ÖVP: Programmreform 2.0

Digitalexperte Yussi Pick begrüßt die Webplattform der Volkspartei. Aber sie birgt auch Gefahren.

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(C) ÖVP/ Screenshot

Wien. Die SPÖ versucht es analog, die ÖVP (zum Teil) digital: Beide Parteien wollen in den nächsten Jahren ein überarbeitetes Parteiprogramm präsentieren. Die Volkspartei setzt dabei auf das Internet. Bis zum 30.November können auch Nichtparteimitglieder auf der Homepage evolution.oevp.at Vorschläge für die Reform hinterlassen. Die Ideen werden anschließend unter den Funktionären diskutiert.

Kein schlechter Zugang, findet Yussi Pick, Kampagnenberater in Wien und Washington mit Schwerpunkt Online-Kommunikation: Durch die Internetplattform zeige die Partei, dass sie an einer breiten Meinung interessiert sei. Das sei auch ein Zeichen Richtung Neos – die ÖVP wolle sich bürgernah und modern präsentieren.

Aber der Prozess bringe auch Gefahren mit sich. Die Plattform zieht laut Pick vermehrt Menschen mit extremen Positionen an. Bisher kann man online zumindest ein ziemlich breites Spektrum an Meinungen finden: Die einen verlangen „mehr Offenheit für neue Formen von Familie“, die anderen fordern eine gesellschaftspolitische Positionierung „rechts der Mitte“. Eine Userin meint: „Die gesündeste Ernährung liefert eine Mutter. Die Kinder ernähren sich von Fast Food. Bei mir gab's das nicht, meine Kinder sind immer gern zu meinem frisch gekochten Essen nach Hause gekommen. Alles widernatürlich!!“ Dass man auf der Homepage theoretisch nur mit Klarnamen mitdiskutieren kann, hilft dabei auch nicht – es wird nicht kontrolliert: So kann man sich etwa problemlos als „Michael Spindelegger“ anmelden.

Eine weitere Herausforderung laut Pick: Die Partei müsse dafür sorgen, dass über die Vorschläge diskutiert werde – indem sie immer wieder in persönlichen Gesprächen die Menschen dazu animiere, über Ideen zu debattieren. „Wenn sie das gut macht, kann das im Idealfall auch Leute dazu bringen, Parteimitglied zu werden.“

Einen Fehler dürfe die ÖVP aber nicht machen: Keine Schritte in Richtung Modernisierung setzen. „Im neuen Programm muss zumindest eine Position drin sein, die vorher nicht da war.“ Würde dasselbe herauskommen, als wäre das Programm heimlich in der Lichtenfelsgasse verfasst worden, sei das Projekt gescheitert. (ib)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2014)

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