Männerpartei: "Weibliche Akademiker nicht so produktiv"

Der Obmann der Männerpartei, Oliver Peter Hoffmann, im DiePresse.com-Interview über die angestrebte Kandidatur bei der Nationalratswahl und die "Frauenparteien" im Parlament.

Maennerpartei Weibliche Akademiker nicht
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Maennerpartei Weibliche Akademiker nicht
Oliver Peter Hoffmann – Philipp Splechtna (Die Presse Digital)

DiePresse.com: 53 Prozent der Wahlberechtigten sind Frauen. Verbaut man sich nicht die Chancen auf einen Wahlerfolg, wenn man quasi schon durch den Parteinamen die größte Gruppe ausschließt?

Oliver Peter Hoffmann: Jeder Name hat Vor- und Nachteile, Namen sind entweder langweilig oder haben eine kurze Botschaft. Wenn wir uns etwa Menschenrechtspartei nennen würden, hätten wir weniger Aufmerksamkeit und wären vielleicht weniger eckig und kantig. Wenn jemand genauer nachliest, wofür die Männerpartei steht, wird er sich durch den Namen nicht abschrecken lassen. Wir haben auch weibliche Mitglieder und ich gehe davon aus, dass uns auch Frauen wählen werden.

Als sie Ihre Kandidatur für die Nationalratswahl angekündigt haben, haben sie „einige Überraschungen" auf der Liste angekündigt. Können Sie die Leser schon überraschen?

Das werden wir im Frühjahr bekannt geben. Was ich aber schon sagen kann ist, dass die wahrscheinliche Kandidatur einer Stronach-Partei uns da teilweise einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Wir hatten Gespräche mit diversen wilden Abgeordneten. Momentan haben wir mit Nationalratsabgeordneten keine Gespräche mehr, aber mit anderen Vertreten von Parteien. Es wird trotzdem Überraschungen geben.

In Ihrem Parteiprogramm werden Geschlechterquoten strikt abgelehnt, gleichzeitig heißt es: darin „Es muss ein Minimum an männlichen Lehrern an Schulen geben". Das klingt nach Männerquote.

Das ist eine Zielvorgabe, die man aber nicht unbedingt durch eine Quote erfüllen muss. Das kann man zum Beispiel auch erreichen indem man die Beschreibung des Arbeitsplatzes und die Entlohnung und Qualifikation entsprechend ändert. Wenn Männer bei der Trennung aus der Familie hinausgedrängt werden und gezwungen werden Ganztagsjobs zu haben, weil sie Unterhalt zahlen müssen, müssen sie ein gewisses Mindestgehalt verdienen. Männer können es sich ja gar nicht leisten einen Beruf wie Lehrer zu machen.

Also die Lehrergehälter erhöhen, damit mehr Männer Lehrer werden?

Ich würde das Gehalt erhöhen, aber auch viel mehr an Arbeitszeit abverlangen, damit der Lehrerberuf weniger dieser Zuverdienstberuf wird, der er derzeit ist.

Sie haben erklärt, dass die Forderung von SP-Nationalratspräsidentin Barbara Prammer nach einer 50-Prozent-Frauenquote auf Wahllisten der letzte Anstoß war, bei der Nationalratswahl anzutreten. Würden Sie denn 50 Prozent weibliche Abgeordnete im Nationalrat schlimm finden?

Das wäre nicht schlimm, auch nicht wenn es 80 Prozent weibliche Abgeordnete gibt. Das schlimme ist der Zwang. Wenn man eine Quote einführt, würde das de facto bedeuten, dass damit eine Kandidatur wie die unserer Partei verboten würde, weil bei so einer Partei zumindest am Anfang weniger Frauen mitmachen. Wenn die SPÖ für sich selber eine 50:50-Quote beschließen möchte, ist das ihre Sache. Wenn sie wirklich so viele tolle Frauen findet, dann Glückwunsch.

Sie glauben offenbar nicht, dass sie sie findet.

Die Situation ist dieselbe ist wie bei anderen Parteien auch, nämlich dass die meisten Aktivisten männlich sind. Die Frauen tauchen halt dann auf wenn es darum geht „jetzt will ich auf der Liste stehen und einen Top-Job". Vorher sind sie nicht da, weil ihnen die politische Arbeit davor zu mühsam ist, sie nicht am Wahlkampfstand stehen, gratis mitarbeiten und über das Parteiprogramm debattieren wollen.

Politikerinnen sind also faul?
Die Quote erzeugt dieses Verhalten, weil den Frauen signalisiert wird: „Du musst dich nicht engagieren".

Aber es gibt die von Prammer geforderte Quote ja derzeit nicht.

Bei der SPÖ gibt es zumindest eine theoretische Quote, die sie dann nicht einhält, und bei den Grünen gibt es eine. Bei den Grünen hat das genau den Effekt, dass zum Beispiel in der Bezirksgruppe zwei Drittel Männer sind, und die Frauen tauchen bei der Listenerstellung auf und wollen auf den ersten Platz. Dann schauen die Politiker auch entsprechend aus.

Sie fordern unter anderem ein eigenständiges Recht des Vaters auf die Hälfte der Karenzzeit. Glauben Sie, dass Männer nur deshalb so selten in Karenz gehen, weil die Frauen es ihnen nicht erlauben?

Das ist sicher ein wesentlicher Grund. Ein anderer ist, dass Väter beim Arbeitsrecht benachteiligt sind. Ein werdender Vater, der in Karenz gehen will, hat keinen Kündigungsschutz. Und wenn er aus der Karenz zurückkommt hat er die gleichen Probleme wie eine Frau, bekommt aber keine Hilfe, weil er ja ein Mann ist.

Frauen wollen nicht so viel arbeiten, dass sie damit das Pensionssystem entlasten würden

Zum Thema Pensionen findet sich im Parteiprogramm nur die Forderung, dass das Pensionsalter von Männern und Frauen umgehend angeglichen wird.

Das Pensionsalter ist für uns das größte Problem. Es gibt leider dazu keine offiziellen Zahlen, aber soweit wir es rekonstruieren konnten, kommt das Pensionsdefizit fast ausschließlich von den Frauen. Männer zahlen ungefähr soviel ein, wie sie herausbekommen. Wir geben im Jahr für die Frauenpensionen ungefähr so viel aus wie einmal für die Griechenland-Rettung. Das ist natürlich ein extremes Problem.

Frauen beziehen im Durchschnitt 784 Euro monatliche Pension, Männer 1632 Euro.

Die Männer haben sich das aber selbst vorher durch ihre Beiträge finanziert. Für das, was die Frauen gezahlt haben, ist die immer noch zu hoch.

Wollen Sie Frauen die Pension also kürzen?

Wenn man es versicherungsmathematisch sehen würde, müssten Frauen um ein Drittel weniger Pension bekommen als derzeit. Aber nein, ich fordere keine Kürzung sondern eine Angleichung des Pensionsalters.

Zum Thema Pensionen schreiben Sie auf der Partei-Homepage. „Sicher, es gibt auch Karrierefrauen, die Vollzeit arbeiten und daher auch entsprechend Beiträge einzahlen. Aber die Mehrheit der jungen Frauen legt nach wie vor mehr Wert auf die Pflege der Lebensqualität als auf einen eigenen Beitrag zur finanziellen Vorsorge". Die Mehrheit der jungen Frauen will nicht arbeiten?

Ich sage nicht dass sie nicht arbeiten wollen - aber sie wollen nicht so viel arbeiten, dass sie damit das Pensionssystem entlasten würden. Das Problem in den nächsten Jahren wird sein, dass wir bei Frauen eine sehr hohe Akademikerquote haben werden, sie aber damit nicht so produktiv sein werden wie die Männer es bisher waren. Typisches Beispiel: Frau studiert Medizin, bekommt irgendwann ein Kind und sagt dann „ich will nicht so viel arbeiten, ich will auch etwas von meinem Leben haben", und geht in Richtung Halbtagsjob.

Kinderbetreuung bedeutet für Sie „etwas vom Leben haben wollen"?

Es gibt ja auch genügend Frauen, die keine Kinder haben und trotzdem sagen: „Ich will keinen 60-Stunden-Job". Wenn Frauen in den Bereich kommen wo es um die Frage geht, mache ich eine normale Karriere oder eine, wo ich mich wirklich verausgabe, ungefähr bei dem Punkt gibt es dann große Unterschiede zu den Männern.

Wie steht die Männerpartei zum Euro-Rettungsschirm ESM?

Wir sehen ihn kritisch, weil es ein demokratiepolitisches Problem gibt: Eine Einrichtung verfügt über österreichisches Steuergeld, ohne dass sie von Österreich demokratisch kontrolliert werden kann. Wir sind weder für noch gegen ein gemeinsames Europa oder für oder gegen eine gemeinsame Währung. Es geht darum, dass man es richtig macht, etwa dass diese Einrichtungen auch demokratisch kontrolliert werden.


Wie werden Sie bei der Volksbefragung zur Wehrpflicht abstimmen?

Ich sehe bei der geplanten Fragestellung keine andere Möglichkeit, als gegen die Wehrpflicht zu stimmen, weil leider nicht die Option gewählt werden kann, dass die Wehrpflicht auf Frauen ausgeweitet wird. Parteiposition ist: Wir wollen Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Das kann auch heißen, dass man die Wehrpflicht abschafft. Aber egal was kommt, die Rechte sollten für Männer und Frauen gleich sein.

Die Frauenparteien heißen Grüne, SPÖ, ÖVP

Für die Wahl haben sich viele neue Parteien angekündigt, allen voran jene von Frank Stronach. Sie haben ja vorhin schon gesagt dass er Ihnen teils beim Abwerben von Politiker anderer Parteien einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, sehen Sie ihn auch bei der Wahl als größten Konkurrenten?

Jemand der die Männerpartei wählen könnte, wird in der Mehrzahl der Fälle nicht von einer anderen Partei kommen, sondern von den Nichtwählern. Alle anderen Parteien haben ja ein Frauenprogramm und kein Männerprogramm. Ich sehe sie daher nicht unbedingt als Konkurrenten.

Sie haben am Anfang gesagt, dass sie auch auf weibliche Wähler setzen. Es werden aber vermutlich wenig Frauen deshalb Nichtwähler sein, weil bisher keine Partei mit einem Männerprogramm angetreten ist.

Doch, die gibt es schon, ich kenne genug - zum Beispiel die neuen Lebenspartnerinnen von geschiedenen Vätern, oder Großmütter, die ihre Enkel nicht mehr sehen können, oder weibliche Firmengründer die wissen, dass Frauenquoten Schwachsinn sind. Die können auch keine andere Partei wählen. Tatsache ist dass wir jetzt schon sehr viele Frauenparteien haben, weil ja alle Parteien ein Frauenprogramm haben. Diese Frauenparteien haben alle unterschiedliche Namen, die heißen Grüne, SPÖ, ÖVP und so weiter. Jede Partei die ein Frauenprogramm hat und kein Männerprogramm ist de facto inhaltlich eine Frauenpartei.

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