Kärnten: Heftige Kritik an der "Landessprache Deutsch"

Slowenenorganisationen stoßen sich an dem Kompromiss, der "klammheimlich das Primat der deutschen Sprache einzementiert". Am Dienstag wird vor der Landesregierung demonstriert.

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Symbolbild: ZSymbolbild: Zweisprachige Ortstafel von Ludmannsdorf mit deutscher und slowenischer Ortsbezeichnung – (c) APA (GERT EGGENBERGER)

Ganz so glücklich wie die Koalitionsparteien SPÖ, ÖVP und Grüne mit ihrem Kompromiss zum Umgang mit der slowenischen Volksgruppe in der neuen Landesverfassung sind nicht alle in Kärnten. Auf Widerstand stößt vor allem die geplante Festschreibung von Deutsch als Landessprache in Artikel 5. Am Dienstag soll es eine Demonstration gegen den Kompromiss vor der Landesregierung geben.

Der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats, Bernard Sadovnik, lobte die Einigung nach deren Verkündigung am Freitag als "wichtigen und verbindenden Schritt, der einer unnötigen Volksgruppendiskussion ein Ende" gesetzt habe. Damit könnte er sich getäuscht haben. Denn kurze Zeit später taten einige Angehörige der Klagenfurter Alpen-Adria-Universität ihr "Unbehagen" ob des neuen Kompromisses kund. "Die nunmehrige stärkere Betonung, dass Deutsch nicht nur die Sprache der Gesetzgebung, sondern DIE Landessprache ist", Slowenisch demgegenüber als "Beigabe", stärke die getrennte Wahrnehmung zweier Landesrealitäten. In der vorigen Variante seien mit der gleichberechtigten Nennung der "deutsch- und slowenischsprachigen Landsleute" Gemeinsamkeit zum Ausdruck gekommen, heißt es in dem Offenen Brief, der von Universitätsprofessor Hans Karl Peterlini initiiert wurde.

Kritik an der Einigung übt auch der Rat der Kärntner Slowenen. Die Präsidentin des Volksgruppentags, Sonja Kert-Wakounig, stößt sich auch am Artikel 5, der Deutsch "als einzige Landessprache in Kärnten" ausweise. Dies bedeute eine Verschlechterung für die slowenische Volksgruppe, außerdem stünde es in "krassem Widerspruch" zum Artikel 7, in dem es heißt, die slowenische Sprache und Kultur seien zu achten, zu schützen und zu fördern. Sie sieht in Artikel 5 sogar "einen weiteren Schritt der Politik hin zur Erfüllung der einstigen (angeblich von Adolf Hitler befohlenen, Anm.) Parole: Macht mir dieses Land deutsch!" Kert-Wakounig wünscht sich, "dass Kundmachungen von Gesetzen und amtlichen Mitteilungen wieder in beiden Landessprachen erfolgen, wie dies einst üblich war". Anfangen könne man mit einer neuen, in beiden Sprachen verlautbarten Landesverfassung.

"Deutsch regiert, Slowenisch pariert!"

Der Verleger und Autor Lojze Wieser kritisiert, dass mit Artikel 5 "klammheimlich das Primat der deutschen Sprache einzementiert" werde. Die Passage widerspreche der Bundesverfassung, welche die Sprachen der autochthonen Minderheiten als gleichberechtigte Amtssprachen festschreibe. "Die Zukunftskoalition setzt fort, was Jahrzehnte die Kärntner Realität beherrschte. Deutsch regiert, Slowenisch pariert!"

Der "Klub der slowenischen Studentinnen und Studenten in Wien", der "Kärntner Schüler_innenverband" sowie der "Aktion kritischer Schüler_innen Kärnten/Koroska" fordern, dass Slowenisch als zweite Landessprache genannt wird. Sie haben für den (morgigen) Dienstag, 16.00 Uhr, zu einer Kundgebung vor der Kärntner Landesregierung aufgerufen.

Vor eineinhalb Jahren einigten sich SPÖ, ÖVP und Grüne auf den Satz: "Die Fürsorge des Landes und der Gemeinden gilt den deutsch-und slowenischsprachigen Landsleuten gleichermaßen." Vor zwei Wochen kündigte ÖVP-Chef Christian Benger die Einigung auf den von ihm selbst vorgeschlagenen Satz auf. Nach Verhandlungen heißt es dort nun "allen Landsleuten". Zuvor steht der Satz: "Das Land Kärnten bekennt sich gemäß Artikel 8 Abs. 2 der Bundesverfassung zu seiner gewachsenen sprachlichen und kulturellen Vielfalt, wie sie in Kärnten in der slowenischen Volksgruppe zum Ausdruck kommt." Und dann wurde noch der Artikel 5 geändert. Wo es bisher hieß: "Die deutsche Sprache ist die Sprache der Gesetzgebung", soll künftig stehen: "Die deutsche Sprache ist die Landessprache sowie Sprache der Gesetzgebung."

(APA)

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