Bundesheer: Die ÖVP-nahen „Unabhängigen“

Warum Dompfarrer Toni Faber für die Wehrpflicht wirbt. Was Raiffeisen damit zu tun hat. Und wie Verteidigungsminister Norbert Darabos kontert.

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(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Wien. Es sei sozusagen die „Schuld“ des Bundesheeres, dass Toni Faber Priester wurde. Denn eigentlich wollte er Offizier werden und die Militärakademie besuchen. Bei der Stellung kam dann der Befund: untauglich, da eine „gröbere Nierenerkrankung“ in Aussicht war. „Und wegen dieser medizinischen Diagnose habe ich mich dann entschieden, Pfarrer zu werden.“ Trotzdem sei seine Affinität zum Bundesheer geblieben – zum Bundesheer, nicht zu einem Berufsheer. „Denn die Wehrpflicht und der Zivildienst sind wichtig“, meint Dompfarrer Faber.

Das sei auch der Grund, warum er das offiziell überparteiliche Komitee „Einsatz für Österreich“ unterstütze. Die Initiative hat sich am Montag offiziell präsentiert und will die Bürger bis zur Volksbefragung von der Wehrpflicht überzeugen. „Dafür geniere ich mich nicht“, sagt Faber. Dass die Argumente, mit denen das Komitee gegen das Berufsheer-Modell von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) mobil macht, beinahe identisch mit denen der ÖVP sind, stört Faber nicht: „Das bessere Argument soll gewinnen.“ Er habe jedenfalls kein Parteibuch.

Doch so unabhängig, wie sich das Komitee gern präsentiert, ist es nicht: Zu den Initiatoren gehören der ehemalige Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, sowie Erwin Hameseder, der sowohl Obmann der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien als auch ÖVP-Mitglied ist. Also alles nur versteckte Parteipolitik? Laut Hameseder „dezidiert nicht“. Spenden aus Parteien und der Raiffeisen gebe es nicht – zumindest noch nicht. „Wir werden uns aber sicher nicht wehren, wenn wir von ihnen Zuwendungen kriegen“, meint Hameseder.

Hinzu kommt, dass die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien bereits 2001 ein „Netzwerk zur Katastrophenhilfe“ ins Leben gerufen hat – zusammen mit Niederösterreichs Militärkommandanten Johann Culik, der auch bei dem Komitee mit dabei ist. Und diese Zusammenarbeit nutzt Raiffeisen unter anderem auch, um für sich selbst zu werben. Laut „Standard“ etwa mit einem Spot auf „Radio Arabella“: Ein Vater erklärt seinem Sohn, dass die Schäden vom Hochwasser 2002 dank tatkräftiger Hilfe des Bundesheeres beseitigt wurden – und „die sind wieder von Raiffeisen tatkräftig unterstützt worden“.

 

Sitz in Raiffeisen-Gebäude

In der Zeitschrift der Offiziersgesellschaft, „Der Offizier“, die für die Wehrpflicht Stimmung macht, inseriert die Raiffeisenbank. Und der Sitz des Pro-Wehrpflicht-Komitees ist in einem Raiffeisen-Gebäude. „Man zahlt dafür aber Miete“, sagt Hameseder.

Kritik an der ÖVP lässt sich Veit Sorger jedenfalls nicht entlocken: Ob die Partei nicht endlich ihr eigenes Modell für die Wehrpflicht präsentieren sollte? „Nein, ich würde ihnen davon abraten“, meint Sorger. Erst nach der Befragung solle man darüber reden, sagt er – und ist damit auf schwarzer Parteilinie.

Um die Gegeninitiative „Unser Heer“ von Hannes Androsch (SPÖ) ist es unterdessen ruhig. Minister Darabos selbst wird Mittwoch, bei einer Pressekonferenz seine „Profiheer-Pilotprojekte“ ein weiteres Mal anpreisen. Und in der Broschüre für den Nationalfeiertag wirbt er mit dem Slogan „Profis bringen Sicherheit“. Zum Unmut der ÖVP.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2012)

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