erde. Gold stammt, das ist der Stand im Moment, importiert aus dem Weltraum. Es ist an sich überall, aber in so kleine Mengen gespeichert, dass sich allein die Ausbeutung von Vorkommen lohnt bei denen Gold konzentriet vorkommt.

Eigentlich dürften sie in der Wirtschaft bezüglich der Tauschvorgänge bei dem zur Verfügung stehen Mengen an Tauschmittel (sog. Zahlungsmittel) kein Problem mehr haben.

Der Nachteil beim Streichen von Sparguthaben ist nicht das Streichen. Die Währung wird nicht besser ...

Der 'Lug' beim Fractional Reserve ist, dass man die Büger hat lassen im Glauben es sei so etwas Vollgeld. Über das Bewertungsmonopol entsteht der Anschein von Werthaltigkeit.

Silber war schon teurer als Gold. Bewertungen sind relativ. Papier verdirbt den Charakter

Re: Papiergold:)

Der Nachteil beim Streichen von Sparguthaben ist nicht das Streichen. Die Währung wird nicht besser ...

Sry. Die Güte der Zahlungsmittel wird nicht besser, im Sinne von gehaltvoller - mehr Tauschkraft.

Der Bail In heißt ja allein - dass sich die Bank direkt über ihre Gläubiger entschuldet.

Der Zins wirkt nicht steuernd auf die Realwirtschaft - er läuft hinterher. Bleibt genau eine Funktion für den Zins übrig. Abschöpfung von Ressourcen und Zeit der Gläubiger - das ist die Absurdität.

Unter dem Titel werden die Tauschmittel vermehrt, mit gedrucktem Geld werden Assets erworben (Farmlandblase - hochaktuell in den U.S., eine von vielen) irgendwann sickert es durch ...

Arbeit und Wirtschaft schafft kein Geld. Es weitet sich die Menge aus, kann die Preise an sich stabilisieren und Summe helfen mehr Tauschmaterial zu horten. Die Frage ist wer, wieviel.

Geldmetalle sind Schutz vor Geld, vor dem rechtlichen Konstrukt und der Finanzsystempraxis. (Nicht der Sparefroh vom dem Kadi). Das hört sich ungewöhnlich an, ist aber ob des Missbrauchs.

Re: Re: Papiergold:)

Jetzt habe ich Ihre Einträge mehrmals gelesen aber Sie schreiben streckenweise in Rätseln :)

Ich setze mal hier an:

"Wenn jemand Gold als Geld ansieht, dann macht ein Vergleich mit dem Zahlungsmittel das zur Bewertung herangezogen wird kein Sinn. Sie sind ja aus dem Papiergeldsystem mit einem gewissen Betrag ausgestiegen."

Ganz genau! Dabei ist es aus persönlicher Perspektive letztlich unerheblich, ob man Gold nun als "Geld" oder einfach als "Asset" sieht. Betrachtet man Gold als "Asset" bleibt die Frage, ob man wirklich aus dem Papiergeldsystem "ausgestiegen" ist. Ich würde sagen: ja, wenn einem der "Preis" von Gold irgendwann egal ist. Zumindest der Preis im "aktuellen" Geldsystem.

"Geldmetalle sind Schutz vor Geld, vor dem rechtlichen Konstrukt und der Finanzsystempraxis."

"Geldmetalle" als Schutz vor "Geld" - der Gedanke gefällt mir und trifft die Sache voll im Kern, weil es letztlich um den "Transport von Kaufkraft" von einem Geldsystem ins nächste geht.

(Nicht der Sparefroh vom dem Kadi). Das hört sich ungewöhnlich an, ist aber ob des Missbrauchs.

Das hab ich mit "Rätseln" gemeint :)

Kurz zu Gold/Silber: Gold ist "very much" Teil des "rechtlichen Konstrukts" und der "Finanzsystempraxis" heute, gestern und wohl auch morgen... Silber eher nicht, aber ich kann mich irren..

Re: Re: Re: Papiergold:)

Ich sehe das auch so.
Hat man einmal mental auf Gold als Bewertungsmaßstab von Vermögen umgestellt, so spielt es keine große Rolle mehr wieviele Euros man für eine Unze bekommt, sondern umgerechnet wie viele Unzen Vermögen besitze ich ist dann alleine entscheidend.

Wer Gold als reines Asset oder spekulatives Objekt betrachtet, so wie das viele im Westen tun, dem wird natürlich eine solche Denkweise immer fremd bleiben.

Wei viele Unzen Gold besitzt du? Das wird einmal die Frage sein, wenn das Papiergeld- Pyramidensystem Geschichte ist.


Papiergold:)

In diesem Fall geht es um die Breite. Man kennt ja das Ergebnis der Neueinpreisung nicht. Es gibt keine Garantie, dass man für ein 'paar' Unzen Gold ganze Straßenzüge Mietshäuser bekommt. .de war damals eher heftig. Das Risiko selbst ist heute eher bescheidener, das Geld respektive Zahlungsmittel sind sowieso per Definition entwertet.

Auf jeden Fall ein wenig Theorie ...:)
http://www.youtube.com/watch?v=TsdSxk-qxZE

AEA 2013 Yoram - Hyperinflation in Hell

Wir werden es eh sehen - eigentlich sollte die Welt bereits wieder im Aufschwung sein - 2015 wäre die nächste vorhergesagte Trendwende bis hin zu finalen Aufsteig in den späten 2020er Jahren (so ca.) beginnende 30er. Ob 2022 schon die Ungleichgewichte schon unhandlebar sind, wird man sehen.

Man könnte Gelegenheiten nutzen und sich in Ruhe Münzchen für Münzchen eindecken und schauen das man es günstig bekommt. Teuer kaufen ist nicht gut. Nicht im Abstieg sofort große Mengen reinkaufen. Mal warten ... Wenn wir 2500 bis 3000 gehen - dann ist sowieso Feuer am Dach. Dann wird es Zeit Vorräte zu horten und alternative Bezugsquellen für Nahrungsmittel zu erschließen.

Korrektur

Das Volumen der der Deriavate ist eine Billiarade nicht eine Trillion. In den U.S. als Daumenregel 5, 10 bis 15mal die Aktienvolumina von Wallstreet, je nach Fortschritt der Blase. Im Moment kann man das Maß noch als verlässlich bezüglich den Proportionen verwenden.

Aber in solch luftiger Höhe, fehlen mir dann doch die richtigen Worte.

Im Prinzip wäre ich ja ein Fan von einer soliden Mischung aus
a) Unternehmen - Unternehmensbeteiligung Lokal
b) Metalle und sonst. Wertgegenstände im Sinn der Streuung
c) Unternehmensanteile - Aktien wegen den Profiten aus der Globalisierung
d) Anleihen (die wären allein Gefährlich bei Sparguthabenstreichung und total entwertet bei einer Vollgeldreform - zumindest ist dies mein Informationsstand).

d) macht wenig Sinn ohne Umdenken in der Wirtschaft. Allein ein sinnvolle Anpassung dauert relativ lange - sehr mittelständisch orientierte Ausrichtung eines Wirtschaftsraum, da ja ca. bis 10Mio (Finanz=vermögen pro Kopf können angesammelt werden, die aber ca. 10 Mio Einheiten - 1 Mrd. Euro bei voller Schöpfung und Ausweitung der potentiellen Geldmenge entspricht.

Geld kann man an sich für jede beliebige Organisation eines Wirtschaftsraum drucken/bereitstellen. Kindeserziehung usw.. Reine Frage der Bewertung. Was nie vermeidbar ist, ist Arbeit, Güter braucht man trotzdem und eine Würdigung von Aktivitäten außerhalb der Wirtschaft. Das ist ein Umdenkprozess - Austreten aus dem Materialismus in der jetzigen pervertierten Form. Es bleibt viel zu tun.

Ihr Argument hat was

"Ganz genau! ..."

Stimmt. Ich habe mit dem Giralgeld/Zahlungsmittel grad als Informatiker so kein ein Problem, technisch.

Habe mich allein unterhalten mit einer BankerIn aus U.K. und die hat mal skizziert - Geldsystem wird brutal an den 'Chicago Plan' oder den Vorschlag 'Vollgeld' vom IWF anpasst. Das ist unlustig, ...

Ich frage mich wohin geht der Zug. Früher sind noch Hypothekarkredite als CDO durch die Welt gelaufen Heut sind ist das Farmland ohne Bewässerung gepushed auf 180% des Kaufpreises in 3 Jahren, Kredite für Ausbildung und sämtliche Schulden in ABSen - Wertpapiere?. Eher großes Gottvertrauen in die Innovationskraft des U.S. amerikanischen Wirtschaftsraums:)

In dem Sinne deute ich die Vorrathaltung an Geldmetallen in Mitteleuropa durchaus aus begründete Vorsichtsmaßnahme. D.h. man entledigt sich des Tauschmittels.

Sie haben recht, die Bewertung hängt auch stark von Motiven ab. Eine Blase ist ja nix anderes, las ich, als die alte Bezeichnung für 'Schneeballsystem'.

Das Hypephänomen ist zutiefst menschlich - Labor nachgewiesen. Gehandelte Preis ist höher als der theroetische Gleichgewichtspreis - 'es geht sich schon noch aus'. Angleichung passier schneller - Absturz.

In beiden Fällen geht der Preis nach oben, die Struktur ist wesentlich.

Das eine ist mehr dem Glaube an ewige Wahrheiten geschuldet - ein Blase ist eher inszeniert. Billionen bringen sie allein mit Blasen in die Welt.. anbieterseitige Produkte vertrieben über abstruse Argumente.

Gold als Teil des Geldsystems

Ist der Kürze des der Ausführung geschuldet.

Aussteigen: Kommt aus der langfristigen Sichtweise - Altersvorsorge und dahinter vs. Spekulation - für Spekulation

Gebräuchlichste Verwendung für Gold ist noch immer industriell.

:) Entschuldigen sie die mystischen Formulierung. Ich versuche an sich das biedere Geschäft der Realwirtschaftsfinanzierung vom Spekulationsblasengeschäft zu trennen. (Sparefroh vor dem Kadi)

60Bio USD in Aktienmärkten, 80Bio USD. so ca im Staatsanleihenmarkt und rund eine 600Bio - 1 Trillion USD als Volumina in Derivatemärkten.

Ich habe eine etwas andere Sicht auf Zahlungsmittel. Schauen sie der Preis für ein Digitales Gut im Überfluss ist praktisch 0. Zahlungsmittel sind eine Digitales Gut. Letztendlich muss man sich die Frage beantworten, will man die Hälfte seiner Arbeitszeit auf die Finanzierung des Wirtschaftsraums zu verwenden. Teurer Rechenzententrumsbetrieb mit dem Ziel die Tauschmittel künstlich zu verknappen. Das ist wertlos - Scheinarbeit und selbst das ist fast 'gelogen':), weder Schein und wenig Arbeit. Ich bin allein nicht so päpstlich wie die Vollgeldleut.

Man kann Penny Stocks sehen als 'Betrug' am Anleger oder als Resultat von Innovation nach Schumpeter. 2 Seiten.

Lt. Jochen Stanzel ist die Lagerreichweite für Silber bei 18 Monaten. Ich sehe das zwar eher Resultat der Verknappung in 2009 und nicht als Zeichen für massiven Abschwung in Asien. Aus dem Titel wird für den Spekulanten selbst mittelfristig nicht viel zu holen sein.

Volumen der Derivate

@michaelthuma
Wenn wir dieser Aufstellung hier folgen –
http://demonocracy.info/infographics/usa/derivatives/bank_exposure.html
(und ich denke, diese Zahlen sind verlässlich; eine Kritik an ihnen habe ich bislang nirgends gesehen), dann bemisst sich das Volumen der Derivate, die allein von den 9 größten US-Banken gehalten werden, auf rund 230 Billionen US-Dollar.
Das sind 230.000 Milliarden, aber ich denke, auch das kann sich niemand mehr wirklich vorstellen. Die grafische Darstellung dort hilft auch nur bedingt weiter (es sei denn, man projiziert sie mal auf einen richtig großen Monitor). Wann hat man schon Wolkenkratzer, gebaut aus 100-Dollar-Scheinen, gesehen?
Aber ein Satz in der Einleitung bringt’s auf den Punkt: Dieser "Betrag" ist dreimal so groß wie die wirtschaftliche Jahresleistung der gesamten Welt!

Zu Recht heißt es deshalb dort auch: Keine Regierung wäre je in der Lage, diese Banken herauszuhauen, wenn sie straucheln. Doch straucheln werden sie:

Re: Volumen der Derivate

Je nach Analyse haben die U.S. den Punkt überschritten an denen sie jemals selbst über beliebige Steuererhöhungen jemals könnten die Schulden refinanzieren. Das zeichnet sich ab. Selbst wenn die U.S. 'die Welt' finanzieren ...

Man kann nicht alles beliebig bewerten ... Arbeitszeit ... Bandbreite von 0 - bis hin zu virtuellen Bewertungen entlang von KV - Priceless. Das ist dann genauso zulässig.

Ist zwar der gute Jeff Berwick ...
http://www.youtube.com/watch?v=5zD7xR0DGuE

In einen Punkt liegt er halbwegs richtig ... das Gleichnis U.S vs. UdSSR in 1989 - das hat so seinen Charme. Die Idee dahinter ist, dass die U.S. noch so durchhalten während jetzt der Aufschwung läuft - der läuft tatsächlich im Schnitt auf der Welt - aber im nächsten Abschwung der Käs abgebissen ist. Das wäre ca. 2015.

Diese 40% Streichung von Geldvolumina, die kommen nicht von irgendwo her. Handelsvolumina gemessen an verfügbaren USD. Die sind auf Basis 1987 von 100% auf 60% abgesunken (60% offiziell) und 50% auf Basis Shadow Stats. Die 60% sind die Zahl für die FED an sich.


Re: Volumen der Derivate

Ich habe es korrigiert, Derivate wanden so ca. gegen eine Billiarde so ca. 1000 Billionen. Das war nicht ganz korrekt forumliert. Momentan ist der Aufwärtstrend etwas abgebrochen.

Halten wir uns an die offizielln.
Vor ca. 1,5 Jahren waren die so ca. auf 600 Bio (lt. ISDA auf Basis von BIS Zahlen) USD. Sind im Juni 2011 gegen 700 gewandert und jetzt auf 650 Bio USD.

Die geforderten Sicherheiten betragen zwischen 700Mrd. bis 1,2 Bio USD in Europa allein und in Summe so 2,6 Bio. Kommt schon hin USA mal 2. Ihre Zahlen kommen schon hin. Das abzusichernde Risiko ist an sich gering, aber die Volumen sehr hoch.

Wie sie zuerecht bemerketen, die Konzentration ist übel. Die Derivatebestände in den U.S. allein:) sind 3mal so gross wie die Weltwirtschaft.

Ich bin ja selbst etwas ungenau - Geld wird an sich ja nicht als Tauschmittel verwendent, da kaum jemand ein Wirtschaft zum Zwecke des Tausches betreibt. Seit je her ist Geld eher ein Vermögens- und Eigentumsbildungsinstrument. Enteignungsinstrument.

Assettransfer ist Ausruck dessen.

Aus der Sicht sind Derivatvolumen Geld gleich. Aus Sicht des Tauschmittels - das Risiko.

Allein in der Zeit der Franz. Revolution war Geld, wenn überhaupt, in Händen der Bevölkerung.

Die Bank of England ist mit Kerbholz gegründet worden, das wurde verbrannt und der Westminster Palast ist mit abgefackelt, berichtet man. Kerbholz war auch Geld.

Wenn Geld kein Tauschmittel ist - kann man Wirtschaftstheorien vergessen, alle Mainsteamtheorien.

RE Silberstandard

Man kann ja unter 'Silberstandard' auf Wikipedia nachsehen :-)
Zudem waren Silberwaehrungen wie der spanische Dollar, die amerikanischen und britischen Handelsdollars und z.Teil auch der MariaTheresien-Thaler jahrhundertelang weltweiter Wertestandard.
Vielleicht entdecken Sie ja nach dem Goldblog die wunderbare Welt des Silbers als leistbare Alternative zum Goldbesitz, und vor allem als realistischeres alternatives Zahlungsmittel, was es ja bis in die Moderne hinein auch immer war.

"Leistbares Zahlungsmittel"?

@iggi
Sie können sich Gold nicht leisten? Derzeit kostet ein Schweizer Vreneli – eine der bekanntesten Goldmünzen in Europa – 240 Euro. Ich meine, wenn es ums "Sparen" geht, sollte das einmal im Jahr drin sein, oder? Oder meinetwegen alle 4 Jahre.
Und Zahlungsmittel: Das glauben Sie. Aber glauben Sie das "im Ernst"? Ich sehe uns schon alle wieder mit prall gefüllten GeldBEUTELN (sic!) durch die Städte wandeln, und an der Ladenkasse klimpert es, klimpert es, klimpert es ;) LOL, kleiner Scherz.

Selbst die bequemen Geldscheine verlieren an Bedeutung; wir zahlen in unserer Währung heute schon vorwiegend digital!

Soweit Silber aus Tauschmittel.

Und als "Währung"? Können wir uns auch abschminken. Keine Zentralbank der Welt würde jemals ihre Reserve in einem Metall halten, das notgedrungen dem Auf und Ab eines Industriemetalls ausgesetzt ist. Silber ist heute (!) vor allem das: Industriemetall!

Also Wertspeicher? Dürfen Sie machen! Aber meine Option wäre das nicht. Ich möchte als Wertspeicher einen Gegenstand benutzen, der unabhängig ist von Konjunktur und Wirtschaft. Ansonsten könnte ich gleich in eine Apple-Aktie "investieren", nur weil ich annehmen will, dass auch noch in 30 Jahren, wenn ich mein Erspartes an meine Enkel weiterreichen will, Apple-Produkte en vogue sind. Was wissen wir denn, ob und wie man dann noch Silber braucht?

Beständig auf Dauer ist wirklich nur Gold. Umso mehr, wenn seine Derivateblase demnächst platzen wird.

Re: "Leistbares Zahlungsmittel"?

je kleiner die Goldmuenze, desto mehr kostet sie pro Unze; wer auf Eedelmetall als Tauschmittel fuer den Notfall setzt, setzt auf Silber. Oder auch auch nicht.
:-D
Jedenfalls bekomme ich fuer eine Unze Silber soviel Benzin oder Brot wie vor 100 Jahren, trotz aller Preis-Komplexitaet dahinter.

Gold sollte kein "Tauschmittel für Notzeiten" sein

Dazu ist es zu wertvoll. Gold, befreit von den Derivaten, wird wieder Wertspeicher werden – auch über Generationen hinweg.
Ob der Euro überhaupt kollabieren wird, so dass wir eine vorübergehende Ersatzwährung – z.B. Silber – benötigen, kann ich nicht erkennen. Warum sollte dieses Szenario eintreten?

Re: Gold sollte kein "Tauschmittel für Notzeiten" sein

Sag ich ja :-D
Obwohl handgewaschene Goldkoerner waehrend der Hyperinflation in Zimbabwe als Zahlungsmittel diente.
Silber hat einfach seinen Wert und entsprechend verlaessliche Nachfrage, frag nicht mich wieso. Silberschillinge( 50er und 100er) kostet heuten fast dasselbe, dem Silbergehalt entsprechend.
2010 war physikalisches Silber die eintraeglichste Investitionskategorie von allen - Wertverdoppelung. Der amerikanische Silberdollar explodierte seit den 1980ern von Paritaet aufs 30-40fache (Numismatik nicht beruecksichtigt). Inder und Chinessen handeln gerne damit ... der kolportierte Boom im Silberkauf spricht fuer sich ...

Re: RE Silberstandard

"...Vielleicht entdecken Sie ja nach dem Goldblog die wunderbare Welt des Silbers als leistbare Alternative zum Goldbesitz..."

...und vielleicht den Grund, warum (auch) für Silber-Umlaufmünzen 20% USt fällig sind...

Re: Re: RE Silberstandard

In Deutschland waren es bislang nur 7%, aber EU-Verordnungen wollen den MwSt Satz zu vereinheitlichen wie ich gerade lese 1). So leicht springt man dem Staat nicht von der Schaufel, besonders wenn (die von vielen so geschmaehte) nationale Vielfalt der Jurisdiktion in gleichgeschalterter EU-Diktatur versandet.

1) http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article110072647/Silber-Sammler-trifft-der-volle-Steuerschock.html

Re: Re: Re: RE Silberstandard

Deshalb vielleicht heuer noch nach DE reisen und dort physisches Silber mit nur 7% USt kaufen. Ab 1.1.2014 ist dieser "Luxus" vorüber. Ab dann 19% in DE. Dann kassieren auch die Deutschen da voll ab. Bei uns nehmen sie ja sogar 20%.

Jetzt bekommt man es außerdem zum Ausverkaufspreis.

Silberstandard

Stimmt in .de wird Silber mit 20% besteuert werden In Österreich denke ich ist es sowieso so.

Vermögenssteuer:). Andere Art Papiergeld Alternativen zu konfiszieren.

Vermögensteuer, die allein die Verteilung der Finanzvermögen ausgleichen sollte, auf Realgüter auszuweiten ist an sich absurd, per Definition Unsinn. Man könnte es bestenfalls noch als Element der Gewichtung ansehen ist aber absurd, denn wer Realgüter hat, schadet an sich niemanden. Und dass heute noch jemand mit Arbeit in weiterem Sinne bezüglich der Zinsumverteilung in die Gewinnerzone kommt, ... das halte ich ohne Spekulation für ein Gerücht.

Die VMS sollte ja an sich die Liquidität in andere Hände bringen, bevor die Zahlungsmittel schwächer werden und dabei aber trotzdem das notwendige Maß an Risiko respektive Investitionsfreude vorfinden.

Silber ist sehr praktisch, Silbermünzen sind zwar ganz gut, praktisch zum Zahlen, aber man hat schnell ein paar Kilo liegen, in der Bank aufbewahren wäre wie dem Feind die Munition zu überantworten zwecks Verwahrung. Wenns hart auf hart geht, drückt dir die eine Bank Wolfram in die Hand mit lachendem Gesicht;)

In dem Sinne liegt der Welt Artikel durchaus richtig. Würde nicht davon ausgehen, dass das Motiv in .at für die 20% Steuer das selbe ist.

Brüssel - Belagerung durch die Franken. Wenn Diktaturen sich abzeichnen ist immer gut je nach Lage etwas reales Konvertibles zu haben - entweder die Republik zu stützen oder die Flucht zu finanzieren auch für andere.

 
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Der Autor

  • Nikolaus Jilch
    ist seit 2011 Economist-Redakteur der "Presse"; berichtet über Geld, Gold, Zentralbanken und von den Fronten des internationalen Währungskrieges.



Hinweis

  • Der Inhalt von Blogbeiträgen spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

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