Nach Finanzskandal: Maltschnig löst Brenner ab

Der frühere Bürgermeister von Zell am See wird in Salzburg die Nachfolge des scheidenden SPÖ-Finanzlandesrats antreten.

Nach Finanzskandal Maltschnig loest
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Nach Finanzskandal Maltschnig loest
Maltschnig

Es ist ein wahres Himmelfahrtskommando, das Georg Maltschnig am kommenden Mittwoch antreten wird. Der 61-jährige Pinzgauer übernimmt das vom Skandal erschütterte Finanzressort des Landes Salzburg und muss die Aufklärungs- und Aufräumarbeiten fortführen. Riskante Veranlagungen im Ausmaß von 1,35 Milliarden Euro sollen rasch, aber möglichst ohne Schaden für das Land abgebaut werden. Der Neo-Landesrat übernimmt das Amt nur bis zur Angelobung einer neuen Regierung nach der vorgezogenen Landtagswahl voraussichtlich Ende April oder Anfang Mai.

Die Finanzwelt ist Maltschnig nicht unbekannt: Der am 2. August 1951 in Embach (Gemeinde Lend) geborene Pinzgauer studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien - damals noch „Hochschule für Welthandel" - Betriebswirtschaftslehre und nach dem Abschluss auch noch Rechtswissenschaften. 1979 trat er in die Creditanstalt-Bankverein in Wien ein, wo er für die Bereiche Auslandssekretariat (Auslandsemissionen) sowie die Konzernabteilung verantwortlich war. In diesen Funktionen berichtete er direkt an den Vorstand.

Von November 1981 bis Mai 1982 war Maltschnig Verwaltungsdirektor im Krankenhaus Zell am See. Doch dann war die Gemeindeaufsicht der Ansicht, dass für diese Stelle ein Maturant reiche, und so wechselte er im Juni 1982 in die Wohnbaugenossenschaft Bergland. Von 1984 bis 1993 fungierte er als deren Obmann-Stellvertreter, seit 1993 ist Maltschnig Obmann und geschäftsführender Direktor der Bergland.

Trotz seiner Tätigkeit in einer Bank sei er weder Wunderwuzzi, noch Experte für Risikogeschäfte, räumte der Wirtschaftsjurist bei seiner Vorstellung in der Öffentlichkeit am Montag ein. Er will daher auf die Hilfe von Experten und auch auf die Mitarbeit der politischen Mitbewerber setzen.

Und auch aus der Politik hat der 61-Jährige reichlich Erfahrung mit Finanzen: Er wurde gleich bei seinem Einstieg 1984 Finanzstadtrat der Stadtgemeinde Zell am See. Von 1998 bis 2008 war Maltschnig Bürgermeister von Zell am See, wobei er auch in dieser Zeit das Finanzressort führte. 2007/08 wurde dem Ortschef seine Doppelfunktion als Bürgermeister und Bergland-Geschäftsführer beinahe zum Verhängnis: Ein Streit um die Direktvergabe eines Wohnbaus an die Bergland ohne Ausschreibung gipfelte in einem Misstrauensantrag der ÖVP, der aber keine Mehrheit fand.

Ende 2008 zog sich der Bürgermeister aus dem Amt zurück. Seine Polit-Karriere wollte er damit eigentlich für immer beendet wissen. Einen Zusammenhang mit dem Misstrauensantrag dementierte er damals: "Das Amt des Bürgermeisters war für mich von Anfang an ein Amt auf Zeit", sagte er. "Ich habe mir gedacht, dass das der richtige Zeitpunkt ist, nachdem ich - wie ich glaube - die Ziele, die ich mir für Zell am See gesteckt habe, im Wesentlichen erfüllt worden sind. Jetzt ist die Zeit gekommen, das Amt in jüngere Hände zu legen." Nun ist es allerdings ganz umgekehrt: Der 61-Jährige rückt auf den Sessel nach, den ein 41-Jähriger am Mittwoch verlässt. Wenn auch nur vorübergehend.

(APA)

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