Seit 1945: Österreich nahm zwei Millionen Flüchtlinge auf

Österreich war jahrzehntelang das wichtigste Land Europas für die Erstaufnahme von Auswanderern. Von den rund zwei Millionen blieben fast 700.000 Menschen in der Republik.

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Asylwerber – APA/EPA/ETIENNE LAURENT

Der derzeit registrierte Ansturm von Flüchtlingen ist für Österreich nichts Neues. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat Österreich laut UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) mehr als zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen, fast 700.000 Menschen sind geblieben. Derzeit sind es vor allem Syrer, Iraker und Afghanen, die aus den Bürgerkriegsgebieten in ihrer Heimat fliehen.

Aufgrund seiner geografischen Lage zwischen den Blöcken war Österreich jahrzehntelang das wichtigste Land für die Erstaufnahme von Flüchtlingen und Auswanderern in Europa. Bereits unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich rund 1,4 Millionen Vertriebene im besetzten Österreich. Die erste große Flüchtlingswelle erreichte das mittlerweile souveräne und neutrale Österreich 1956. In Folge des "Volksaufstandes" in Ungarn suchten 180.000 Menschen Zuflucht im Nachbarland. Die USA und Kanada nahmen den Großteil der Flüchtlinge auf. Etwa 18.000 Ungarn blieben in Österreich.

"Prager Frühling": 162.000 Tschechen und Slowaken

Im Jahr 1968 brachten sich 162.000 Tschechen und Slowaken nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die damalige Tschechoslowakei und dem damit verbunden Ende des "Prager Frühlings" in Österreich in Sicherheit. 12.000 von ihnen ließen sich für immer hier nieder, die meisten Flüchtlinge kehrten aber wieder in ihre Heimatländer zurück, einige zogen in andere Länder weiter.

1972 nahm Österreich laut UNHCR aufgrund international vereinbarter Quoten erstmals nicht-europäische Flüchtlinge auf: 1.500 asiatisch-stämmige Ugander, danach Chinesen, Vietnamesen, Kambodschaner und Kurden. 1980/81 setzte die nächste große Fluchtbewegung aus Osteuropa ein. Als in Polen das Kriegsrecht ausgerufen wurde, kamen 33.000 Flüchtlinge nach Österreich. 90 Prozent reisten in Drittländer weiter.

In der jüngeren Vergangenheit trieben die Kriege am Balkan beim Zerfall Jugoslawiens wieder Zehntausende in die Flucht. Um den Jahreswechsel 1991/1992 kamen rund 13.000 aus Kroatien, der Großteil kehrte im Frühjahr 1992 wieder nach Hause zurück. Zu diesem Zeitpunkt trafen die ersten Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina ein. Rund 90.000 wurden hier aufgenommen. Rund 60.000 von ihnen fanden hier eine zweite Heimat - nach Angaben des UNHCR die umfangreichste und aufwendigste Aufnahmeaktion in der Geschichte Österreichs.

Bürgerkriege im Irak, in Syrien und Afghanistan

Als im Frühjahr 1999 die Vertreibung der Kosovo-Albaner eskalierte, nahm Österreich mehr als 5000 Menschen auf. Gleich nach dem Ende der Kämpfe im Sommer 1999 begann eine erste Rückkehrbewegung. Nachdem sich die ehemalige autonome Teilrepublik Tschetschenien 1991 nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion für unabhängig erklärte, kam es 1994 und in Folge des Überfalls tschetschenischer Rebellen auf das Nachbarland Dagestan 2009 zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Russland. Rund 160.000 Menschen haben dabei ihr Leben verloren, viele mussten fliehen.

Derzeit steigen die Flüchtlingszahlen vor allem durch die anhaltenden Kriege bzw. Bürgerkriege im Irak, in Syrien und in Afghanistan. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 28.311 Asylanträge in Österreich registriert, das sind bereits mehr als im gesamten Jahr 2014. Deutlich mehr als die Hälfte der Anträge kommen von Staatsbürgern dieser drei Länder.

(APA)

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